Nervenprobe für Fahrer

Brenner-Demo: Potenzial für Jahrhundert-Stau

Tirol
28.05.2026 21:30

Werden die schlimmsten Befürchtungen wahr oder ist alles nur halb so wild? Am Samstag wird eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen der Alpen in Tirol lahmgelegt – als Protest gegen die Blechlawine!

Bürgermeister Karl Mühlsteiger hat quasi als Privatmann die Blockade der Brenner-Autobahn am Samstag organisiert – freilich mit Unterstützung sämtlicher Wipptaler Bürgermeister, durch deren enges Tal der Transit- und Reiseverkehr aus ganz Europa fließt: 2,4 Millionen Lkw und 12 Millionen Pkw pro Jahr stehen zu Buche. „Der Brenner trägt mit Abstand die Hauptlast des Alpentransits. Der Aufschrei der Bevölkerung ist völlig nachvollziehbar“, hält der Verkehrsclub Österreich dazu fest.

Geringe Teilnahme in der Vergangenheit
Wie groß dieser Aufschrei ausfällt, ist noch unklar. Fakt ist: Bei Autobahn-Demos vergangener Jahre kam zuletzt selten mehr als eine niedere vierstellige Anzahl an Teilnehmern. Mühlsteiger will sich bezüglich Prognosen nicht aus dem Fenster lehnen: „Ich bekomme seit Wochen täglich mehrere hundert E-Mails mit Anfragen zur Demo. Nur ein sehr kleiner Teil äußert sich negativ. Wenn alle kommen, die Unterstützung signalisiert haben, werden es sehr viele“, lässt der streitbare Dorfchef durchblicken. Auch LH Anton Mattle wird auftauchen – „als Privatmann“, wie er betont.

Zitat Icon

Die Demonstration am Brenner ist ein Ausdruck der Tiroler Anti-Transit-Haltung in der Gesellschaft, diese soll nicht parteipolitisch missbraucht werden.

LH Anton Mattle

Appell von offizieller Seite: Tirol großräumig umfahren
Gesperrt wird am Samstag zwischen 11 und 19 Uhr nicht nur die Brennerautobahn, sondern auch die parallel verlaufende Brenner-Bundesstraße und die Ellbögener Landesstraße, traditionell bei Urlaubern beliebte Ausweichrouten, wenn es auf der Autobahn Verkehrsprobleme gibt. Die Polizei wird mit einem Großaufgebot das Ausweichen auf das untergeordnete Straßennetz verhindern und gleichzeitig die Erreichbarkeit von Gemeinden im Fall von Feuerwehr- oder Rettungseinsätzen sicherstellen. Erlaubt ist nur Ziel- und Quellverkehr.

Das Land Tirol hat bereits mehrfache Mitteilungen ans benachbarte Ausland verschickt und eigenen Angaben zufolge damit ein Millionen-Publikum erreicht.

Als niedriger Alpenübergang schluckt der Brenner einen Großteil des Verkehrs.
Als niedriger Alpenübergang schluckt der Brenner einen Großteil des Verkehrs.(Bild: tcoeam)

Organisationen wurden informiert
„Land, Polizei, Asfinag sowie weitere Einsatzorganisationen haben sich umfassend vorbereitet“, betont Kathrin Eberle, Bezirkshauptfrau des Bezirks Innsbruck-Land. „Unser Ziel ist es, die Sicherheit in der Region bestmöglich zu gewährleisten. Unser Appell bleibt klar: Umfahren Sie Tirol am 30. Mai großräumig und verzichten Sie bitte auf nicht unbedingt notwendige Fahrten innerhalb Tirols.“ Auch in den Stunden und Tagen davor und danach sei mit erhöhtem Verkehrsaufkommen zu rechnen.

„Massive Behinderungen“
„Wer am Samstag den Brennerkorridor nutzen will, muss sich auf massive Behinderungen, Stillstand und sehr lange Verzögerungen einstellen“, warnt die Asfinag. Die eindringliche Empfehlung laute daher: Den Brenner meiden und, wenn möglich, auf Fahrten nach und über Österreich verzichten. „Denn auch auf den Ausweichstrecken sind massive Staus zu erwarten.

Einer der stärksten Reisetage im Jahr
Die anderen Nord-Süd-Verbindungen, insbesondere die Tauern- und Pyhrn-Autobahn, sind schon ohne Umleitungsverkehr an einem solchen Reisetag überlastet. Aktuelle Verkehrsprognosen zeigen, dass der betroffene Tag zu den verkehrsstärksten des Jahres zählen wird“. so die deutliche Warnung der Asfinag.

8 Stunden

lang ist am Samstag ab 11 Uhr die Reiseroute über den Brenner in den Süden in beiden Richtungen gesperrt. Für Lkw gibt es bereits ab 9 Uhr kein Durchkommen.

A10 und A9 am schlimmsten betroffen
In drei der bevölkerungsreichsten deutschen Bundesländer – Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt – fallen Ferienzeiten zusammen, gleichzeitig ist in Italien am 2. Juni mit dem „Tag der Befreiung“ ein Feiertag. Besonders betroffen sind aus Sicht der Autobahngesellschaft die Bundesländer Kärnten, Salzburg und Oberösterreich sowie Steiermark entlang der A10 und A9. Auch Vorarlberg müsse mit erheblichen Belastungen aufgrund der notwendigen Sperre, möglicher Rückführungen des Verkehrs vor Einfahrt nach Tirol bzw. aufgrund des Umwegverkehrs rechnen.

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