Es sind 20 Fragen, die die Geschworenen im Landesgericht Wiener Neustadt (NÖ) beantworten müssen. Im Zentrum steht natürlich der geplante IS-Anschlag auf das Konzert von Taylor Swift in Wien – das schreckliche Vorhaben gestand Beran A. bereits. Doch auch über eine Anschlagsserie in Dubai, Istanbul und Mekka müssen die Laienrichter entscheiden. Es droht lebenslange Haft.
Ein letztes Mal wird Beran A. flankiert von Justizwachebeamten in den Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Wiener Neustadt (NÖ) gebracht. Vier Prozesstage hat der angeklagte IS-Anhänger hinter sich – jetzt geht es um das Urteil. Der 21-Jährige plante im Sommer 2024 einen Terroranschlag auf ein Konzert der US-Sängerin Taylor Swift. Drei Auftritte mussten bekannterweise abgesagt werden.
Gefährliches Terror-Trio
Strafmaß bestimmend ist jedoch der Vorwurf des Beitrags zum versuchten Mord im Namen des Islamischen Staats. Zusammen mit dem mitangeklagten Arda K. und dem in Saudi-Arabien inhaftierten Hasan E. soll der Ternitzer eine Anschlagsserie in Dubai, Istanbul und Mekka geplant haben. E. verwirklichte den Plan, ihm droht nun die Todesstrafe. Beran A. und der mitangeklagte Wiener sehen sich mit bis zu 20 Jahren Haft konfrontiert.
Der Wille, berühmt zu werden, treibt sehr viele Menschen in der Gesellschaft zu merkwürdigen Leistungen.
Psychiater Peter Hofmann über den Wunsch des Angeklagten, berühmt zu werden.
Einer der Hauptmotive des 21-Jährigen: Er wollte berühmt werden. Gerichtpsychiater Peter Hofmann, der am letzten Verhandlungstag zu Wort kommt, gibt seine Einschätzung: „Der Wille, berühmt zu werden, treibt sehr viele Menschen in der Gesellschaft zu merkwürdigen Leistungen.“ Um eine psychiatrische Störung handle es sich da aber nicht.
„Auch, wenn er geplant hatte, das durch einen Anschlag zu werden? Er wollte ja nicht mit besonders weit springen berühmt werden“, hakt die Vorsitzende Richterin nach. „Das ist ein Phänomen, das für viele menschlich nicht nachvollziehbar ist. Aber das ist nichts Krankes“, hält Hofmann fest, dass Beran A. zurechnungsfähig ist, die Voraussetzungen für eine Unterbringung wegen Gefährlichkeit ebenfalls nicht erfüllt sind.
Auch Psychotherapeutin Dorothea Stella-Kaiser begutachtete den jungen Niederösterreicher. Brisant: „Er stellte sich überhaupt nicht als antisozial dar. Meine Beobachtung ist, dass eine sehr starke positive Selbstdarstellung passiert ist.“ Dabei legte der 21-Jährige eine gefährliche Radikalisierung hin. In Chat-Nachrichten mit Gleichgesinnten geht es ums Töten, ums Foltern, um diverse Gewaltfantasien. Die er schließlich gleich zweimal in die Tat umsetzen wollte.
Erschütterndes Geständnis
In seiner Aussage sprach er über den Terrorplan auf das Konzert am 9. August im Wiener Ernst-Happel-Stadion: „Ich wollte mich so stark wie möglich bewaffnen, dass ich wie ein Held rauskomme. Es war so eine Idee, mit einem Lkw irgendwo reinzufahren. Mit Waffen, Bomben und Messern.“ Weil er keinen Lkw-Führerschein hatte, widmete er sich „lediglich“ dem Bombenbau – bei einer Hausdurchsuchung wurde ein fast funktionstüchtiger Sprengsatz sichergestellt.
20 Fragen müssen die Geschworenen nun beantworten. „Mein Mandant Beran A. hat schwerste Straftaten gestanden. Die meisten Fragen können sie mit Ja beantworten“, richtet sich Verteidigerin Anna Mair. Aber: „Beran ist kein Anführer. Er ist kein ideologischer Mastermind. Wir können nicht nachvollziehen, wie das ist, wenn jemand in einer Radikalisierung drinnen ist. Die Welt, in der Beran damals gelebt hat, hat nur noch aus Freund und Feind bestanden – dazwischen gab es gar nichts mehr.“ Hasan E. hätte er aber nicht in seiner Bluttat in Mekka bestärkt. Mair spricht über das Umfeld des 21-Jährigen: „Keiner hat meinem Mandanten irgendwas zugetraut.“
Der Staatsanwalt fordert indes eine Verurteilung im Sinne der Anklage. „Genau wie gestern in Klagenfurt geht es hier um einen Terroranschlag.“ Man muss mutmaßlichen zukünftigen Tätern mit den Strafen Angst machen, man muss ihnen zeigen, dass so etwas Grausames nicht toleriert wird.
Ein Urteil wird am Abend erwartet.
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