Unterschätzte Gefahr

Triglyceride sind die „Stiefkinder“ der Blutfette

Bei Hypertriglyzeridämie sind zu viele Fette im Blut. Das ist schlecht für Herz und Gefäße, wird aber oft unterschätzt. Augenmerk liegt meist nur auf dem „schlechten“ LDL-Cholesterin, was aber zu kurz greift. Positiv: Meist kann man den Triglyzeridwert sogar ohne Medikamente senken!

Vielfach wird das Herz-Kreislauf-Risiko anhand des LDL-Cholesterins („schlechtes Cholesterin“) eingeschätzt. Eine wichtige Rolle spielen jedoch auch erhöhte Triglyceride im Blutbefund, die oft stiefmütterlich behandelt werden. Dabei stellen sie ebenfalls einen wichtigen Warnhinweis für das Herz-Kreislauf-Risiko dar.

Entscheidend ist nämlich nicht nur die Menge der Fette, sondern wie sie transportiert werden. Lipide können nicht frei in der Blutbahn zirkulieren, sondern werden in sogenannten Lipoproteinen befördert.

Der LDL-Wert muss gar nicht erhöht sein …
Die meisten dieser Transportpartikel vermögen die Blutgefäße zu schädigen und so Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen. Bei erhöhten Triglyzeriden sind besonders viele solcher ungünstigen Transportpartikel im Blut vorhanden – auch dann, wenn der bekannte „LDL-Cholesterinwert“ gar nicht stark erhöht ist.

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Quotienten wie das Verhältnis von Gesamtcholesterin zu HDL verleiten zur Verharmlosung des Risikos und sollten nicht mehr verwendet werden.

MR OA Dr. Helmut Brath, Diabetes- und Fettstoffwechselambulanz, Mein Gesundheitszentrum Favoriten der ÖGK, Wien und Vorstandsmitglied der Österr. Gesellschaft für Lipidologie

Schädliche Fettpartikel im Blut
Das bedeutet: Wird das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nun nur anhand des LDL-Wertes eingeschätzt, ist das bei Menschen mit hohen Triglyzeriden nicht immer aussagekräftig, weil andere schädliche Fettpartikel ebenfalls eine große Rolle spielen. Ist gleichzeitig das HDL-Cholesterin verringert, kann das übrigens ein Hinweis auf (beginnenden) Diabetes sein.

Experten achten bei erhöhten Triglyceriden z.B. auf den Wert ApoB. „Dieser kann gerade bei erhöhten TG der bessere Risikomarker sein“, erklärt Kardiologe Dr. Dominic Philipp Klein, Klinik Favoriten, Wien, im Fachmagazin „Ärzte Krone“. „Alternativ eignet sich auch Non-HDL-Cholesterin (Gesamtcholesterin minus HDL-C).“

Maßnahmen bei Hypertriglyzeridämie

  • Essenziell ist eine optimale Einstellung eines möglichen Diabetes
  • Reduktion von Kohlenhydraten, v.a. Haushaltszucker und Fruktose
  • Bevorzugen Sie ungesättigte, vor allem pflanzliche Fette
  • Alkohol meiden!
  • Reduktion von etwaigem Übergewicht
  • Steigerung der körperlichen Aktivität, Alltagsbewegung!
  • Medikamente bei erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko

MR OA Dr. Helmut Brath, Diabetes- und Fettstoffwechselambulanz, Mein Gesundheitszentrum Favoriten der ÖGK, Wien und Vorstandsmitglied der Österr. Gesellschaft für Lipidologie, dazu: „Quotienten wie das Verhältnis von Gesamtcholesterin zu HDL verleiten zur Verharmlosung des Risikos und sollten nicht mehr verwendet werden.“

Häufigste Ursachen der Triglycerid-Erhöhung sind zu viele schnell verwertbare Kohlenhydrate (z. B. Zucker, Weißmehl) oder Diabetes einschließlich seiner Vorstufen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Alkohol ist ein besonders wichtiger Faktor: Bei manchen Menschen reichen schon geringe Mengen aus, um die Triglyzeride stark steigen zu lassen. Auch Medikamente können eine Rolle spielen, wie Cortison- oder Hormonpräparate.

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Grundlage jeder Lipidtherapie ist eine Lebensstiloptimierung, die bei erhöhten Triglycerid-Werten besonders gut wirkt

Dr. Dominic Philipp Klein, 5. Medizinische Abteilung mit Kardiologie, Klinik Favoriten, Wien

Den Lebensstil optimieren
„Grundlage jeder Lipidtherapie ist eine Lebensstiloptimierung, die bei erhöhten Triglycerid-Werten besonders gut wirkt“, hat Dr. Klein eine gute Nachricht parat. Zusätzlich sollten Begleiterkrankungen mit Einfluss auf die Triglyceride, etwa Diabetes oder Schilddrüsenprobleme, gut eingestellt sein.

Dr. Brath: „Medikamente, vor allem Cholesterinsenker, werden eingesetzt, wenn das Herz-Kreislauf-Risiko erhöht ist. In Fällen von extrem hohen, genetisch bedingten Werten können auch spezielle Triglyceridsenker nötig werden.“

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