Eine neue Studie der medizinischen Universität Wien lässt aufhorchen: Auf von Psoriasis befallenen Arealen treten keine Tumoren auf. Wir haben nachgefragt, was das für Betroffene bedeuten könnte.
Vor kurzem deutete eine Studie der medizinischen Universität Wien darauf hin, dass die Hauterkrankung Schuppenflechte mitunter vor Hautkrebs „schützen“ könnte. Die Ärzte erforschten nämlich in Mausmodellen, dass Tumore bei Psoriasis nicht direkt auf den befallenen, also stark entzündeten Hautarealen, entstehen.
Als mögliche Mechanismen hinter diesem Phänomen entdeckten sie bestimmte Immunzellen des angeborenen Abwehrsystems, die in der entzündeten Haut stark vermehrt vorkamen. Diese Zellen veränderten die lokale Gewebesituation so sehr, dass eine Tumorentwicklung unterdrückt wurde. Ihr Fazit: Entzündungsreaktionen müssen nicht grundsätzlich tumorfördernd sein.
Studie an Mäusen stößt auf Skepsis
Eher skeptisch sieht diese neuen Erkenntnisse der Wiener Dermatologe Dr. Leo Richter. „Diese Studie stammt aus dem künstlichen Setting eines Labors und wurde an Mäusen durchgeführt, die im Bereich von Psoriasis-Plaques ein geringeres Plattenepithelkarzinom-Risiko (Spinaliom, weißer Hautkrebs) aufwiesen. Die klinische Bedeutung ist somit sehr fraglich, da 80% der Fälle von ,weißem Hautkrebs’ im Gesicht zu finden sind, das in den allermeisten Fällen ohnehin von der Psoriasis ausgespart bleibt.“
80% der Fälle von ,weißem Hautkrebs’ sind im Gesicht zu finden, das in den allermeisten Fällen ohnehin von Psoriasis ausgespart bleibt.

Dr. Leo Richter, Facharzt für Dermatologie in Wien und Baden
Bild: martin zorn
Außerdem zeigen bislang laut Dr. Richter mehrere Studien ein leicht erhöhtes Risiko für Psoriasis-Patienten, an „Non Melanoma Skin Cancer“ (Basaliom, Nichtmelanozytärer Hautkrebs = verschiedene Arten von Hautkrebs außer Melanom) zu erkranken.
Dass entzündliche Erkrankungen die Krebsgefahr grundsätzlich erhöhen, betont auch der Rheumatologe Dr. Thomas Schwingenschlögl: „Das Tumorrisiko ist etwa bei einigen rheumatischen Entzündungen im Vergleich zur Normalbevölkerung deutlich erhöht, oft abhängig von der Krankheitsaktivität und systemischen Entzündung.“
Behandlung nie eigenmächtig einstellen!
Er warnt deutlich davor, dass Patienten mit Psoriasis die Behandlung einstellen, weil sie denken, dann keinen Krebs zu bekommen. „Denn ein generell erhöhtes Tumorrisiko, speziell bei hoher entzündlicher Aktivität, bleibt bestehen!“
Ein generell erhöhtes Tumorrisiko, speziell bei hoher entzündlicher Aktivität, bleibt bestehen!

Dr. Thomas Schwingenschlögl, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie in Wiener Neudorf
Bild: Malena Brenek
Er führt noch weitere Beispiele an: „Bei der rheumatoiden Arthritis (RA), früher chronische Polyarthritis genannt, sieht man um 50% mehr Lungenkarzinome, besonders bei älteren Männern, die rauchen. Ebenfalls ist das Risiko für Blutkrebs (Lymphome) und Tumore des Urogenitalbereichs (Niere, Harnblase) erhöht. Bei dieser Erkrankung besteht ein eindeutiger Zusammenhang mit der entzündlichen Aktivität einer Rheumatoiden Arthritis.“
Entzündliche Erkrankungen mit höheren Krebsraten
Bei vielen rheumatischen Krankheiten und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ist auch eine erhöhte Rate von Hautkrebs festzustellen. Die höchste Tumorrate weisen Autoimmunerkrankungen wie Kollagenosen und Vaskulitiden (Systemischer Lupus Erythematodes, Sjögren Syndrom, Systemische Sklerose) auf und betreffen in erster Linie das Blut (Lymphome).
Grundsätzlich spielen laut der Experten bei der Entstehung von Krebs nicht nur Grunderkrankungen und entzündliche Aktivität, sondern auch Umwelteinflüsse wie Hauttyp, (zu viel) Sonne und Hautbestrahlungen (PUVA Therapie bei schwerer Psoriasis), aber auch Medikamente eine große Rolle.
Die Experten sind sich einig: Zur Vorbeugung gegen Krebserkrankungen gilt – abseits neuer Studien – etwaige Entzündungen im Körper optimal zu behandeln, Rauchen und hohen Alkoholkonsum einzustellen, Übergewicht zu reduzieren, mehr faserreiche und ballaststoffreiche Kost (Obst, Gemüse) und Fisch zu verzehren, dafür weniger Zucker, Fett und rotes Fleisch zu essen. Bewegung und Sport in den Alltag einbauen! Und regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen vornehmen zu lassen. Was Hautkrebs anbelangt, ist es wichtig, mindestens einmal pro Jahr beim Dermatologen einen kompletten Hautcheck machen zu lassen!
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