Der Mann, der Apple durch eine der prägendsten Phasen seiner Geschichte geführt hat, zieht sich zurück: Nach mehr als einem Jahrzehnt an der Spitze kündigt CEO Tim Cook (65) seinen Abgang an. Damit endet eine Ära, die den Technologiekonzern nicht nur wirtschaftlich auf neue Höhen führte, sondern auch strategisch neu ausrichtete.
Laut einer Unternehmensmitteilung wird der 50-jährige John Ternus, derzeit Senior Vice President für Hardware Engineering, ab 1. September die Rolle des CEO übernehmen. Cook soll bis dahin im Amt bleiben, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Anschließend wechselt er an die Spitze des Aufsichtsrats des Unternehmens.
„Es war das größte Privileg meines Lebens, CEO von Apple zu sein und ein so außergewöhnliches Unternehmen führen zu dürfen“, erklärte Cook in einer Aussendung.
Vom Jobs-Erben zum Konzernlenker
Cook hatte den Chefposten im Jahr 2011 übernommen, nachdem Steve Jobs zurückgetreten war. In den folgenden Jahren prägte er die Entwicklung des Unternehmens maßgeblich: Unter seiner Führung wuchs Apple zu einem Konzern mit einem Börsenwert von rund vier Billionen US-Dollar.
Apple ist nicht irgendein Konzern – an der Börse war er lange Zeit das wertvollste Unternehmen der Welt, nun rangiert er ebenda auf Platz 2:
Dabei trieb Cook die Diversifizierung des Geschäfts voran. Neben klassischen Produkten wie Mac, iPod und iPhone entwickelte sich Apple zunehmend in neue Bereiche – etwa Unterhaltung, Gesundheit und Wearables.
Krisen, Politik und globale Herausforderungen
Seine Amtszeit war auch von globalen Herausforderungen geprägt. So steuerte Cook das Unternehmen durch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie sowie durch handelspolitische Spannungen zwischen den USA und China, die unter anderem durch die Zollpolitik von Donald Trump ausgelöst wurden.
Umbau im Top-Management
Die Ankündigung erfolgt zudem in einer Phase personeller Veränderungen im Top-Management des Konzerns. Ende 2025 hatten bereits mehrere Führungskräfte das Unternehmen verlassen, darunter der KI-Chef, der Leiter für politische Angelegenheiten sowie ein führender Designer.
Wechsel mit neuem iPhone
Ternus wurde schon seit einiger Zeit als wahrscheinlicher Cook-Nachfolger gehandelt, über den Zeitpunkt des Wechsels gab es aber unterschiedliche Informationen. Vor einigen Monaten gab es bereits Berichte, wonach Cook bald abtreten wolle. Der Zeitplan bedeutet, dass Ternus bereits als Apple-Chef im September ein unter seiner Regie entwickeltes auffaltbares iPhone präsentieren dürfte, über das seit Monaten spekuliert wird.
KI-Zukunft
Die Entscheidung für Ternus ist auch eine strategische Weichenstellung in der Chefetage. Cook wurde von Firmengründer Steve Jobs Ende der 90er-Jahre als Lieferketten-Experte an Bord geholt und galt als jemand, der für das reibungslose Funktionieren des Mega-Konzerns sorgte. Ternus ist ein Technologie-Spezialist, der tief in die Entwicklung verschiedener Apple-Geräte involviert war.
Unter seiner Führung schaffte es Apple in den vergangenen Jahren unter anderem, ultrakompakte Technik wie die AirPods-Ohrhörer zu bauen und mehr Rechenleistung in Geräte zu integrieren. Er sei ein „Kandidat der Kontinuität“, sagte Technologie-Analyst Patrick Moorhead.
Ternus werde „etwas Skepsis“ entgegenschlagen, da er in die Fußstapfen eines der besten Konzernchefs unserer Zeit treten werde, prognostizierte Branchenanalyst Dan Ives im Wirtschaftssender CNBC. Zugleich erinnerte er an die Zweifel, die es einst an Cook gab: Dieser sei weder ein Innovator noch eine Kultfigur wie Jobs gewesen – „aber er hat einen fantastischen Job gemacht, um das Geschäft wachsen zu lassen“.
Die Berufung von Ternus – und nicht etwa von Software-Chef Craig Federighi – signalisiert, dass Apple auch in der anbrechenden KI-Ära seinen Technik-Wurzeln treu bleiben will. Rivalen wie Google und Samsung werben mit immer neuen KI-Funktionen für ihre Smartphones. Apple tat sich bisher schwer, eine bereits 2024 angekündigte bessere Version seiner Sprachassistentin Siri mit Künstlicher Intelligenz auf den Markt zu bringen.
Dass Cook in dieser Situation bereit war, die Zügel zu übergeben, zeuge davon, dass Apple die KI-Probleme aus seiner Sicht im Griff habe, sagte Ives. Zumal an der Börse verstärkt gefordert werde, eine KI-Strategie zu präsentieren.
Srouji rückt nach
Ternus‘ Nachfolger als Hardware-Chef wird Johny Srouji, der bisher die Chipentwicklung führte. Dank der Entwicklung eigener Halbleiter konnte Apple Intel-Chips aus seinen Mac-Computern verbannen. Die Macs bekamen mit den eigenen Chips längere Laufzeiten und konnten auf einer gemeinsamen Plattform mit den iPhones laufen.
Dass für Srouji die neue Job-Bezeichnung Chief Hardware Officer geschaffen wurde, dürfte darauf hinweisen, dass er die bisherige Verantwortung für die Chip-Entwicklung behält, während er nun auch für andere Aspekte der Geräte-Technik zuständig sein wird.
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