French-Open-Finale der Männer in Paris! Der Deutsche Alexander Zverev trifft auf den Italiener Flavio Cobolli. Wir berichten live – siehe Ticker unten.
Hier der Liveticker:
Beim finalen Schritt zur Krönung seiner Tennis-Karriere will sich Alexander Zverev auch nicht von seinem Kumpel Flavio Cobolli aufhalten lassen. Dreimal stand der 29-jährige Deutsche schon im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers, am Sonntag (15.00 Uhr) will der Weltranglisten-Dritte im Endspiel der French Open in Paris gegen den italienischen Überraschungs-Finalisten endlich auch triumphieren.
Den großen Titeldruck durch das frühe Aus des Weltranglisten-Ersten Jannick Sinner und das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Carlos Alcaraz, die die jüngsten neun Grand-Slam-Turniere gewonnen haben, meisterte Zverev bisher tadellos. Auch der Viersatzsieg im Halbfinale gegen den Tschechen Jakub Mensik geriet nie wirklich in Gefahr. Cobolli dürfte ihn etwas mehr fordern. „Er ist super-talentiert, super-jung, er verbessert sich immer wieder“, sagte Zverev über seinen 24-jährigen Freund, den er menschlich sehr schätzt. „Für mich ist er einfach ein netter Mensch. Er hat ein gutes Herz.“
1:1 im direkten Duell heuer
Zweimal standen sich Zverev und Cobolli heuer schon auf Sand gegenüber. Im Halbfinale von München gewann der Italiener in zwei Sätzen, im Viertelfinale von Madrid siegte Zverev ebenfalls glatt in zwei Sätzen. Dass Cobolli im Halbfinale gar nicht spielen musste, weil sein Gegner und Landsmann Matteo Arnaldi krankheitsbedingt kurzfristig absagen musste, mache für Zverev „keinen Unterschied. Ich fühle mich gut, ich habe auch keine brutal langen Matches gehabt“.
Und auch der Kopf spielt bisher mit. Damit das so bleibt, wird der Olympiasieger von 2021 seine „Von-Match-zu-Match“-Mentalität auch vor dem Finale nicht ablegen. „Ich habe mich auf meine Sachen konzentriert, und das werde ich weiterhin tun. Das Einzige, worauf ich Einfluss habe, ist mein nächstes Match“, sagte er. Seine einzige Aufgabe sei „der Gegner, der vor mir steht“, betonte Zverev, „und alles andere ist mir egal“.
Zverev ist der Titelgewinn nach der Absage des verletzten Titelverteidigers Carlos Alcaraz, dem frühen Aus von Topfavorit Jannik Sinner nach einer Art Hitzeschlag und auch dem Ausscheiden von Novak Djokovic von außen fast schon als Verpflichtung aufoktroyiert. „Wenn er es jetzt nicht gewinnt“, sagte etwa Tennis-Ikone John McEnroe, „dann gewinnt er es wahrscheinlich nie“ – und sprach aus, was viele denken. Bisher hat Zverev dem Druck aber standgehalten.
Drei Grand-Slam-Finalniederlagen bisher
Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Seine drei bisherigen Grand-Slam-Finali hat Zverev alle verloren: 2020 bei den US Open fehlten ihm im Match gegen den Österreicher Dominic Thiem zwei Punkte zum Sieg. 2024 in Paris musste er sich im Fünfsatz-Krimi Alcaraz geschlagen geben. Und im Vorjahr war er bei den Australian Open gegen Sinner chancenlos.
Ein wohl noch größerer Rückschlag war das Halbfinale in Roland Garros vor vier Jahren, als sich Zverev auf Augenhöhe mit dem spanischen Sandplatz-König Rafael Nadal präsentierte, dann aber umknickte und sich schwer am Fuß verletzte. Jetzt aber kann er sich für das Aushalten all des Schmerzes, der Rückschläge und auch Zweifel belohnen. Wenn er am Sonntag auf der Bank des Final-Stadions Philippe Chatrier sitzt, kann er auf der gegenüberliegenden Tribünenseite problemlos den Schriftzug „victory belongs to the most tenacious“ lesen. „Der Sieg gehört dem Hartnäckigsten“ – das könnte auch Zverevs Final-Motto sein.
Becker letzter deutscher Grand-Slam-Sieger
Zverev hat seit Ende Februar nur sechs Matches verloren – allesamt gegen Italiener (4 x Sinner, Cobolli, Luciano Darderi). Beendet er die Serie, wäre er der erste männliche Tennisprofi aus Deutschland, der seit Beginn der Profiära 1968 beim Sandplatz-Klassiker in Paris gewinnt. Der bisher letzte Grand-Slam-Erfolg eines deutschen Mannes liegt bereits 30 Jahre zurück, damals holte Boris Becker bei den Australian Open seinen sechsten und letzten Sieg bei einem der weltweit vier wichtigsten Turniere.
Becker ist angetan von den Leistungen des Hamburgers – und fast noch mehr von dessen mentaler Stärke. „Seit der Niederlage von Jannik Sinner redet jeder davon, dass Alexander Zverev nun der Favorit ist“, sagte der Eurosport-Experte: „Er geht damit hervorragend um, denn der Druck liegt bei ihm, egal, was er sagt.“
In der Vergangenheit wurde Zverev oft dafür kritisiert, dass er zu viel Familie und Freunde um sich schart. Angesichts des großen Titeldrucks scheint aber diese Wohlfühl-Oase genau das richtige Konzept zu sein. Vater, Mutter, Bruder, Kumpel – sie alle sind in Paris. Nur Freundin Sophia Thomalla ist diesmal nicht dabei, die Moderatorin ist beruflich eingebunden. Weil Zverev abergläubisch ist, will sie auch zum Finale nicht ins Stadion kommen. Zur Party bei einem Grand-Slam-Triumph würde sie aber anreisen und Zverevs Glück perfekt machen.
French-Open-Sieger im Herbst in Wien
Für die Erste Bank Open ist das Finale ein Glücksfall, wird der French-Open-Sieger doch beim Turnier von 24. Oktober bis 1. November in Wien aufschlagen. Sowohl Zverev als auch Cobolli haben ihre Teilnahme zugesagt, ebenso Paris-Halbfinalist Mensik.
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