Fußball-WM

Kanzler und Vizekanzler reisen zum ÖFB-Team

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Von krone Sport

Vor Beginn der Fußball-WM stimmt sich auch die österreichische Politik allmählich auf das Turnier ein. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) reisen in offizieller Funktion nach Nordamerika, andere verfolgen die Spiele zuhause vor dem Fernseher. Trotz ungünstiger Anstoßzeiten hoffen die Politikerinnen und Politiker auf gute Stimmung und Erlebnisse im Land. Die politische Situation in den Ausrichterländern soll eher ausgeklammert werden.

Vizekanzler und Sportminister Babler wird das erste Spiel des österreichischen Nationalteams gegen Jordanien am 16. Juni (17. Juni, 6.00 Uhr MESZ) in Santa Clara besuchen. Kanzler Stocker schaut sich das zweite ÖFB-Match am 22. Juni gegen Argentinien in Dallas an. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) ist nicht bei der WM dabei, wie APA-Anfragen an die Parteien ergaben.

  Für Stocker geht die Bedeutung der WM in Zeiten geopolitischer Spannungen über die Spiele hinaus. „Denn Sport kann Brücken bauen, wo man keine mehr vermutet hätte.“ Das Nationalteam habe gezeigt, was durch Zusammenhalt möglich ist. „Es ist auch ein Signal an die Menschen in Österreich: Glauben wir an unser Land und arbeiten wir gemeinsam am Aufschwung.“ Auch Babler will die Leistungen der Mannschaft entsprechend würdigen. „Gerade auch weil unser Team damit Vorbild für unsere Kinder und damit für die Sportlerinnen und Sportler von morgen ist.“

(Bild: BKA/Regina Aigner)

„Fans werden unter Schlafmangel leiden“
Dem österreichischen Team trauen die Politiker einiges zu, sie hoffen durchwegs auf das Überstehen der Gruppenphase. Als Favoriten auf den Titel nennen sie freilich eher Großmächte wie Argentinien, Brasilien, Frankreich und Spanien. Wem FPÖ-Chef Herbert Kickl die Daumen drückt? „Sicherlich Argentinien, dazu immer gern auch Außenseiter. Aber auch hier gilt: Österreich zuerst.“ Die Sportsprecherin der Grünen, Agnes Sirkka Prammer, hofft auf ein gelungenes WM-Debüt von Curacao.

  Die Spielzeiten sorgen unterdessen für gemischte Gefühle. NEOS-Sportsprecher Janos Juvan will den Österreichern auch in der Nacht zusehen. „Wenn möglich verfolge ich die Spiele gemeinsam mit Freunden in Klagenfurt.“ Auch aus der Bevölkerung erhofft er viel Unterstützung. „Die Stimmung wird super sein, auch wenn die österreichischen Fans in den nächsten Wochen unter akutem Schlafmangel leiden werden.“

Sportstaatssekretärin Michaela Schmidt
Sportstaatssekretärin Michaela Schmidt(Bild: BMWKMS/Schlögl)

„Auf jeden Fall jedes Spiel live vor einem Bildschirm“ verbringen wird Sportstaatssekretärin Michaela Schmidt (SPÖ), „auch wenn ich dafür um 3.00 Uhr aufstehen muss – das ist angesichts der historischen Verdienste des ÖFB-Teams das mindeste“. Und weiter: „Ich hoffe, dass der WM-Funke trotz der Zeitverschiebung und der schwierigen Rolle der USA als Gastgeber überspringt.“ Auch FPÖ-Chef Kickl erwartet positive Energie im Land: „Wenn das Nationalteam einen guten Lauf hat, wird das auch eine gewisse Euphorie auslösen.“

Integrität des Sports soll gestärkt werden
Von einem Ausschluss mancher Länder hält Kickl hingegen nichts, „weil es den Sportlern und den Fans gegenüber unfair ist“. Staatssekretärin Schmidt merkt an, dass die aktuelle Situation zum Zeitpunkt der WM-Vergabe nicht absehbar war. „Aber es ist dennoch eine schwer erträgliche Instrumentalisierung des Fußballs durch die US-Regierung und die Anbiederungstaktik der FIFA.“

  NEOS-Abgeordneter Juvan sieht es kritisch, wenn Sport zur politischen Imagekorrektur verwendet wird. „Zumindest im nationalen Rahmen wollen wir deshalb die Integrität des Sports verstärken – und auch Förderungen stärker an Integritätsvorgaben binden.“ Gerade bei Großereignissen sehe man, dass die eigentlich wünschenswerte Trennung von Sport und Politik faktisch unmöglich sei, findet die Grünen-Politikerin Prammer. „Deshalb ist es wichtig, bei aller sportlichen Begeisterung, das politische Hirn nicht auszuschalten und trotzdem Missstände anzusprechen.“

Die Aufmerksamkeit der WM will Prammer zum Beispiel dafür nutzen, den Respekt gegenüber Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern zu stärken. Auf einen Begeisterungsschub für Bewegung in der Bevölkerung hoffen die NEOS. Die SPÖ will besonders den Kinder- und Jugendsport fördern.

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