Im Rahmen eines Experiments der Universität für Weiterbildung Krems haben rund 250 Menschen in ganz Österreich drei Wochen lang versucht, ihre tägliche Smartphone-Nutzung auf unter zwei Stunden zu senken. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache.
„Die Reduzierung der Screentime auf unter zwei Stunden am Tag hat einen deutlich positiven Effekt auf unsere Psyche“, fasst Univ.-Prof. Dr. Christoph Pieh, Leiter des Departments für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, die Ergebnisse zusammen. „Schlaf, Stress, Wohlbefinden sowie depressive Symptome haben sich um 15 bis 30 Prozent verbessert, gleichzeitig ging das Gefühl der Einsamkeit zurück.“
Konkret reduzierten sich depressive Symptome im Durchschnitt sogar um rund 33 Prozent, Schlafprobleme um 30 Prozent, Stress um 23 Prozent und Einsamkeit um 30 Prozent, während das allgemeine Wohlbefinden um 17 Prozent zunahm. Die Untersuchung basiert auf einem randomisiert-kontrollierten Studiendesign mit Kontroll- und Interventionsgruppe. Damit bestätigten die Ergebnisse die vorangegangene Studie, die im renommierten Fachjournal „BMC Medicine“ vom Februar veröffentlicht wurde.
Bewusster Umgang mit digitalen Routinen
Wie Pieh gegenüber dem Radiosender FM4 erklärte, zeigt sich ein klarer Zusammenhang: „Je mehr Screentime, desto schlechter die psychische Gesundheit. Die zwei Stunden scheinen eine Grenze zu sein, die wichtig ist, und die man gut mitnehmen kann.“ Zugleich gehe es nicht nur ums Reduzieren, sondern auch ums Zurückerobern: „Man gewinnt einfach diese Momente dazwischen. Phasen, in denen man keinen Stress hat, weil man sich nicht schon wieder von neuem Reiz zu Reiz dröhnt.“
In der Untersuchung zeigte sich auch, dass nicht jede Screentime gleich wirkt: Während Musik, Podcasts oder Nachrichtenkonsum in Maßen unproblematisch sind, führe vor allem das endlose Scrollen in sozialen Medien (sogenanntes Doomscrolling) zu erhöhter Belastung. „Diese Algorithmen sind ziemlich gut, denn sie machen es uns schon ganz schön schwer, zu entkommen. Wir müssen uns erstmal bewusst machen, wie schnell wir da reinkippen“, so Pieh.
Das Experiment fand im Rahmen der „FM4 Screentime Challenge“ statt, einer vom Radiosender initiierten Aktion, die die Universität wissenschaftlich evaluierte. Die Ergebnisse zeigen, wie stark kleine Verhaltensänderungen das Wohlbefinden beeinflussen können und dass digitale Achtsamkeit messbare psychische Effekte nach sich zieht. „Man kann nicht wirklich was verlieren“, so Pieh, „aber viel gewinnen. Oft sieht man die Effekte schon nach einer Woche.“
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