Der Mathematiker Karl Sigmund bleibt nach einer Überprüfung im Zusammenhang mit Kontakten zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein durch ein Ethikkomitee der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) weiter Mitglied der Gelehrtengesellschaft.
Das ÖAW-Präsidium will der Empfehlung des Gremiums folgen und eine „Missbilligung“ gegenüber den Treffen Sigmunds mit Epstein aussprechen, gab es am Freitagabend bekannt.
Im März hatte der in den USA tätige österreichische Mathematiker Martin Nowak seine ÖAW-Mitgliedschaft zurückgelegt, bevor das Komitee zu einem Abschluss gelangte. Nowak hatte über Jahre Verbindungen zu Epstein, der seine Forschung großzügig finanziell unterstützte. Sigmund – seines Zeichens Doktorvater von Nowak – bestätigte nach Bekanntwerden der Einrichtung des ÖAW-Ethikkomitees, dass er aufgrund von Zusammentreffen mit Epstein die Akademie selbst ersucht hatte, seine seit 1999 bestehende ÖAW-Mitgliedschaft überprüfen zu lassen.
Der ORF hatte von einem Zusammentreffen von Epstein und Sigmund im September 2018 in New York und im März 2019 in Wien berichtet. Gegenüber ORF Wissen gab Sigmund an, er habe Epstein getroffen, weil er sich „ein persönliches Bild machen wollte“.
ÖAW-Präsidium folgt Empfehlung zum Aussprechen von Missbilligung
Das in der Folge mit der Causa beauftragte Komitee unter der Leitung des evangelischen Theologen und Ethikexperten Ulrich Körtner „empfiehlt nach der umfassenden Prüfung sowie einer Anhörung von einer Aberkennung der Mitgliedschaft abzusehen, aber Sigmund aufgrund der beiden Treffen und der Kenntnis um die Abgründigkeit der Person Epstein eine Missbilligung dieser Treffen auszusprechen“, heißt es: „Mit der Empfehlung einer Missbilligung soll ein Zeichen gesetzt werden, dass die Akademie die Frage von Wissenschaftsethos und wissenschaftlicher Integrität ernst nimmt.“ Das Präsidium der Akademie der Wissenschaften werde dieser Empfehlung folgen, heißt es in einer Stellungnahme.
Der Biomathematiker Nowak ist vor einigen Wochen wegen seiner Verbindungen zu Epstein von der US-Eliteuniversität Harvard freigestellt worden. Die vom US-Justizministerium heuer veröffentlichten Epstein-Akten hätten neue Informationen zutage treten lassen, hieß es seitens der US-Uni. Nowak hatte häufige persönliche Kontakte mit dem New Yorker Multimillionär gehabt, der ihm großzügige Spenden für seine Forschung zukommen ließ.
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