Die von zwei Wienern in Deutschland gegründete Onlinebank N26 ist 2021 weiter gewachsen, hat aber auch den Verlust ausgeweitet. Wichtig sei derzeit, dass die Transaktionen und Aktivitäten je Kunde deutlich steigen. N26 weite auch das Angebot laufend aus - so sei der Einstieg in Kryptowährungen vorbereitet, es fehle nur die Freigabe durch die Regulierungsbehörden, sagen N26-Gründer Valentin Stalf und Finanzchef Jan Kemper.
Der Einstieg in das Kryptosegment sei für N26 wichtig, nicht so sehr wegen Kryptoprodukten selber sondern als „Vorgeschmack darauf, wie in Zukunft unsere Investitions- und Tradingseite aussehen wird“, weil dies ähnlich dem sein werde, was auf der Kryptoseite gestartet wird, so Stalf. Details dazu soll es in einigen Wochen geben.
„Was uns am stolzesten macht, ist, dass wir wahrscheinlich die App sind in Europa mit der aktivsten Kundenbasis“, sagte Stalf. Das Volumen der Transaktionen sei um 50 Prozent gestiegen, die Zahl der registrierten Kunden um eine Million auf acht Millionen zum Jahresende 2021 angewachsen. Davon generiert die Bank allerdings nur mit knapp der Hälfte (3,7 Millionen Kunden) Umsätze, die anderen sind entweder inaktiv oder nutzen nur Gratisprodukte, die keinen Umsatz für N26 generieren. Oft würden aber Kunden über Gratisprodukte einsteigen und dann auf Bezahldienste wechseln, so Kemper.
Kundenwachstum „sehr eingeschränkt“
Wobei es heuer nur ein „sehr eingeschränktes“ Kundenwachstum gebe, nicht zuletzt weil die deutsche Finanzaufsicht der Bank vorgegeben hat, maximal 50.000 neue Kunden pro Monat aufzunehmen. In Italien hat die Regulierungsbehörde heuer im Frühjahr die Aufnahme von Neukunden sogar gänzlich untersagt, weil sie Mängel bei der Umsetzung der Anti-Geldwäsche-Bestimmungen sah. Wann die Auflagen aufgehoben werden hänge an Entscheidungen der Regulierungsbehörden, betonen Stalf und Kemper, aber aus ihrer Sicht seien die Beziehungen mit den Behörden stark verbessert.
Wann genau schwarze Zahlen geschrieben werden, wollten sich Kemper und Stalf nicht festlegen. Aber die Finanzierungsrunde über 700 Millionen Euro Ende 2021 soll die letzte gewesen sein, bevor der Break-even geschafft ist. Auch ein Börsengang sei derzeit kein Thema, N26 bereite sich aber weiter so vor, dass dieser Schritt grundsätzlich möglich wäre, sollte es einmal gewünscht sein.
N26 hat 2021 die Bruttoerträge um die Hälfte auf 182,4 Millionen Euro gesteigert, der Zins- und Provisionsüberschuss legte um zwei Drittel auf 120,3 Millionen Euro zu. Die Kundeneinlagen stiegen um die Hälfte auf 6,1 Milliarden Euro. Allerdings ist auch der Verwaltungsaufwand deutlich gestiegen. Unterm Strich blieb ein Jahresverlust von 172,4 Millionen Euro übrig - deutlich mehr als 2020, als der Verlust 150,7 Millionen Euro betrug. Von den Umsätzen kommen 35 bis 40 Prozent aus Kontoführungsgebühren, und je 30 Prozent aus der Nutzung der N26-Karten bzw. der Veranlagung von Kundengeldern durch die Bank.
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