Drei Iran-Szenarien

Diese Krisen drohen, falls die Gespräche scheitern

Außenpolitik
21.04.2026 10:54

Hat Donald Trump einen Masterplan, von dem wir einfach nichts wissen? Ein von den USA ausgerufener Waffenstillstand läuft in zwei Tagen aus. Jetzt stehen drei mögliche Szenarien im Raum: ein Friedensabkommen, ein andauernder Stillstand oder neue Angriffe.

Neue Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sollen einen Ausweg aus dem Konflikt bringen, der vor allem die Weltwirtschaft enorm belastet. Besonders die Blockade der Straße von Hormuz lässt die Energiepreise explodieren. In Teilen Asiens werden Kraftstoffe bereits rationiert und auch in Europa drohen Tankstellen „auszutrocknen“.

Wenn es um neue Gesprächsrunden zwischen den beiden Konfliktparteien geht, herrscht jedoch Verwirrung. Der Iran hat nach Angaben seines Außenministeriums „noch keine Entscheidung“ über eine Teilnahme an Gesprächen mit den USA in Pakistan getroffen.

Ein Beginn der Gespräche wird daher frühestens am Mittwoch erwartet. Das ist zumindest der Letztstand.

JD Vance soll auf dem Weg nach Islamabad sein.
JD Vance soll auf dem Weg nach Islamabad sein.(Bild: AFP/JACQUELYN MARTIN)

Eine US-Delegation unter der Leitung von Vizepräsident JD Vance wird in Islamabad erwartet. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, gab sich dem Sender Fox News gegenüber zuversichtlich, dass die USA ein „wirklich gutes Abkommen“ schließen würden. Washington und Teheran stünden kurz vor einer Einigung. Und wenn nicht? In Islamabad stehen mehr als 10.000 Polizisten bereit, um ein Event abzusichern, das womöglich gar nicht stattfinden wird. Folgend die drei Szenarien:

Szenario #1
Der diplomatische Durchbruch

Das beste Szenario wäre ein diplomatischer Durchbruch. Eine erste Verhandlungsrunde war zuvor am gegenseitigen Misstrauen gescheitert. Ein zentraler Punkt ist das iranische Atomprogramm. Die USA fordern die Übergabe von rund 440 Kilogramm hochangereichertem Uran – diese Menge reicht für den Bau von etwa zehn Atombomben. Teheran behandelt die Fähigkeit zur Anreicherung jedoch als Souveränitätsfrage und damit als rote Linie.

20 Prozent
STRASSE VON HORMUZ
Fast 20 Prozent des weltweiten Rohölbedarfs passieren die Wasserstraße. Die mitunter wichtigste Öl-Aterie der Welt ist komplett „verstopft“.

Zudem soll der Iran die Straße von Hormuz dauerhaft offenhalten. Im Gegenzug könnten die strengen Wirtschaftssanktionen gegen das Land aufgehoben werden. Auch hier liegen Teheran und Washington weit auseinander. Der Iran hat offenbar Gefallen daran gefunden, illegale Gebühren auf die Durchfahrt der wichtigen Handelsroute zu erheben. 

Szenario #2
Es geht einfach so weiter

Es ist auch möglich, dass die gefährliche Pattsituation einfach andauert. Das wäre vor allem für die Weltwirtschaft eine kaum auszuhaltende Achterbahnfahrt. Wie turbulent dieser Schwebezustand sein kann, zeigte das vergangene Wochenende eindrucksvoll.

Teheran erklärte die Straße von Hormuz am Freitag erst für offen, dann kurz darauf wieder für geschlossen, nachdem Trump sich geweigert hatte, die eigene Blockade aufzulösen.

Dass der US-Präsident dem Iran – quasi nebenbei – immer wieder mit der „absoluten Vernichtung“ droht, hilft freilich wenig. Das Land werde „in die Luft gejagt“, sagte er dem Sender Fox News, wenn ein Abkommen scheitern sollte. Konkret nannte der Republikaner Angriffe auf Brücken und Kraftwerke.

Die mitunter wichtigste Öl-Aterie der Welt ist komplett „verstopft“.
Die mitunter wichtigste Öl-Aterie der Welt ist komplett „verstopft“.(Bild: AP/Ebrahim Noroozi)

Jeder Vorfall liefert der anderen Seite Argumente gegen Zugeständnisse. Trump schwadroniert zwar seit Wochen von einem Sieg, fürchtet aber immer noch, als schwach wahrgenommen zu werden. Für seinen „Deal“ pocht er daher auf maximale Zugeständnisse. Kurz vor Ablauf der Waffenruhe ergibt sich daraus eine kaum aufzulösende Pattsituation. 

Die Straße von Hormuz deckte vor dem Kriegsausbruch am 28. Februar knapp 20 Prozent des weltweiten Bedarfs an Öl und Flüssiggas ab. Zwar können über Pipelines aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten noch Kraftstoffe außer Landes gebracht werden, der weltweite Bedarf wird dadurch aber nicht einmal ansatzweise abgedeckt.

Hinzukommt: Andere integrale Bestandteile der globalen Lieferkette, wie Agrarprodukte, können nicht einfach abgepumpt werden. Sie stecken fest!

„Es geht nicht nur um Öl, sondern um viele petrochemische Produkte wie Pestizide und alles, was in der Landwirtschaft verwendet wird. Vieles weitere, was in verschiedenen Industriezweigen zum Einsatz kommt. All diese Branchen sehen sich also mit massiven Engpässen konfrontiert“, erklärte etwa Mahdi Ghodsi, Ökonom vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), gegenüber der „Krone“.

Es herrsche ein „gravierender Mangel“ in diesen Bereichen: „Wenn sich diese Situation fortsetzt, besteht in vielen Ländern ein enormes Potenzial für eine noch höhere Inflation.“

Szenario #3
Krieg, Leid – und eine neue Fluchtkrise

Sollten die Gespräche scheitern, könnte der Krieg wieder aufflammen. Beide Seiten nutzen die Waffenruhe zur Aufrüstung. Die USA sollen Kriegsschiffe mit Bomben beladen, während der Iran Analysten zufolge versteckte Raketen- und Drohnenarsenale vorbereitet – und selbst von „neuen Trümpfen“ spricht.

Die Konsequenzen einer neuen Eskalation sind für die Weltwirtschaft kaum abschätzbar – dürften jedoch gravierend sein. Und jenes Volk, das Trump eigentlich „befreien“ wollte, wird wohl am meisten darunter leiden. Menschen in Teheran hätten Ghodsi bereits von Preissprüngen von bis zu 300 Prozent seit Kriegsbeginn berichtet.

Dem Regime in Teheran dürfte zudem allmählich das Geld ausgehen. Die USA blocken laut Ghodsi aktuell etwa 80 Prozent der Handelskapazitäten (Import und Export) des Iran. Präsident Masoud Pezeshkian hat bereits gewarnt, dass der Staat „innerhalb von Wochen“ keine Gehälter mehr zahlen könne, wenn der Krieg fortgesetzt werde.

Das Mullah-Regime kennt für diese Krise wohl nur ein Mittel: Gewalt! „Sollten die Menschen wieder auf die Straße gehen, wird die Regierung sie erschießen“, so Ghodsi, der im Iran geboren ist. Die Mullahs seien „ökonomisch natürlich weniger widerstandsfähig“ als die USA, aber dafür umso brutaler.

Der Ökonom fürchtet einen „failed State“ wie in Syrien und dementsprechend neue Fluchtbewegungen, die vor allem Europa treffen würden ...

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