„Krimineller Eingriff“

Rattengift im Babybrei! Kripo jagt HiPP-Erpresser

Österreich
18.04.2026 21:32

Ist mein Kind in Gefahr? Eine Frage, mit der vermutlich viele Eltern am Samstag aufgewacht sind. Sämtliche HiPP-Produkte wurden bei Spar und Maximarkt kurzfristig aus den Regalen entfernt. Details sind weiterhin kaum vorhanden. Nach Informationen der „Krone“ wird der Konzern HiPP erpresst – die Lage ist mehr als ernst. Mittlerweile ist klar: Ein im Burgenland sichergestelltes Gläschen enthielt Rattengift.

„Lebensgefahr, alles nicht so schlimm, wir wissen von nichts!“ – an diesem Samstag war wirklich viel Unterschiedliches dabei, was Konzernsprecher auf „Krone“-Anfragen kommuniziert haben. Es ging jedoch um Babys, Kinder und auch Ältere, die sich augenscheinlich in Gefahr befunden haben könnten.

Aber was genau war passiert: Freitag spätabends gab Babynahrungs-Hersteller HiPP bekannt, dass der Verzehr des „Gemüsegläschens Karotte mit Kartoffel“ (190 Gramm) durch einen gefährlichen Stoff manipuliert und „lebensgefährlich“ sein könnte – krone.at berichtete. Vorerst nahm die Landespolizeidirektion Burgenland die Ermittlungen auf.

Gähnende Leere: Bei Spar räumte man sämtliche HiPP-Produkte weg.
Gähnende Leere: Bei Spar räumte man sämtliche HiPP-Produkte weg.(Bild: Stefan Steinkogler)

„An medizinische Notfallstelle wenden“ 
Infrage kommende Produkte seien mit einer „am Glasboden angebrachten Markierung in Form eines weißen Aufklebers mit einem roten Kreis“ erkennbar, hieß es. Jeder Verdacht solle daher unter 059/13310 – 3333 gemeldet werden. Kurz darauf übernahm dann das Bundeskriminalamt die heikle Causa. Man verstehe die Sorge, betonte HiPP Samstagmittag, aber: „Wenn ein Kind keine Beschwerden zeigt, besteht dazu kein Anlass.“ Sei dies doch der Fall, solle man sich an eine „medizinische Notfallstelle“ wenden. Um welchen gefährlichen Stoff es sich handelt, wollte man nicht kommunizieren.

Erpresserbrief eingelangt, Fälle in Eisenstadt und Tschechien
Wenig später hieß es von dem deutschen Unternehmen: „Es handelt sich um einen externen, kriminellen Eingriff.“ Die Rede ist von einem Erpresserbrief, der in der HiPP-Zentrale eingelangt sein soll – und auch von vergifteten Produkten in zumindest zwei Ländern. Betroffen ist nach derzeitigem Ermittlungsstand eine Spar-Filiale in Eisenstadt. Zuvor war auch von zwei betroffenen Tesco-Filialen in Tschechien die Rede, die AGES hat ihre Angaben aber korrigiert.

Gläschen im Burgenland enthielt Rattengift
Mittlerweile wurde in Schützen am Gebirge ein offensichtlich manipuliertes Glas mit Babynahrung sichergestellt, wie die LPD Burgenland Samstagabend mitteilte. Das Gläschen sei von einem Kunden gemeldet worden, ein Verzehr habe nicht stattgefunden. Eine Probe des sichergestellten Produkts wurde positiv auf Rattengift getestet.

Dem Vernehmen nach wurden im Burgenland bisher zwei Stück „eingezogen“ – eines davon, weil es beim Öffnen der Kundschaft einen komischen Geruch verströmte. In Tschechien und in der Slowakei wurden ebenfalls markierte Gläser sichergestellt. Erste Laboruntersuchungen ergaben einen „giftigen Zusatzstoff“.

Hinweise von Gesundheitsministerium und AGES

Für Eltern und Betreuungspersonen: Bei Auftreten von Blutungen, extremer Schwäche oder Blässe ist umgehend eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen.

Informieren Sie medizinisches Personal unbedingt darüber, dass das betroffene Produkt verzehrt wurde.

Überprüfen Sie Kindernahrungsmittel vor dem Verzehr sorgfältig (Aussehen, Geruch).

Die Symptome treten typischerweise verzögert, etwa erst zwei bis fünf Tage nach der Einnahme ein.

Gesundheitliche Risiken: Bei den Verdachtsfällen wird davon ausgegangen, dass Substanzen – möglicherweise auch Rattengift – beigemengt wurden. Rattengifte enthalten unterschiedliche Wirkstoffe mit entsprechend unterschiedlichen gesundheitlichen Auswirkungen. Der am häufigsten verwendete Wirkstoff ist Bromadiolon, ein sogenannter Vitamin-K-Antagonist. Dieser hemmt die Wirkung von Vitamin K, das für die Blutgerinnung erforderlich ist. Infolgedessen kann es zu einer verminderten Gerinnungsfähigkeit des Blutes kommen. Mögliche Folgen davon sind unter anderem Blutungen (Zahnfleischbluten, Nasenbluten, blaue Flecken, Blut im Stuhl).

Vergiftungsinformationszentrale – Notruf rund um die Uhr: 01 406 43 43

Ermittlungen auch in Deutschland
Verwiesen wurde weiters auf laufende Ermittlungen in Deutschland. In diesem Zusammenhang seien die heimischen Behörden darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass sich eventuell weitere verunreinigte HiPP-Gläser im Raum Eisenstadt im Umlauf befinden könnten. Einen Verdächtigen gibt es derzeit nicht.

Nur Spar und Maximarkt betroffen
Details sind bislang kaum bekannt. Nur so viel: Derzeit dürften hierzulande nur der Lebensmittelkonzern Spar und die Tochterfirma Maximarkt betroffen sein. Ein Rundgang der „Krone“ am Samstag zeigte: Rewe- und Müller-Filialen waren voll mit HiPP-Produkten (auch das betroffene Gemüse-Glaserl ließ sich nach wie vor käuflich erwerben), in Spar-Geschäften klaffte indes ein Loch. Alle HiPP-Produkte wurden entfernt, Warnhinweise an die Regale geklebt.

„Gehen Sie auf Nummer sicher, das ist kein Spaß!“
Ein Mitarbeiter einer Wiener Filiale warnt: „Bitte gehen Sie auf Nummer sicher, das ist kein Spaß!“ Man solle alle HiPP-Produkte, unabhängig von Chargennummer oder bestimmten Gläsern, in die Filialen bringen. Ob ein Kaufbeleg vorliegt oder nicht, sei egal. Von Rattengift wusste er nichts.

HiPP informierte die Kunden von Spar mittels Informationszetteln an den Regalen.
HiPP informierte die Kunden von Spar mittels Informationszetteln an den Regalen.(Bild: Stefan Steinkogler)
Das angeblich betroffene HiPP-Glas ist in anderen Geschäften nach wie vor erhältlich.
Das angeblich betroffene HiPP-Glas ist in anderen Geschäften nach wie vor erhältlich.(Bild: Stefan Steinkogler)

Heftige Kritik an der mangelnden Transparenz
Offene Kommunikation mit Betroffenen sieht anders aus, kritisiert Foodwatch Österreich. Der Hersteller müsse „relevante Informationen vollständig, klar und öffentlich kommunizieren“, auch wenn zu berücksichtigen sei, dass bei laufenden Ermittlungen nicht alle Informationen vorliegen würden. „In einer solchen Situation gilt das Gebot höchstmöglicher proaktiver Transparenz“, betonte Foodwatch-Chefin Indra Kley-Schöneich. Transparenz, die besorgten Kunden in der Kommunikation bis dato fehlt.

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