Wal hängt wieder fest

„Megastress“: Retter kämpfen um „Timmy“

Ausland
20.04.2026 11:08
Porträt von krone.at
Von krone.at

Auch an Tag 21 liegt der gestrandete Wal „Timmy“ noch immer in der Wismarbucht an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns in Deutschland. Doch am Montagmorgen schwamm er plötzlich von seiner Position weg und wechselte dabei mehrfach die Richtung. Aktuell versuchen Rettungsboote, den Meeressäuger Richtung Nordsee zu leiten. Greenpeace spricht von einem „Megastress“ für das Tier. 

Nachdem der Wasserpegel über Nacht gestiegen war, zeigte der Wal zuerst aktive Bewegungen und schwamm dann gegen 7.15 Uhr aus dem Bild der Livestreams im Internet. Wenig später war er wieder auf den Kamerabildern zu sehen.

Livestream zum Wal „Timmy“: 

„Glücksmoment“
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus sprach von einem „Glücksmoment“. „Aber die Mission ist noch nicht zu Ende“, sagte der Minister vor Ort. Oberste Priorität habe nun, den Wal in Richtung der tieferen Fahrrinne zu lotsen. Der Wal habe aber „Orientierungsschwierigkeiten“, so Backhaus.

Zickzackkurs durch die Bucht
Die leitende Tierärztin der privaten Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass sechs Rettungsboote der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) auf dem Wasser seien, darunter auch die Wasserschutzpolizei. Weitere Boote seien bereits angefordert. Es sei gelungen, den Wal „in die richtige Richtung zu drehen“ und zur Umkehr zu bewegen. Dafür wurde eine Art U um den Wal gebildet.

(Bild: AP/Michael Probst)
(Bild: AFP/DANNY GOHLKE)
(Bild: AFP/DANNY GOHLKE)

Nach seinem Freikommen wechselte der Buckelwal aber zunächst immer wieder die Richtung. Rettern gelingt es offenbar noch nicht, einen geraden Weg aufzuzeigen. Der Zickzackkurs des Wals setze sich fort. „Der ist weiter in die Bucht geschwommen“, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Im Livestream waren zeitweise im Hintergrund schon Hafenanlagen von Kirchdorf am Ende der Bucht zu sehen.

Greenpeace übt Kritik: „Megastress für das Tier“
Nach Einschätzung der Umweltorganisation Greenpeace bedeutet die aktuelle Situation für den Buckelwal eine hohe Stressbelastung. „Das ist natürlich ein Megastress für das Tier“, sagte ein Organisationssprecher. Der Wal habe die letzten Jahre ohne Kontakt zu Menschen verbracht, nun gebe es ständig Aktivitäten. Das Tier müsse sich erst einmal von den vergangenen Tagen erholen und sei nun Motorenlärm von den Booten ausgesetzt. „Der Stress für das Tier ist enorm.“

Retter optimistisch
Die Vertreter der Rettungsinitiative auf Poel sahen sich zuletzt auf sehr gutem Weg und im Zeitplan. Der Wal habe am Sonntagmorgen „tolle Reaktionen“ und viel Lebensenergie gezeigt. Sie schlossen am Sonntag nicht aus, dass sich der rund zwölf Meter lange Meeressäuger aus eigener Kraft freischwimme. In diesem Fall greife „Plan B“. „Das heißt, die Boote der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind auf Stand-by, dass für den Fall, dass er losschwimmt, wir ihn dann guiden können. Und es ist sichergestellt, dass wir ihn dann auch bis in die Nordsee und dann über die Nordsee in den Atlantik leiten können“, sagte Rechtsanwältin Constanze von der Meden von der privaten Rettungsinitiative.

Lässt sich Wal noch geleiten?
Ein Finanzier der Aktion, der Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, zeigte sich pessimistischer. Der Wal registriere vollumfänglich, dass er völlig frei sei. Daher sei die Frage, „ob sich dieser Wal noch geleiten lässt“.

Der Wal irrt seit Anfang März vor der Ostseeküste umher. Er strandete mehrfach vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, zuletzt setzte er sich vor Poel bei Wismar auf Grund. Eine von Unternehmern finanzierte Initiative bereitete zuletzt tagelang eine Rettungsaktion vor, bei der das Tier mit einem System aus Luftkissen und Pontons angehoben und bis in Nordsee oder Atlantik geschleppt werden sollte. 

Überlebenschancen weiterhin unklar
Zustand und Überlebenschancen des Tieres sind weiterhin unklar. Das Landesumweltministerium und von diesem hinzugezogene Fachleute kamen zu dem Schluss, dass das Tier in einem sehr schlechten Zustand und wohl schwer krank oder sogar sterbend sei. Mehrfachstrandungen gelten demnach in Fachkreisen als ein Zeichen für massive Schwierigkeiten.

Alle aktiven Bemühungen um das Tier waren deshalb bereits eingestellt worden. In der vergangenen Woche entschied das Landesumweltministerium dann, einen womöglich letzten Rettungsversuch der von Unternehmern finanzierten Privatinitiative zu dulden. Die Verantwortung liegt allein bei der Initiative, die Behörden überwachen die Maßnahmen allerdings.

Wal „Timmy“

Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Der geschwächte Wal liegt bereits seit 20 Tagen in der Wismarbucht vor der Insel Poel.

Private Initiative am Zug – Behörden boten Hilfestellung
Zuständig sei weiterhin die Initiative, betonte Backhaus am Montag. Sie erhalte aber „vollständige Hilfestellung“ der Behörden. Er habe unter anderem auch die Behörden im benachbarten Bundesland Schleswig-Holstein über die Entwicklung informiert, damit diese gegebenenfalls übernehmen könnten. Parallel zu den Vorbereitungen der Hebeaktion sei immer auch an einen „Plan B“ gedacht worden, falls sich das Tier selbst wieder bewege.

An der Ostsee herrschten am Montag Wind sowie steigende Wasserstände. Bereits zuvor war spekuliert worden, dass dies dem Meeressäuger bei einem eigenen neuen Schwimmversuch helfen könnte. Helfer der Initiative hatten in den vergangenen Tagen zudem Meeresboden rund um den liegenden Wal weggespült. Das sollte der Vorbereitung der geplanten Hebeaktion dienen. Ein Schlepper für die Schwimmpontons stand inzwischen bereit.

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