26.04.2021 22:15 |

Aber was heißt das?

Renault will Autos künftig auf 180 km/h limitieren

Tempo 180 für Neuwagen - was Volvo vorgemacht hat, kündigt nun auch Renault an. Ab 2022 sollen Fahrzeuge mit der Raute auf dem Blech ebenso wie Fahrzeuge der Tochter Dacia nicht mehr schneller fahren können. Für Alpine gilt das nicht - und wohl auch sonst nicht für alles, was derzeit unter der Marke Renault firmiert.

Warum die Selbstbeschränkung? Offiziell wollen sie die Zahl der Verkehrsunfälle reduzieren. Wirklich? Außer in Deutschland wird man nicht allzu viele Finger brauchen, um daran die Crashes mit Tempo 180+ abzuzählen.

Also warum dann? Die Antwort steht zwischen den Zeilen einer Pressemeldung: „Ab 2022 wird der Mégane-E mit einem automatischen Geschwindigkeitsbegrenzer ausgestattet sein, der die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs auf 180 km/h begrenzt.“ Das erste beschränkte Auto wird also elektrisch angetrieben. Und ist eine Tempobegrenzung bei E-Autos ungewöhnlich? Keineswegs. Viele schaffen weit früher abgeregelt, weil die Reichweite so extrem sinkt, wenn man schnell fährt. Und welcher Hersteller will sich schon mit deutschen Kunden herumärgern, denen die Reichweite zu gering ist.

Außerdem: So konsequent wie Volvo werden die Franzosen auch nicht vorgehen, auch wenn die Ankündigung auf den ersten Blick gleich klingt. Also, ja, kein Renault wird schneller fahren können als 180 km/h. Aber.

Der Trick mit dem Namen
Wollen sie wirklich Autos wie den Renault Mégane R.S. derart beschneiden? Mais non. Renault-Generaldirektor Luca de Meo hat schon im Herbst 2020 davon gesprochen, dass die Renaults mit dem R.S. im Namen künftig Alpine heißen könnten. Wer hat‘s erfunden? Luca de Meo höchstselbst, als er noch in Diensten von Seat stand. Die spanische VW-Tochter hat erst jüngst aus dem Sportwort Cupra eine eigene Marke gemacht. So wurde etwa aus dem Seat Leon Cupra der Cupra Leon. Seien wir also nicht überrascht, wenn Renaults sportlicher Kompakter künftig Alpine Mégane heißt. Alpine bleibt von der 180er-Sperre ausgenommen.

Die Autos der Marke Dacia werden ebenfalls auf 180 km/h limitiert. Was aber nicht heißt, dass alle Dacias dieses Tempo auch erreichen werden. Schon jetzt kommt ein Dacia Duster TCe 90 mit Ach und Krach auf 166 km/h, ein Sandero SCe 65 gar nur auf 158 km/h. Vom Spar-Stromer Dacia Spring Electric brauchen wir da gar nicht reden. Für Lada gilt es übrigens auch. Aber würden wir in einem Lada schneller fahren wollen? Njet.

In Wahrheit ist Renaults Tempo-180-Ankündigung also nicht so etwas Besonderes, wie man glauben könnte. Denn schon 2025 solle der Anteil von elektrifizierten Personenwagen der Marke 65 Prozent betragen. 2030 sei dann ein Anteil von mindestens 90 Prozent geplant. Und schon jetzt beenden sogar Renaults Plug-in-Hybride die Beschleunigung schon unterhalb 180 km/h.

Alles, was schneller fährt, wird dann einfach nicht mehr Renault heißen. Vermutlich.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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