China "unschuldig"

Industriespionage-Skandal bei Renault rund um E-Autos

Motor
11.01.2011 10:17
Im Spionagefall bei Renault wiegelt das Management des Herstellers ab und spricht von einem nur begrenzten Schaden. Nach den Worten des für das Tagesgeschäft zuständigen Vorstands Patrick Pelata wurden weder wichtige Entwicklungsgeheimnisse verraten, noch drohen Rückschläge auf dem Zukunftsfeld der Elektroautos. China hat indes alle Vorwürfe zurückgewiesen, hinter der Spionage zu stecken.

Die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage und seien unverantwortlich, sagte Außenamtssprecher Hong Lei am Dienstag vor Journalisten. Französischen Regierungskreisen zufolge überprüft der Geheimdienst des Landes derzeit, ob im Zusammenhang mit den Spionagefall eine Verbindung zu China besteht. Offiziell schweigen sich Konzern und Regierung über die Hintergründe des Falls aus. Konzernvertreter sprachen lediglich von einem organisierten internationalen Spionagenetz.

"Der Goldschatz ist sicher"
Vom gemeinsamen Vorzeigeprojekt mit dem Partner Nissan seien lediglich Informationen über die Kosten und das wirtschaftliche Modell des Programms ausgespäht worden, sagte Pelata der Zeitung "Le Monde" (Wochenendeausgabe). Der "Goldschatz" der Technologien, darunter etwa 200 Patente zu Antrieb und Montage, sei hingegen sicher. "Es ist eine ernste Sache, aber weniger schlimm, als wenn die Technologie betroffen wäre", versicherte der Manager. "Wir haben für den Start unserer vier Elektroautos nicht einen einzigen Tag verloren."

Die Spionageaffäre war vergangene Woche aufgeflogen. "Das waren Profis", sagte Pelata. "Renault ist das Opfer eines organisierten internationalen Netzes." Drei beschuldigte Manager wurden suspendiert, darunter einer aus der Führungsspitze. Sie würden zunächst befragt, danach wahrscheinlich entlassen, sagte Pelata.

Industrieminister Eric Besson, der in dem Zusammenhang von einem Wirtschaftskrieg gesprochen hatte, wollte sich am Samstag zu einer Verbindung nach China nicht äußern. Renault werde Anzeige erstatten, daraufhin werde der Geheimdienst DCRI aller Wahrscheinlichkeit nach mit Ermittlungen beauftragt, sagt er dem Radiosender Europe 1. "Dann werden wir viel mehr wissen über Hintermänner, Nutznießer und so weiter." Am Freitag war aus Regierungskreisen verlautet, Frankreichs Geheimdienst prüfe Verbindungen nach China.

Renault gehört zu 15 Prozent dem französischen Staat. Das Elektroauto-Projekt ist für den Konzern ein wichtiges Standbein seiner Strategie. Investitionen in Milliardenhöhe sind dafür vorgesehen.

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