Detroit 2011

Detroit-Highlights: Fette Trucks und deutsches Dumping

Motor
12.01.2011 10:36
Zwei Extreme spannen das Feld der North American International Auto Show, die bis 23. Jänner in Detroit läuft, auf: ein besonders großes Auto und ein besonders kleiner Preis. Den monströsen Pick-up-Truck GMC Sierra All Terrain HD Concept mit seinen fast sechs Metern Länge, mehr als zwei Metern Höhe und 403 PS würde sich jeder Amerikaner gerne vors Haus stellen, der Riesen-Passat, den VW nur für den US-Markt baut, lässt die Wogen vor allem bei uns hochgehen. Ein Überblick über die Highlights von Detroit.

VW stellt einen vergrößerten und topausgestatteten Passat zum Preis von rund 20.000 Dollar (15.500 Euro) vor und verärgert damit die Käufer in Europa, die zu dem Preis gerade mal einen Polo bekommen. Audi präsentiert den brandneuen A6, Porsche ein "Rennlabor" (alles siehe oben hinter den Bildern).

Von wegen, es kommt nicht auf die Größe an
Klimaschutz hin, Parkplatznot her: Die Amerikaner lieben es einfach groß, schwer und PS-stark. Im vergangenen Jahr, in dem sich der Automarkt spürbar erholt hat, haben sie mehr der sogenannten "Light Trucks" gekauft als normale Pkw. Das Umdenken, das scheinbar in der Wirtschaftskrise eingesetzt hatte, erwies sich als Strohfeuer. Denn seitdem sich die konjunkturellen Aussichten bessern und das Geld wieder etwas lockerer sitzt, steigen auch die Absatzzahlen für die nicht ganz billigen Dinosaurier der Straße.

Die Zahlen, die der Marktforscher Autodata für das vergangene Jahr errechnet hat, sprechen eine klare Sprache: Während die Verkäufe von Pkws um vergleichsweise moderate 5 Prozent gestiegen sind, legten die Pick-up-Trucks, Geländewagen und Transporter um 18 Prozent zu. 

Trucks sind der VW Golf der Amerikaner
Beileibe nicht jeder Käufer ist Gewerbetreibender oder Farmer. Was hierzulande der VW Golf ist - nämlich das meistverkaufte Auto -, sind in den Vereinigten Staaten seit langem die F-Serie-Pick-ups von Ford. Der zweitgrößte US-Autohersteller konnte im vergangenen Jahr mehr als eine halbe Million der Boliden unters Volk bringen. Zum Vergleich: Der mit viel Tamtam auf der vergangenen Auto Show in Detroit präsentierte, runderneuerte Kompaktwagen Ford Focus verkaufte sich nicht mal ein Drittel so gut.

Auch die deutschen Autobauer profitieren von der Gigantomanie der US-Autofahrer: Für massige Geländewagen wie den BMW X5 und X6, die Mercedes M- und GL-Klasse oder den VW Touareg sind die Vereinigten Staaten ein entscheidender Markt. Nicht ohne Grund hat BMW hier gerade erst sein Werk ausgebaut und damit den Großteil seiner Geländewagen-Fertigung in Spartanburg in South Carolina angesiedelt. In dem für US-Verhältnisse nicht weit entfernten Tuscaloosa in Alabama laufen die Konkurrenzmodelle von Mercedes vom Band.

Europäer von den "Dicken" nicht abhängig
Die deutschen oder asiatischen Hersteller sind jedoch bei Weitem nicht so abhängig vom Erfolg der Dickschiffe wie die "Großen drei" aus Detroit. Diese Abhängigkeit hat General Motors und Chrysler in der Wirtschaftskrise fast das Genick gebrochen, als plötzlich billigere und kleinere Wagen gefragt waren. Die US-Hersteller haben daraus gelernt und bieten nun ebenfalls Kleinwagen an: Ford hat seinen Fiesta über den großen Teich geholt, Chrysler hat sich den kultigen Fiat 500 aus Italien gesichert und GM stellt auf der Messe in Detroit den komplett neuen Chevrolet Sonic vor.

"Der Sonic bedeutet einen Neubeginn für Chevrolet im Kleinwagen-Segment", sagt Marketingchef Chris Perry. Und auch bei den Pick-up-Trucks und Geländewagen tut sich etwas: Aus den knochigen Haudegen haben die Entwickler schicke Stadtflitzer mit Pkw-ähnlichen Fahreigenschaften gemacht. Für die US-Amerikaner gilt ein Auto wie der Chevrolet Equinox mit je nach Variante rund 9 Litern Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometern dann schon als sparsam. Gegenüber Riesen-Pick-ups vom Schlage eines GMC Sierra stimmt das sogar: Das Monstrum schluckt schnell mal 20 Liter.

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