02.10.2020 12:21 |

Bitcoin-Betrug

Pensionist übers Netz um 118.000 Euro erleichtert

Bitcoin-Betrügern zum Opfer gefallen ist ein 81-jähriger Pensionist aus Oberösterreich: Er investierte auf einer gefälschten Internet-Plattform und wurde per Fernzugriff dabei „unterstützt“, immer mehr Geld zu überweisen. Der Gesamtschaden: 118.000 Euro. Die Polizei warnt vor diesen Praktiken: Allein in Oberösterreich haben Anlagebetrüger binnen der vergangenen zwei Wochen in nur vier Fällen insgesamt eine Million Euro ergaunert.

Der Mann aus dem Bezirk Steyr-Land war über ein Pop-up-Fenster auf die Internet-Plattform gelangt, auf der ihm Bitcoin-Investments schmackhaft gemacht wurden. Ein Mitarbeiter der Plattform kontaktierte den Pensionisten mehrmals telefonisch bzw. per E-Mail und forderte ihn auf, mehr Geld zu überweisen, um höhere Gewinne einfahren zu können. Der 81-Jährige kam dem nach und wurde von dem Mitarbeiter sogar via Fernzugriff auf seinem Computer angeleitet. Er überwies in mehreren Transaktionen 118.000 Euro an Banken in Malta und Litauen. Wo die Betrüger wirklich sitzen, wisse niemand, sagt Ermittler Gerald Sakoparnig vom Landeskriminalamt Oberösterreich. Das Geld werde in der Regel rund um die Welt geschickt, das sei schwer nachvollziehbar.

Dem Experten nach hat der Anlagebetrug mit Beginn des Lockdowns stark zugenommen. Vor allem Pensionisten seien in dieser Zeit, in der sie auch weniger Kontakt zu ihren jüngeren Angehörigen hatten, ein leichtes Opfer gewesen. Allein in den vergangenen zwei Wochen habe es vier Fälle gegeben, bei denen insgesamt eine Million Euro Schaden entstand, darunter ein Ende September bekannt gewordener Fall, bei dem ein Oberösterreicher von Finanzbetrügern um rund 700.000 Euro gebracht worden war.

Promis als Köder für Bitcoin-Betrügerei
Die Polizei warnte am Freitag einmal mehr vor den Praktiken der Betrüger: Derartige Internetseiten würden ständig mit Remote-Verbindungen agieren, um die Überweisung zu überwachen oder sogar selbst durchführen zu können. Auch fänden sich oft nur lückenhafte Kontaktangaben, ein Impressum fehle meist völlig. Das alles seien Hinweise, dass es sich nicht um eine seriöse Plattform handle.

Auch die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Oberösterreich berichteten zuletzt von besonders vielen Anfragen bezüglich vermeintlich lukrativer Investitionen auf diversen Trading-Plattformen, auf die man oft durch Werbung u.a. auf Social-Media oder Dating-Portalen gelange. Häufig werde man dabei mit falschen Empfehlungen von Promis („mach es wie XY“) oder gefälschten Links geködert.

Hausverstand einschalten
Sakoparnig appelliert daher, einfach den Hausverstand einzuschalten - gewissen Angebote klängen einfach zu gut, um wahr zu sein. Oft helfe es auch den Namen einer angeblichen Firma oder Plattform mit dem Zweitbegriff „Betrug“ zu googeln. Auch die AK rät: „Finger weg, wenn es keine echte Adresse gibt und der Firmensitz mehr an ein exotisches Fernreiseziel als an strenge Finanzmarktregulierung denken lässt.“ Zudem solle man immer bedenken, dass es keine hohen Gewinne ohne entsprechend hohes Verlustrisiko gebe.

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