Die russischen Angriffe auf die ukrainischen Häfen am Schwarzen Meer bedrohen die Getreideexporte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat jetzt vor Engpässen bei Lebensmitteln gewarnt. Sein Land sei einer der größten Lieferanten für Ägypten und viele weitere Länder in Afrika und im Nahen Osten, sagte er.
Die Lieferungen seien bereits deutlich zurückgegangen, was zu steigenden Preisen und Engpässen führen könne. Selenskyj hat nun mit seinem ägyptischen Amtskollegen Abdel Fattah al-Sisi vereinbart, an Lösungen zu arbeiten. Die jüngsten russischen Attacken blockieren die Hauptexportroute für ukrainisches Getreide zu den internationalen Märkten.
Die Hafenbehörde registrierte im Juli und Anfang August mehr als 70 Angriffe auf Häfen und den Beschuss von 62 Schiffen. Dadurch seien die Agrarexporte nahezu zum Erliegen gekommen, hieß es. Im Detail brachen die Getreideausfuhren in den ersten beiden Augustwochen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 75 Prozent ein. Laut dem Kreml richten sich die Angriffe gegen legitime militärische Infrastruktur, Logistik und Schiffe, die ausländische Waffen transportieren.
Preis für Getreide weltweit gestiegen
Die weltweiten Getreidepreise an der Börse in Chicago stiegen im Juli wegen der Blockade auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. In der Ukraine selbst brachen die Preise aufgrund des Überangebots hingegen ein. „Wir können dieses Getreide nirgendwohin liefern. Das ist eine absolute Katastrophe für die Landwirte“, sagte der 57-jährige Serhij Rybalko, der bereits zwei Drittel seines Landes durch die russische Besetzung verloren hat. Er habe seine früheren Abnehmerinnen und Abnehmer verloren, sagte Rybalko. Mitten in der Weizenernte seien seine Lagerhäuser schon fast vollständig gefüllt, im kommenden Monat werde der Mais geerntet.
Alternative Exportwege kaum organisierbar
Alternative Exportwege auf der Schiene und auf der Straße in Richtung Westen sind schwer zu organisieren. So sind beispielsweise die Beziehungen zum Nachbarland Polen wegen des Streits über billige ukrainische Agrarimporte und aktuell auch wegen eines diplomatischen Eklats (um die Benennung einer ukrainischen Armee-Einheit, Anm.) belastet. Strengere EU-Handelsregeln, niedrige Wasserstände der Donau und russische Angriffe auf die Eisenbahninfrastruktur erschweren zudem den Transport.
Laut Analysen können Landwirtinnen und Landwirte nur noch mit dem Export von Weizen Gewinne erzielen, andere Sorten decken demnach nicht einmal die Produktionskosten. „Die Ukraine sollte sich darauf einstellen, dass die wirtschaftlichen Folgen der Hafenblockaden mindestens so schwerwiegend oder sogar schlimmer sein könnten als während der ersten Blockade“, sagte Oleh Niwjewskyj von der Kyiv School of Economics.
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