07.09.2020 12:14 |

Beliefert auch Huawei

Chinas größter Chiphersteller im Visier der USA

Nächste Eskalationsstufe im US-chinesischen Technologiekrieg: Die US-Regierung plant offenbar, den chinesischen Chipfertiger SMIC auf ihre schwarze Liste von Unternehmen zu setzen, mit denen US-Firmen keine Geschäfte machen dürfen. Träte dieser Fall ein, könnte das Unternehmen massive Probleme in der Produktion bekommen - und Huawei einen weiteren zentralen Chiplieferanten verlieren. Chinas Außenministerium protestiert und spricht von „unverhohlenem Mobbing“.

SMIC ist der größte chinesische Chipproduzent - und für Huawei angesichts des im Mai verhängten Lieferverbots für den taiwanesischen Fertiger TSMC, der bisher die Prozessoren für Huaweis High-End-Smartphones hergestellt hat, eine der letzten Quellen für Prozessoren.

SMIC produziert Mittelklasse-Chips für Huawei
Huawei lässt laut dem IT-Portal „Golem“ Mittelklasse-Prozessoren bei SMIC fertigen, wäre von US-Sanktionen gegen den Chipfertiger also auch betroffen. Bei High-End-Chips ist SMIC ohnedies keine Alternative, weil die Chinesen keine so modernen Fertigungsstraßen wie TSMC besitzen. Zuletzt versuchte man bei SMIC deshalb, hochrangige TSMC-Experten abzuwerben.

Grund für die US-amerikanischen Überlegungen, SMIC auf die schwarze Liste chinesischer Hightech-Unternehmen zu setzen, mit denen US-Firmen keine Geschäfte machen dürfen: SMIC wird eine Nähe zum chinesischen Militär nachgesagt, das von dem Unternehmen mit Mikrochips beliefert wird. Damit unterstütze SMIC auch Rüstungsprojekte der Volksbefreiungsarmee, zitiert das „Wall Street Journal“ Quellen aus dem Umfeld des US-Verteidigungsministeriums.

China kritisiert „unverhohlenes Mobbing“
Das chinesische Außenministerium hat die möglichen Sanktionen der USA gegen SMIC als weitere Schikane verurteilt. Die USA betrieben „unverhohlenes Mobbing“ gegen chinesische Unternehmen, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag. Das Land müsse damit aufhören, ausländische Firmen zu unterdrücken.

An der Börse sorgten die Berichte aus den USA für eine rasante Talfahrt. In Hongkong brach der SMIC-Aktienkurs um mehr als ein Fünftel ein, das Unternehmen verlor damit umgerechnet 3,6 Milliarden Dollar (3,04 Milliarden Euro) an Marktwert. In Shanghai lag das Minus bei rund elf Prozent.

SMIC will mit US-Regierung kooperieren
Sollte SMIC wie bereits viele andere chinesische Unternehmen auf die schwarze Liste kommen, müssten sich US-Zulieferer um eine schwer erhältliche Lizenz kümmern, um SMIC mit Waren und Dienstleistungen zu versorgen. SMIC erklärte, man stehe komplett unter Schock. Man sei bereit, mit der US-Regierung zusammenzuarbeiten, um Missverständnisse aus der Welt zu räumen.

SMIC hat seinen Hauptsitz in Shanghai. Es sind mehrere staatliche chinesische Unternehmen an dem börsennotierten Chipfertiger beteiligt. Die Maschinen, mit denen SMIC Prozessoren herstellt, stammen aus aller Welt, einige davon eben auch aus den USA. Die US-Firma Applied Materials gehört zu den größten Lieferanten des chinesischen Unternehmens. Im Fall eines US-Boykotts hätte das Unternehmen keinen Zugriff mehr auf US-Technologie und bekäme in Folge massive Probleme bei seiner Chipproduktion.

Die US-Regierung hatte zuvor ausländischen Chipherstellern, allen voran dem TSMC-Konzern aus Taiwan, Chiplieferungen an Huawei verboten, wenn bei der Produktion US-Technologie zum Einsatz kommt. Bei TSMC fügte man sich den Vorgaben aus den USA und brach die Geschäftsbeziehung mit Huawei ab. Der chinesische Smartphone-Konzern, der mit seiner Prozessor-Tochter HiSilicon eigene Chips designt, diese aber bei Firmen wie TSMC herstellen lässt, verlor damit einen seiner wichtigsten Zulieferer. Für den Smartphone-Riesen ein massives Problem, das sich bei US-Sanktionen gegen SMIC noch einmal verschärfen würde.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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