16.05.2020 12:05 |

Sanktionen verschärft

USA wollen Huawei Zugang zu Halbleitern kappen

Die USA verschärfen ihre Sanktionen gegen Huawei. Die neuen Maßnahmen sollen dem chinesischen Smartphone-Anbieter und Netzwerkausrüster den Zugang zu amerikanischer Halbleiter-Technologie abschneiden. Es gehe dabei sowohl um die Entwicklung als auch um die Produktion der Chips, sagte ein ranghoher Beamter des US-Handelsministeriums am Freitag. So solle verhindert werden, dass Huawei die Exportkontrollen der US-Regierung unterlaufe. China kritisierte den Schritt als „unangemessene Unterdrückung“.

Huawei setze seit der im Mai 2019 eingeführten Blockade zwar verstärkt auf eigene Prozessoren, greife dafür aber weiterhin auch auf US-Technologien zurück, begründete das Handelsministerium die Verschärfung. Eine spezielle Lizenz sei künftig sowohl für US-Software notwendig, die in den Chips verwendet wird, als auch für den Einsatz von Produktionstechnik, die amerikanische Technologie enthält, sagte der Mitarbeiter der Behörde. Zugleich wurde die neue Regelung zunächst für 120 Tage ausgesetzt, um den Unternehmen Zeit für Anpassungen zu geben.

Durch die Verschärfung könnte Huaweis Chiptochter HiSilicon den taiwanesischen Fertiger TSMC als Produktionspartner verlieren, obgleich der chinesische Konzern über Mittelsmänner an die Technik kommen könnte. Die Regel gelte nur, wenn „der Chip für Huawei bestimmt ist und der Lieferant weiß, dass er an Huawei geht“, schränkte der Ministeriumsbeamte ein.

Huawei ist der führende Ausrüster von Mobilfunknetzen und der zweitgrößte Smartphone-Anbieter der Welt. Die USA werfen dem Konzern Spionage und die Verletzung von Sanktionen unter anderem gegen den Iran vor. Huawei kam deswegen auf eine schwarze Liste von Unternehmen, mit denen US-Firmen Geschäfte nur mit einer speziellen Erlaubnis der US-Behörden machen können. Huawei kann deshalb unter anderem keine neuen Smartphone-Modelle mit vorinstallierten Google-Diensten verkaufen, was den Absatz der Geräte außerhalb des chinesischen Heimatmarktes bremst. Der Konzern weist die US-Vorwürfe zurück.

China ortet „unangemessene Unterdrückung“ durch USA
China forderte in einer Reaktion die USA auf, die „unangemessene Unterdrückung“ des Netzwerkausrüsters und anderer chinesischer Unternehmen sofort zu beenden. Die chinesische Regierung werde die „berechtigten und rechtmäßigen Rechte und Interessen chinesischer Firmen“ entschieden verteidigen, erklärte das chinesische Außenministerium am Samstag in Peking. Mit ihrer Politik mache die Regierung von US-Präsident Donald Trump „weltweite Fertigungs-, Liefer- und Wertschöpfungsketten zunichte“.

TSMC will Chips in USA fertigen
Kurz vor Bekanntgabe der neuen Regelung des Handelsministeriums kündigte der Auftragsfertiger TSMC den Bau einer Chipfabrik in den USA an. Das taiwanesische Unternehmen, das unter anderem Prozessoren für Apples iPhones produziert, will im kommenden Jahr mit den Bauarbeiten beginnen. Das Werk im Bundesstaat Arizona soll den Betrieb im Jahr 2024 aufnehmen.

Dort sollen Chips im 5-Nanometer-Verfahren hergestellt werden - damit werden aktuell zum Beispiel Smartphone-Prozessoren produziert. Unklar ist allerdings, wie zeitgemäß die Technologie in vier Jahren noch sein wird. In dem Werk sollen mehr als 1600 Arbeitsplätze entstehen und TSMC will bis zum Jahr 2029 insgesamt rund zwölf Milliarden US-Dollar (11,12 Mrd. Euro) investieren.

Erfolg für Trump
Die Ankündigung ist ein Erfolg für US-Präsident Donald Trump, der schon seit längerer Zeit Druck macht, mehr Chipproduktion aus Asien nach Amerika zu holen, um die Abhängigkeit vom Ausland zu verringern. Ein Problem dabei ist, dass in den USA die Zulieferer-Infrastruktur, auf die die Fertiger angewiesen sind, weitgehend fehlt. Das dürfte unter anderem für höhere Kosten sorgen.

TSMC ist ein Auftragsfertiger, der Chips nach Bauplänen seiner Kunden herstellt. Die US-Regierung machte laut einem Bericht der „Financial Times“ schon voriges Jahr Druck auf TSMC, Huawei als Auftraggeber fallen zu lassen.

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