Im Krieg gegen den Iran haben die USA kiloweise seltene Erden verfeuert. In Raketen sind mehrere hundert Gramm enthalten, während in einem Handy beispielsweise nur ein paar Gramm dieser Metalle stecken. Die USA arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, neue Lieferketten für seltene Erden aufzubauen.
Die eigene Produktion ist nämlich gering. Bis zum vergangenen Jahr gab es in den Vereinigten Staaten nur eine einzige große Mine für diese Rohstoffe. Im Juli eröffnete Ramaco Resources die erste neue Seltenerdmine seit mehr als 70 Jahren – die Brook-Mine in Wyoming. An diesem Standort wurde aber bisher nichts gefördert. Weitere Projekte sind in den US-Bundesstaaten Montana, Wyoming und Nebraska geplant.
Die US-Regierung setzt zudem auf Recycling, um sich mit Technologiemetallen zu versorgen. Gleichzeitig sucht sie im Ausland nach Quellen. Vor Kurzem ermöglichte sie die Übernahme des brasilianischen Produzenten Serra Verde durch das Start-up USA Rare Earth, an dem Trumps Regierung im Jänner einen Anteil von zehn Prozent erwarb. Um sich weiter abzusichern, schloss Washington in den vergangenen Monaten Abkommen mit Produzentenländern wie Australien, der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und Thailand.
China bei Verarbeitung vorne
Doch der Abbau ist nur der erste Schritt eines Prozesses: Bevor die seltenen Erden verarbeitet werden können, müssen die Metalle aus dem Erz gelöst und die verschiedenen Elemente getrennt werden. Bei der Trennung ist China führend, 2025 fand dies laut der Internationalen Energie-Agentur zu 91 Prozent in der Volksrepublik statt. Peking macht sich die große internationale Nachfrage als geopolitischen Hebel zunutze. Vergangenes Jahr schränkte die chinesische Regierung den Export bestimmter Technologiemetalle vorübergehend ein.
Die am häufigsten verwendeten seltenen Erden sind Neodym und Praseodym. Beide sind unverzichtbar für die Herstellung sogenannter Permanentmagnete, die zehnmal stärker sind als herkömmliche Magnete und in E-Autos, Windkraftanlagen und Smartphones zum Einsatz kommen. Samarium, ein weiteres dieser 17 seltenen metallischen Elemente, wird für Magnete in der Rüstungsindustrie gebraucht.
Unabhängigkeit möglich?
In Raketen stecken mehrere hundert Gramm seltene Erden. Auch in Drohnen und Abfangjägern sind sie enthalten. „Der Konflikt in der Golfregion macht in Echtzeit deutlich, welche Mineralien für militärische Operationen unverzichtbar sind und wo Lieferketten unter Druck zusammenbrechen könnten“, sagt Mahnaz Khan vom Thinktank Silverado Policy Accelerator. „Das könnte die Möglichkeit, die Waffen wieder aufzustocken, zusätzlich belasten.“
Die Denkfabrik CSIS warnte Ende April, dass „es viele Jahre dauern wird, bis die erschöpften Vorräte wieder aufgefüllt sind“. John Maslin, Chef vom Start-up Vulcan Elements, das Permanentmagnete herstellt, hält es allerdings für möglich, dass die USA komplett unabhängig von China werden könnten. „Die Branche muss innovativ sein und einen Sprung nach vorn wagen, anstatt China einfach nur zu kopieren“, sagte er.
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