22.12.2019 14:58 |

Echter Sport für alle

Toyota GR Yaris: Rallye-Basis mit Straßenzulassung

Kurz nach der Premiere des neuen Yaris gibt Toyota einen ersten Ausblick auf eine scharfe Gazoo-Racing-Version des Kleinwagens. Also, eine noch schärfere und eigenständigere als der aktuelle Yaris GRMN. Sie soll die Basis für das neue WRC-Fahrzeug sein - bekommt aber eine Straßenzulassung ...

Im Oktober 2019 hat Toyota seinen neuen City-Floh Yaris vorgestellt, doch die Kleinwagen-Kundschaft muss sich noch gedulden, ehe der Japaner zum Händler rollt. Erst im Spätsommer 2020 will Toyota den zunächst nur als Fünftürer erhältlichen Yaris ausliefern. Um die Wartezeit bis zur Ankunft der vierten Generation ein wenig zu verkürzen, macht Toyotas Dynamik-Abteilung Gazoo Racing (GR) jetzt Lust auf mehr und verkündet: Zukünftig soll es auch einen richtig sportlichen GR Yaris geben.

Der Kleinwagen ist nach dem neuen Supra der zweite Spaßmacher aus der GR-Feder. Anders als die nur „sportlich angehauchten“ Toyota-Modelle, die das GR-Kürzel nach dem Namen tragen, wird es bei diesen beiden durchtrainierten Athleten vorangestellt. Klingt kompliziert, ist aber nicht viel anders als etwa bei BMW: Die Münchner bieten schließlich auch einen waschechten M5 und einen 5er mit M-Paket an. Wobei der Toyota Yaris GRMN schon sehr akribisch aufgebaut ist.

Eigenständige Karosserie
Um sich die GR-Sporen zu verdienen, musste der Yaris ins Fitnessstudio, und dafür braucht er die passende Kleidung. Also haben die Designer zwei Türen gestrichen, die Dachkante knapp zehn Zentimeter nach unten gesetzt und die Karosserie ordentlich in die Breite gezogen. Das allein aber macht aus einem harmlosen Stadt-Flitzer noch keine Rennmaschine, hierfür waren auch größere Eingriffe unterm Blech nötig. Der Unterbau wurde stark modifiziert, der GR Yaris bekommt hinten die Doppelquerlenker-Achse vom Corolla, eine überarbeitete Federung, stärkere Bremsen und vor allem: Allrad-Antrieb.

Die Vierrad-Technik sorgt bei dem Japaner nicht nur für perfekten Grip, sondern auch für ein Alleinstellungsmerkmal. Egal ob Ford Fiesta ST, Mini John Cooper Works oder VW Polo GTI - sie alle fahren nur mit Frontantrieb vor. Und selbst bei den Kompaktsportlern eine Klasse höher ist 4x4 noch lange nicht gesetzt.

Starkes Leichtgewicht
Natürlich entwickelt Toyota den Allradantrieb für den Kleinwagen nicht nur, um Sportler-Herzen höher schlagen zu lassen. Nein, der neue GR Yaris soll als Basis für die Homologation des zukünftigen WRC-Rallye-Autos dienen. Dass er dafür auch einen starken Motor braucht, ist klar: Entsprechend dem WRC-Reglement setzt Toyota auf ein 1,6-Liter-Triebwerk, allerdings mit nur drei Zylindern! Genaue Daten gibt es noch nicht, doch soll das quirlige Aggregat über 250 PS entwickeln. Außerdem soll das Motörchen eines der leichtesten seiner Art sein und zusammen mit anderen Diät-Maßnahmen wie beispielsweise dem Carbon-Dach soll der GR Yaris deutlich weniger als 1300 Kilogramm wiegen.

Speziell für die Rennstrecke gibt es den Track-Modus, der mit einer paritätischen Kraftverteilung für größtmögliche Neutralität sorgt. Wer will, kriegt den GR Yaris außerdem mit einem Performance-Paket, das ihn noch etwas schärfer macht, und optionalem Sperrdifferenzial an Vorder- und Hinterachse. Für maximalen Spaß auf der Straße ist das nicht nötig, hier reicht der normale Sport-Modus aus, der 70 Prozent der Kraft nach hinten schickt und so dem Toyota eine Extra-Portion Dynamik verpasst; im Normalbetrieb ist die Kraftverteilung eher frontlastig.

Man muss schon hart im Nehmen sein
Apropos Straße: Wer sich den GR Yaris für den Alltag zulegen will, muss sich darauf einstellen, beim Schulterblick durch die kleinen Fenster kaum etwas von seiner Umwelt zu sehen - und bald jedes Schlagloch und jeden Hubbel auf dem Arbeitsweg persönlich zu kennen. Der Unterbau hält nicht viel davon, derlei auszubügeln.

Ansonsten aber ist das GR-Modell durchaus ein Daily-Driver. Zum einen klingt der Yaris erstaunlich zahm und schreckt sicher nicht alle Nachbarn auf. Zum anderen verzichtet Toyota, soweit es die Prototypen erahnen lassen, auf einen allzu puristischen Innenraum: Kombiinstrument, Armaturenbrett und Infotainment-System sind aus dem normalen Yaris bekannt und auch die Sitze wirken erstaunlich bequem. Zwar dürften sie für die Sportversion gern ein wenig tiefer montiert sein; das aber geht aus technischen Gründen nicht.

Das wird am Ende deutlich weniger Kunden vom Kauf eines GR Yaris abhalten als der Preis: Der ist noch nicht bekannt, wird aber wahrscheinlich bei rund 35.000 Euro zuzüglich NoVA liegen. Zum Glück bleibt ja noch ein bisschen Zeit zum Sparen, denn die Rennsemmel kommt erst gegen Ende 2020 auf den Markt.

(SPX)

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