Zum Einsatz kommt der Official F1™ Safety Car ab März 2010 immer dann, wenn gefährliche Situationen wie Unfälle oder schlechtes Wetter einen normalen Rennablauf gefährden. Der von Bernd Mayländer (38 Jahre, Deutschland) pilotierte SLS AMG steht während des gesamten Rennens in der Boxengasse parat. Nach einem Funkspruch von der Rennleitung gehen der ehemalige DTM-Pilot und sein Beifahrer, der FIA-Mitarbeiter Pete Tibbetts (44 Jahre, Großbritannien), auf die Strecke und setzen sich an die Spitze des Feldes, um die Formel-1-Rennwagen sicher um den Kurs zu führen.
Flügel und brachiale Leistung
Der Mercedes-Benz SLS AMG kommt natürlich nicht an die Leistung der Formel-1-Boliden heran, ist aber für die anspruchsvolle Aufgabe in der Königsklasse des Motorsports bestens qualifiziert: Sein 6,3-Liter-V8-Motor leistet 571 PS und bringt ein maximales Drehmoment von 650 Newtonmetern. Tempo 100 erreicht der Flügeltürer nach 3,8 Sekunden. Schnelle Rundenzeiten sind für den Official F1™ Safety Car eine Selbstverständlichkeit, denn andernfalls würden die Reifen und Bremsen der Formel-1-Boliden zu stark abkühlen und die Motoren unter Umständen überhitzen.
Einen entscheidenden Beitrag zur ausgeprägten Fahrdynamik leistet das Fahrzeugkonzept: Die Aluminium-Spaceframe-Karosserie sorgt für ein niedriges Fahrzeuggewicht von 1.620 Kilogramm (Leergewicht nach DIN). Dank Trockensumpfschmierung ist das AMG-V8-Triebwerk besonders tief eingebaut, was zu einer vorteilhaften Absenkung des Fahrzeugschwerpunkts führt. Die Einbauposition weit hinter der Vorderachse und das neue Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe in Transaxle-Anordnung an der Hinterachse begünstigen die Gewichtsverteilung – sie beträgt 47 zu 53 Prozent (vorn/hinten). Reinste Motorsporttechnik kommt beim AMG Sportfahrwerk zum Einsatz: Aluminium-Doppelquerlenkerachsen rundum sollen für perfekte Fahrdynamik mit präzisem Einlenkverhalten, erstklassiger Agilität, geringer Massenträgheit bei spontanen Richtungswechseln und somit für einen hohen Kurvengrenzbereich sorgen.
Doppelkupplungsgetriebe und Keramik-Verbundbremsanlage
Das AMG SPEEDSHIFT DCT 7-Gang-Sportgetriebe mit Doppelkupplungstechnik zeichnet sich durch vier Fahrprogramme und schnelle Schaltvorgänge praktisch ohne Zugkraftunterbrechung aus – im manuellen „M“-Modus sind Gangwechsel in 100 Millisekunden möglich. Die integrierte mechanische Lamellen-Differenzialsperre stellt zusammen mit dem 3-Stufen-ESP eine ausgezeichnete Traktion sicher. Kürzeste Bremswege und höchste Standfestigkeit auch bei rennstreckentypischer Belastung verspricht die AMG Keramik Hochleistungs-Verbundbremsanlage mit üppig dimensionierten Keramikscheiben in 402 x 39 Millimetern vorn und 360 x 32 Millimetern hinten. Auf den gewichtsoptimierten Schmiederädern im 10-Speichen-Design sind Reifen im Format 265/35 R 19 (vorn) und 295/30 R 20 (hinten) montiert.
Motor, Kraftübertragung, Fahrwerk und Bremsanlage des Official F1™ Safety Cars präsentieren sich gegenüber dem serienmäßigen SLS AMG unverändert. Das außergewöhnliche Technologie-Paket des Supersportwagens sorgt für perfekte Fahrdynamik und macht technische Änderungen und nachträgliche Leichtbau-Maßnahmen überflüssig. Einzige Ausnahme: Ein neu entwickelter Endschalldämpfer lässt den AMG V8-Hochdrehzahl-Saugmotor freier atmen und bietet den Formel-1-Fans ein noch emotionaleres Sounderlebnis.
Aerodynamisch optimierter Leuchtbalken mit LED-Technik
Vom Serien-SLS unterscheidet sich der Official F1™ Safety Car äußerlich durch die markanten F1-Logos, Carbon-Außenspiegel und den charakteristischen Leuchtbalken mit integrierter TV-Kamera. Er sitzt auf einer neu entwickelten Carbon-Hutze, deren im Windkanal erprobte Form sicherstellt, dass der Heckflügel optimal angeströmt wird. Der Flügel fährt ab 120 km/h automatisch aus und sorgt zusammen mit dem Heckdiffusor für den nötigen Anpressdruck auf der Hinterachse. Im neuen, aerodynamisch besonders günstig gestylten Leuchtbalken übernehmen erstmals LEDs sämtliche Lichtfunktionen. Ihre Vorteile gegenüber den früher eingesetzten Glühbirnen liegen in der besonders schnellen Ansprechzeit und der geringen Stromaufnahme.
Die beiden zentral positionierten grünen Leuchten im aerodynamisch optimierten Lichtbalken werden aktiviert, wenn sich der Safety Car mitten im Feld einreiht und alle Rennwagen zunächst überholen soll. Sobald der SLS AMG die Führungsposition übernommen hat, signalisieren die äußeren orangen Blinkleuchten den Formel-1-Fahrern absolutes Überholverbot. Die stroboskopartigen Blitzlichter in den Scheinwerfern und Rückleuchten haben eine neutrale Signalfunktion und sind während des Einsatzes immer aktiv. Ein spezielles Nummernschild am Heck mit Safety-Car-Schriftzug und 700 LEDs sorgt bei Dunkelheit oder Regen für zusätzliche Sicherheit. Links vom Nummernschild ist eine Rückfahrkamera integriert; sie ermöglicht der Besatzung des Safety Cars via Monitor im Cockpit einen Blick auf das nachfolgende Formel-1-Feld.
Funktionelles Interieur mit AMG Sportschalensitzen
Beim Öffnen der markanten Flügeltüren blickt man auf ein funktionelles Cockpit, das sich – wie schon das Exterieur – nur wenig vom Serienfahrzeug unterscheidet. AMG Sportschalensitze mit schwarzer Lederpolsterung und Sechspunktgurten sorgen für optimalen Seitenhalt. Zwei zentrale Monitore im SLS AMG Cockpit dienen der Überwachung des Renngeschehens. Links und rechts des unteren Bildschirms befinden sich die Bedienelemente für das Funksystem, mit dessen Hilfe Bernd Mayländer und Pete Tibbetts mit der Rennleitung sowie untereinander kommunizieren können. Ein zweiter Innenspiegel ermöglicht dem Beifahrer einen Blick auf die Formel-1-Rennwagen. Im Zentraldisplay des Kombi-Instruments und im Deckel des Handschuhfachs ist das sogenannte „Marshalling System“ integriert: Hier sehen Fahrer und Beifahrer exakt die gleichen Signale wie die Formel-1-Fahrer in deren Cockpits – so zeigen die jeweiligen LEDs an, wenn gelbe oder grüne Flaggen geschwenkt werden. Am vorderen Ende der Instrumententafel sind LEDs für den Status des Leuchtbalkens sowie eine Onboard-Kamera angebracht; sie ist auf Bernd Mayländer gerichtet.
Infos über den Safety Car der vergangenen Saison und den Medical Car siehe Infobox!
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