19.01.2019 06:00 |

Krebs in jungen Jahren

Zur Chemo statt auf die Uni

Eine lebensbedrohliche Karzinom-Diagnose versetzt alle in einen Schockzustand, besonders junge Patienten. Denn während ihre Freunde ausziehen, zu studieren oder arbeiten beginnen, werden sie mit ihrer Endlichkeit konfrontiert und müssen schwere Entscheidungen treffen.

Plötzlich steht die eigene Welt still. Gerade als man in das Leben starten will, macht einem der Krebs einen Strich durch die Rechnung. Während die Freunde unabhängig werden, studieren oder arbeiten gehen, muss ein jugendlicher Tumor-Patient oftmals wieder zurück zu seinen Eltern ziehen, schwere Behandlungen über sich ergehen lassen und sich mit der Endlichkeit seines Lebens auseinandersetzen.

„Betroffene dieses Alters haben ganz andere Bedürfnisse und Fragen als Kinder oder ältere Erkrankte, es gibt aber oft kein Forum, wo sie diese klären können“, so die Klinische und Gesundheitspsychologin Mag. Katharina Gruber vom Beratungszentrum der Krebshilfe Wien, die einmal im Monat eine „Young Patients“-Gruppe leitet. „Ein großes Fragezeichen wirft etwa das Thema Fruchtbarkeit auf. Diese kann man während einer Therapie - die mitunter dafür aber verschoben werden muss - durchaus schützen. Jeder sollte dazu jedoch seine Möglichkeiten kennen und dann rasch schwerwiegende Entscheidungen für die Zukunft treffen. Das belastet massiv.“ Themen wie Veränderungen des Körpers durch das Leiden, Sexualität und Partnersuche werden ebenso besprochen wie praktische Tipps und finanzielle Aspekte. Auf die speziellen Probleme junger Eltern von kleinen Kindern gehen die Experten ebenfalls ein.

Ganz andere Probleme und Bedürfnisse
Auch der Verein PAN Austria stellt seit 2012 die Bedürfnisse junger Krebs-Patienten in den Mittelpunkt. „Neben der Beantwortung von Anfragen, der Vergabe von Informationsbroschüren sowie der Vernetzung Betroffener gibt es bei uns etwa eine Gratisbörse für Medizinprodukte oder eine online-Künstlergalerie, die zur Finanzierung unserer Projekte beiträgt“, erzählt Gründerin Natalija Frank, Public Healthcare Expertin für klinische Forschung am CCC (Comprehensive Cancer Center) des Wiener AKH. „Außerdem ermöglichen wir Eltern, deren jugendlicher Nachwuchs auf der Krebs-Palliativstation liegt, während dieser Zeit eine Hotelunterkunft, wenn sie es sich nicht leisten können. Auch psychologische Hilfe für Angehörige wird angeboten.“ Für ihr Engagement erhielt PAN Austria vergangenes Jahr den Occursus-Anerkennungspreis für Projekte zur Kommunikation für und mit Krebspatienten. „Der Austausch mit Gleichaltrigen in einer Gruppe ist enorm wichtig, verschafft Infos und gibt Kraft“, bestätigt auch Mag. Gruber.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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