Im Laufe des vergangenen Jahres hätten politisch motivierte Internetangriffe ein besorgniserregendes Maß erreicht, so der Report. In den USA seien unter anderem das Weiße Haus, das Heimatschutzministerium, der Secret Service und das Verteidigungsministerium Ziele solcher Angriffe gewesen. Nachdem Staaten vermehrt Internetwaffen entwickeln würden, die sich nicht nur gegen die Computernetze von Behörden, sondern auch gegen Infrastruktureinrichtungen richteten, handle es sich nicht mehr bloß um einen Krieg zwischen Computern. Vielmehr müsse mit Sach- und Personenschäden gerechnet werden.
Infrastruktureinrichtungen leichtes Ziel
Infrastrukturen für Energie- und Wasserversorgung, Telekommunikation, Verkehr und Finanzwirtschaft gehörten zu den bevorzugten Zielen kriegerischer Angriffe im Internet, weil sich dort schnell und mit geringem Aufwand großer Schaden anrichten lasse. In den meisten Industrieländern seien Infrastruktureinrichtungen mit dem Internet verbunden, gleichzeitig jedoch unzureichend geschützt. Dies mache sie besonders verwundbar und bewirke, dass ein Angriff folgenschwerer ausfallen würde als je zuvor. Die Privatwirtschaft trage dabei das größte Risiko, da Infrastruktureinrichtungen in vielen Industrieländern in den Händen von privaten Wirtschaftsunternehmen liegen, die dadurch automatisch zu potenziellen Zielen von Internetangriffen würden.
"Spielregeln" unklar
Uneins sind sich die Experten bislang darüber, wie Regierungen im Fall eines Internetangriffs reagieren sollten, zumal die Spielregeln einer solchen Auseinandersetzung aufgrund so vieler auf so unterschiedliche Weise beteiligter Akteure unklar sind. Ohne eine geeignete Definition könnte kaum bestimmt werden, ab wann ein Cyberangriff eine politische Reaktion oder die Drohung mit einer militärischen Antwort erfordere. Zudem sei offen, in welchem Maß Unternehmen für den Schutz und die Aufklärung der Öffentlichkeit verantwortlich gemacht werden sollen, heißt es in dem Report.
Experten fordern öffentliche Debatte über Cyberkriegsführung
Experten fordern daher eine öffentliche Debatte über Cyberkriegsführung, die das Thema aus seinem Schattendasein herausführt. Ohne eine offene Diskussion der Problematik unter Beteiligung von Staat, Wirtschaft und Bürgern könnten Internetangriffe auf grundlegende Infrastrukturen verheerende Folgen haben. Insbesondere der Umstand, dass Regierungen die ihnen vorliegenden Informationen über Internetkriegsführung vielfach nicht offenlegen, würde Wirtschaft und öffentliche Hand beim Aufbau entsprechender Verteidigungsstrukturen behindern.
Bericht zur Gefahrenlage der Nationen
Der "Virtual Criminology Report 2009" (siehe Infobox) enthält Erkenntnisse von mehr als zwei Dutzend weltweit führender Experten für internationale Beziehungen, darunter Dr. Jamie Saunders, Berater der britischen Botschaft in der US-Hauptstadt Washington, sowie Sicherheitsspezialisten des US-Nachrichtendiensts NSA und des australischen Justizministeriums. Zusammengestellt wurde der Bericht im Auftrag von McAfee vom ehemaligen Berater der US-Regierung, Paul Kurtz.
Der Bericht bietet ein Modell zur Definition eines Internetkriegs, benennt die Länder, die Cyberoffensiven und -verteidigungsmaßnahmen entwickeln, analysiert Beispiele politisch motivierter Internetangriffe und zeigt auf, wie der private Sektor in die Schusslinie geraten kann.
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