Mo, 23. Juli 2018

e-tron Gran Turismo

10.04.2018 17:17

Unterwegs in Audis 815-PS-Playstation-Sportwagen

Im Playstation-Spiel Gran Turismo sind jede Menge Sportwagen unterwegs, die von realen Autoherstellern konzipiert wurden. Manche davon schafften es auch in die dreidimensionale Realität. Audi setzt da noch eines drauf: Die Ingolstädter haben von ihrem e-tron Vision Gran Turismo eine fahrfertige Version auf echte Räder gestellt, die schon bald auf echten Rennstrecken zum Einsatz kommen wird. Elektrisch angetrieben und 600 kW/815 PS stark.

Er begann als Projekt für die Gran-Turismo-Spielserie, dann kam die Idee, ihn als Renntaxi für die Formel-E-Serie einzusetzen: Der Audi e-tron Vision Gran Turismo ist einer der spektakulärsten Sportwagen, die dieses Jahr gezeigt wurden. Der vom Designer Andreas Krüger gezeichnete Zweisitzer verfügt über Quattro-Kotflügelverbreiterungen und typische e-tron-Designelemente wie die in Segmente aufgeteilten Beleuchtungselemente und den farblich invertierten Kühlergrill.

Die Abmessungen - der Racer ist ohne Heckflügel 4,76 Meter lang, 1,17 Meter hoch und 1,98 Meter breit - sind nicht sehr weit vom R8 entfernt. Auf einen R8-Nachfolger sollte man allerdings nicht schließen: Die Proportionen sind so extrem und die Sitzposition ist so tief, dass eine Serienfertigung in dieser Form kaum infragekäme.

Der Eindruck eines Rennwagen-Prototyps bestätigt sich, wenn man hinter dem Lenkrad Platz nimmt. Dafür muss man sich über einen breiten Schweller auf den Fahrersitz schwingen - ein Vorgang, der erheblich leichter vonstattengeht, wenn das eckige Rennlenkrad vorher per Schnellverschluss abgenommen wird. Die engen Sitzschalen bieten extremen Seitenhalt und statt eines durchgestylten Cockpits gibt es einen kompakten Bildschirm. Per Kippschalter wird die Servolenkung eingeschaltet, der Vorwärtsgang per Drucktaste eingelegt.

Wer dann beherzt aufs Fahrpedal tritt, erlebt eine katapultartige Beschleunigung: Der Sprint von null auf 100 km/h dauert gerade einmal 2,5 Sekunden, bis zur 200-km/h-Marke verstreichen theoretisch nur sechs weitere Sekunden. Wir belassen es bei gut 180 km/h, die auf der kurzen Gerade auf der Audi-Teststrecke in Neuburg/Donau blitzartig erreicht werden. Dann gilt es, in die brutal verzögernde CFK-Bremse zu steigen. Wir lenken in die 180-Grad-Kurve ein und gehen früh aufs Fahrpedal; das Heck schwänzelt, der Allradantrieb hält das Auto in der Spur. Das gewaltige Flügelwerk und der geschlossene Unterboden sorgen für Abtrieb.

Die enorme Gesamtleistung von 600 kW/815 PS ergibt sich aus drei 200-Kilowatt-Elektromotoren, die von den kommenden e-tron-Serienmodellen übernommen wurden. Zwei davon sitzen an der Hinterachse, einer im Vorderwagen. Sie werden gespeist aus vier wassergekühlten Lithium-Ionen-Akkus, von denen zwei im Heck und zwei im Beifahrer-Fußraum montiert sind. Die Ladebuchse kommt übrigens vom Audi R8 e-tron.

Der Audi e-tron Vision Gran Turismo baut auf einen Gitterrohrrahmen auf; die Karosserie besteht komplett aus Kohlefaserverbundstoff. Das Fahrwerk ist in Höhe und Sturz verstellbar, es sind Pirelli-GT3-Reifen der Dimension 325/705-18 auf OZ-Felgen montiert. Als Verglasung dienen extrem leichte Polycarbonatscheiben, wobei die Frontscheibe beheizt und nach dem Sandwichprinzip aufgebaut ist.

Die Leichtbaumaßnahmen sorgen dafür, dass das Gewicht trotz der schweren Akkus bei lediglich 1450 Kilogramm liegt. Bemerkenswert ist übrigens, dass das Projekt extrem schnell und mit einem ungewöhnlich knapp kalkulierten Budget umgesetzt wurde. Die ersten Zeichnungen wurden zwar schon vor einigen Jahren erstellt, doch das finale Design ging erst im April 2017 an das Projektteam. Anschließend wurde der e-tron Vision Gran Turismo unter Projektleiter Christian Koch in Rekordzeit aufgebaut - teils in Ingolstadt, teils in Neckarsulm.

Ursprünglich sollte der Audi e-tron Vision Gran Turismo gar kein Elektroauto werden - und im Gran-Turismo-Spiel gibt es auch weiterhin eine virtuell existierende Hybridvariante mit 950 kW/1292 PS aus einem 3,4-Liter-V6-Turbo. Wenn wir noch einen Wunsch an Audi offen hätten: Die würden wir auch gerne mal fahren.

(ampnet/Jens Meiners)

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