Aus römischer Epoche

Bub findet 1700 Jahre alte Statue zwischen Steinen

Wissen
26.05.2026 16:20
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein Familienausflug in die karge Landschaft des Ramon-Kraters im Süden Israels hat sich für einen achtjährigen Buben aus Rehovot zu einer überraschenden Begegnung mit der Antike entwickelt. Zwischen unscheinbaren Steinen entdeckte er ein rund 1700 Jahre altes Fragment einer antiken Statue – ein Fund, der nun Archäologen beschäftigt und die Geschichte der Region um ein weiteres Puzzlestück ergänzt.

Das nur etwa sechs mal sechs Zentimeter große Fragment zeigt einen Teil einer menschlichen Figur, die in sorgfältig ausgearbeiteten Stofffalten eines Mantels dargestellt ist. Nach Angaben der israelischen Altertumsbehörde (Israel Antiquities Authority) handelt es sich um ein hochwertig gearbeitetes Stück aus der römischen Zeit.

„Ich wollte etwas Besonderes finden“
Der achtjährige Dor Wolynitz schilderte seinen Fund schlicht: Er habe „besondere Dinge am Boden suchen wollen, die er in der Klasse zeigen könne“. Dann habe er einen „interessanten Stein mit Streifen“ entdeckt und aufgehoben. Das Objekt sei ihm ungewöhnlich erschienen, woraufhin er es einem befreundeten Archäologen seines Vaters gezeigt habe. Der Junge übergab das Fragment später der Abteilung für Nationales Kulturerbe und erhielt dafür eine Urkunde der Behörde.

Das Fragment ist ein wichtiger Puzzlestein der Geschichte.
Das Fragment ist ein wichtiger Puzzlestein der Geschichte.(Bild: EMIL ALADJEM/ISRAEL ANTIQUITIES AUTHORITY)

Erst Verwechslung mit einem Fossil
Die „Jerusalem Post“ berichtet, dass der Fund während eines Familienausflugs einer Reservistengruppe von Fallschirmjägern im Gebiet des Ramon-Kraters gemacht wurde. Das Stück wurde zunächst für einen möglichen Fossilfund gehalten, bevor die feinen Bearbeitungsspuren erkannt wurden.

Hinweise auf römische Handwerkskunst
Akiva Goldenhersh, Aufseher in der Einbruchspräventions-Einheit der Israel Antiquities Authority, erklärte, er habe das Objekt zunächst ebenfalls für ein Fossil gehalten. Erst die erkennbaren Falten der Gewanddarstellung hätten auf eine antike Skulptur hingewiesen.

Eine geologische Untersuchung ergab laut Behörde, dass das Fragment aus einem lokalen phosphorhaltigen Gestein besteht, das im Negev verbreitet ist. Daraus schließen Fachleute, dass das Stück vermutlich in der Region gefertigt wurde. Stilistisch ordnen Experten die Darstellung der römischen Epoche zu. Die Figur trägt demnach einen sogenannten Himation-Mantel, während ein Untergewand nicht erkennbar ist.

Götterfigur oder Mischkult?
Die hohe Qualität der Ausarbeitung deutet auf einen sehr erfahrenen Kunsthandwerker hin, zugleich bleibt die genaue Identität der dargestellten Figur unklar. In Betracht gezogen werden unter anderem der römische Gott Jupiter oder eine synkretistische Gottheit wie Zeus-Dusares, die in der Region des antiken Petra verehrt wurde.

Spur der antiken Handelsrouten
Der Ramon-Krater liegt an einer historischen Handelsroute, der sogenannten Gewürzroute, die in der Antike von großer Bedeutung war. Der Fund liefert damit weitere Hinweise auf menschliche Aktivität entlang dieser Verkehrsachse.

Die israelische Altertumsbehörde betonte, dass jedes archäologische Fundstück Teil des gemeinsamen kulturellen Erbes sei und durch die Übergabe an die Behörden wissenschaftlich untersucht und erhalten werden könne. Der verantwortungsvolle Umgang des Jungen und seiner Familie werde als vorbildlich bezeichnet.

Minister lobt „Geschichte unter unseren Füßen“
Auch der israelische Kulturerbeminister Amichai Eliyahu sprach von einem Moment, der zeige, „wie viel Geschichte direkt unter unseren Füßen liegt“. Dank der Aufmerksamkeit des Kindes könne der Fund nun erhalten und wissenschaftlich ausgewertet werden.

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