Tod auf Rädern

Schon 76 Motorradfahrer tödlich verunglückt

Motor
22.09.2009 15:11
Was auf der Rennstrecke für die Fahrer meist glimpflich ausgeht, endet auf öffentlichen Straßen oft tödlich: Immer wieder passieren schwere Motorradunfälle, allein in der vergangenen Woche sind dabei auf Österreichs Straßen vier Motorradfahrer tödlich verunglückt. Damit starben von 1. Jänner bis 20. September 2009 insgesamt 76 Motorradlenker und Mitfahrer tödlich.

Die meisten tödlichen Bike-Unfälle gab es in Niederösterreich (15 getötete Motorradfahrer im Jahr 2009) vor der Steiermark (14), Salzburg (13), Oberösterreich (12), gefolgt von Tirol (10), Vorarlberg (5), Wien (4), dem Burgenland (2) und Kärnten (1). Damit gibt es heuer insgesamt weniger tödliche Motorradunfälle als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (87 tödlich verunglückte Motorradlenker von 1. Jänner bis 20. September 2008). "Viele schwere Unfälle passieren beim Kurvenfahren durch Fahrtechnikfehler", sagt Georg Scheiblauer, Motorrad-Chefinstruktor beim ÖAMTC.

Tipps fürs Kurvenfahren
"Genau gesagt passieren die Hauptfehler bereits vor der Kurve", erklärt Scheiblauer. Wer den Kurvenradius und/oder seine Geschwindigkeit falsch einschätzt, der bekommt in der Kurve ganz rasch Probleme. Denn der Spielraum, in der Schräglage seine Fahrlinie noch zu ändern, ist gering und erfordert fahrtechnisches Können. Die Linie kann man eventuell minimal korrigieren, wenn man noch mehr in Schräglage geht. "Die Geschwindigkeit muss zum Kurvenradius passen. Abruptes Bremsen in der Schräglage ist riskant und führt oft zum Sturz. Um die Maschine aufzurichten und dann abzubremsen fehlen meist der Platz und die Zeit. In einer Rechtskurve gerät man dann auf die Gegenfahrbahn, in einer Linkskurve kommt man von der Straße ab."

Um derartige Situationen zu vermeiden, ist die richtige Fahrtechnik bereits vor der Kurve wichtig. "Das Um und Auf beim Kurvenfahren ist die richtige Blicktechnik. Ich muss vorausschauen, den Kopf in die Kurve drehen und mit meinem Fahrstreifen auskommen", so der Experte. "Besonders in unübersichtlichen Kurven muss man sich Reserven lassen und mit Gegenverkehr rechnen."

Zurückhaltung als Lebensretter
Reserven und vorausschauendes Fahren helfen auch, auf Unerwartetes (wie etwa Rollsplitt) oder auf Fehler von anderen Verkehrsteilnehmern (etwa des Gegenverkehrs) zu reagieren. "Gerade Motorradfahrer, die keine Knautschzone haben, dürfen sich keine Fehler leisten", sagt Scheiblauer. Falscher Stolz ist fehl am Platz. "Es fällt niemandem ein Zacken aus der Krone, wenn er abbremst oder einen Meter zur Seite fährt." 

Er kritisiert auch falschen Mut und zu viel Risiko. "Motorradfahren soll Spaß machen. Aber es gibt Grenzen. Auf der Straße fährt man nicht am Limit. Wer Kurven mit dem Knie am Boden fahren will, muss auf eine Rennstrecke. Dort gibt es keinen Gegenverkehr, dafür aber griffigen Asphalt und entsprechende Sturzräume." Georg Scheiblauer ist Leiter des ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrums Teesdorf.

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