Jack the Ripper & Co

Web-Portal listet historische Kriminalfälle

Web
03.08.2009 10:16
Historische Dokumente über teils berühmte britische Kriminalfälle sind ab sofort über das am Montag gestartete Internetportal "Ancestry" abrufbar. Darunter auch die Akte des legendären schottischen Arztes Thomas Neill Cream: Der wegen mehrfachen Giftmordes verurteilte Arzt hatte vor dem Tod durch Erhängen 1892 gestanden, der gefürchtete Serienmörder Jack the Ripper zu sein. Rätselhaft ist bis heute aber, dass er schon im Gefängnis saß, als einige der grausamen Morde geschahen.

Die Datensammlung umfasst 1,4 Millionen Dokumente zu Prozessen, Urteilen und vollzogenen Strafen im 18. und 19. Jahrhundert. Wie Olivier Van Calster, einer der Macher der Website, mitteilte, ist sie vor allem für Sozialhistoriker von großem Wert, denn sie enthalte viele ausführliche Informationen über Verbrechen und Kriminelle in England und Wales zu einer Zeit großer Armut und Veränderungen. Unter anderem sind auch Dokumente des Falls Roderick McLean nachzulesen, der im ausgehenden 18. Jahrhundert auf Schloss Windsor einen Anschlag auf Königin Victoria verübte.

Zugänglich sind auch die Hintergründe von mehr als 10.000 Hinrichtungen, darunter die eines erst 14-jährigen Burschen. Die Todesstrafe wurde in der damaligen Zeit schon für relativ kleine Vergehen verhängt, wie etwa den Diebstahl von mehr als fünf Schillingen (heute etwa 35 Euro), von Zuchttieren oder für das unerlaubte Fällen von Bäumen. Auch das nächtliche Herumstreunen mit geschwärztem Gesicht wurde mit dem Tode bestraft - die Gerichte setzten voraus, dass nur Einbrecher eine solche Tarnung nutzten.

Die Daten belegten, dass Verbrechen und deren Bestrafung immer schon ein kontrovers diskutiertes Thema waren, so Van Calster. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seien Hinrichtungen durch den Strang ein gesellschaftliches Ereignis gewesen, für das Menschen von weit her anreisten und Reiche sich Balkone mieteten, um es besser sehen zu können. Gleichzeitig zeigten die Dokumente, dass Kriminelle auch "in weniger kultivierten Zeiten" schon über einige Kreativität verfügten.

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