Irans Führung sieht sich unterdessen außerstande, den Informationsfluss über das Internet zu unterbinden. Das Mobilfunknetz mag zwar in regelmäßigen Intervallen abgeschaltet werden, SMS können gar nicht mehr verschickt werden, und auch das Satellitenfernsehen wird gestört, doch gegen die Massen anonymer Internetnutzer scheinen die Behörden Teherans machtlos: Nachrichten und Bilder gelangen weiter nach draußen.
Um jegliche unerwünschte Kommunikation zu unterbinden, müsste die Regierung zu weit drastischeren Maßnahmen greifen und das Internet komplett sperren. Doch die anonyme und dezentrale Struktur des Webs kommt den Protestierenden nun zu Gute: Über Twitter und Co rufen die Anhänger Moussavis zu Hackerangriffen auf offizielle iranische Internetseiten auf oder verbreiten Adressen sogenannter Proxy-Server, mit deren Hilfe sich Sperren im iranischen Internet umgehen lassen.
Weltweite Solidarität übers Web
Twitter-Nutzer in anderen Ländern wiederum appellieren, die Angaben im eigenen Profil so zu ändern, als lebe man selbst in Teheran. Damit soll den Behörden das Herausfiltern und Verfolgen von Iranern erschwert werden. Die Betreiber des Online-Kurznachrichtendienstes selbst verschoben geplante Wartungsarbeiten, um der iranischen Bevölkerung auch weiterhin als "wichtiges Kommunikationsmittel" zur Verfügung zu stehen, und die Google-Tochter YouTube zeigt auf "Citizentube" von Bürgern illegal per Handy aufgenommene Videos (siehe Infobox).
Wie viele der über Twitter verbreiteten Mitteilungen der Wahrheit entsprechen, ist allerdings längst nicht mehr ausmachbar. Die Suche nach dem Stichwort "iranelections" über die eigene Twitter-Suche search.twitter.com (siehe Infobox) fördert im Sekundentakt neue Meldungen zu Tage. Inzwischen wird davor gewarnt, diese ungeprüft weiterzureichen. Mitarbeiter des Geheimdienstes hätten sich eingeschmuggelt, um gezielt Desinformationen zu betreiben, heißt es.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.