Gefahr bei Verzehr?

Babynahrung-Rückruf: HiPP beruhigt, erste Kritik

Österreich
18.04.2026 12:20

Mit den Worten „ACHTUNG! Produktrückruf HiPP Babykostgläschen bei SPAR Österreich“ ist am späten Freitagabend eine große Rückrufaktion in Österreich eingeleitet worden. Der Hersteller warnte eindringlich vor Lebensgefahr. Ware, die von Spar oder Maximarkt verkauft wurde, könnte demnach manipuliert worden sein. Tags darauf wurde beruhigt, es werde lediglich ein „theoretisches Risiko“ ausgeschlossen. Foodwatch kritisiert.

HiPP hat laut eigenen Angaben sein „gesamtes Babykostgläschen-Sortiment“ bei Lebensmittelriese Spar und dessen Tochterfirma Maximarkt zurückgerufen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass „durch Manipulation“ in den Artikel „Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel“ (190 Gramm) ein „gefährlicher Stoff“ eingebracht worden sei. Ob das tatsächlich geschehen ist oder nur damit gedroht wurde, ist nicht bekannt.

„Sämtliche Gläser zurückgeben“
„Der Verzehr eines solchen Gläschens kann lebensgefährlich sein“, wurde dennoch in der Nacht seitens HiPP betont. Obwohl nur ein bestimmtes Glas namentlich genannt wurde, wurden Kunden gebeten, sämtliche HiPP-Gläser, die sie bei Spar oder Maximarkt gekauft haben, nicht zu verwenden. Sie können in jeder beliebigen Filiale ohne Kassazettel zurückgegeben werden.

Auf Aufkleber am Glasboden achten
Die infrage kommenden Produkte seien mit einer „am Glasboden angebrachten Markierung in Form eines weißen Aufklebers mit einem roten Kreis“ erkennbar.

Die möglicherweise betroffene Charge ist laut Hersteller „Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel ...
Die möglicherweise betroffene Charge ist laut Hersteller „Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel (190 Gramm)“.(Bild: APA/TOBIAS STEINMAURER)

Unternehmen: Rückruf „vorsorglich“
Der Rückruf sei „vorsorglich erfolgt, um auch ein theoretisches Risiko auszuschließen“, hieß es dann seitens der HiPP-Pressestelle am Samstag. „Wenn ein Kind keine Beschwerden zeigt, besteht kein Anlass zur Sorge. Wenn Eltern unsicher sind oder Symptome bemerken, sollen sie sich bitte an Kinderarzt oder medizinische Notfallstelle wenden.“

Unklar blieb weiterhin, um welchen gefährlichen Stoff oder welche möglichen Symptome es sich eigentlich handeln soll und wie viele Gläser von dem Rückruf betroffen sind. Der HiPP-Elternservice Österreich sei unter der Nummer +43-7612-76577-104 erreichbar – neuerdings auch am Wochenende (erst hieß es, nur werktags).

Die nächtliche Mitteilung von HiPP im Wortlaut

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch Manipulation in den Artikel „HiPP Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel“ 190 Gramm ein gefährlicher Stoff eingebracht wurde.

Der Verzehr eines solchen Gläschens kann lebensgefährlich sein.

Um einen unbemerkten Verzehr sicher auszuschließen, werden KundInnen gebeten, HiPP Babykostgläschen, die bei SPAR Österreich gekauft wurden, aus Sicherheit nicht zu konsumieren.

Alle KundInnen, die die Produkte gekauft haben, können diese im nächstgelegenen SPAR-, EUROSPAR- sowie INTERSPAR-Markt oder Maximarkt zurückgeben. Den Kaufpreis bekommen Kundinnen und Kunden auch ohne Kassabon rückerstattet.

Landespolizeidirektion Burgenland bittet um Ihre Hilfe:

Nach derzeitigen Informationen sind die in Frage kommenden Produkte mit einer am Glasboden angebrachten Markierung in Form eines weißen Aufklebers mit einem roten Kreis erkennbar.

Die Landespolizeidirektion Burgenland nimmt Informationen zum Rückruf von HiPP Babygläschen mit möglichen lebensbedrohlichen Inhalten unter der Telefonnummer +43 5913310 Durchwahl: 3333 entgegen.

Den HiPP Elternservice Österreich erreichen Sie unter der Nummer +43 7612 76577-104.

Kritik von Foodwatch
Unterdessen wird erste Kritik laut: „Wenn der Verdacht besteht, dass ein Lebensmittel für den Verzehr nicht sicher oder sogar, wie offenbar in diesem Fall, gesundheitsgefährdend für die Babys sein kann, dann muss der Hersteller alle relevanten Informationen vollständig, klar und öffentlich kommunizieren“, erklärte Foodwatch Österreich am Samstag. Es sei zwar zu berücksichtigen, dass im Fall einer mutmaßlichen Manipulation und laufender Ermittlungen nicht alle Informationen vorliegen, dennoch gelte „in einer solchen Situation das Gebot höchstmöglicher proaktiver Transparenz“, so Indra Kley-Schöneich, Leiterin von Foodwatch Österreich.

Der Salzburger Landesrat Wolfgang Fürweger (FPÖ) warnte, dass die Produkte nicht nur Säuglinge betreffen könnten. Auch ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen könnten den betreffenden Artikel gekauft haben. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Gläschen auch in Pflege- und Betreuungseinrichtungen verzehrt werden könnten: „Hier ist besondere Sensibilität bei vulnerablen Gruppen notwendig.“

Polizei bittet um Hinweise
Die Erhebungen führt nun jedenfalls die Landespolizeidirektion Burgenland, die um Mithilfe der Bevölkerung bittet. Es gab demnach einen Hinweis, wonach entsprechende Gläser „im burgenländischen Bereich“ aufgetaucht sein könnten. „Informationen zu etwaigen manipulierten Babygläschen“ nehmen die Ermittler unter der Telefonnummer +43-5913310-3333 entgegen.

Involviert ist übrigens auch das Gesundheitsministerium – weitere Details konnten jedoch auch dort momentan nicht bekannt gegeben werden, hieß es auf eine Anfrage der APA aus dem Büro von Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ).

Erst im Jänner war in Österreich eine große Rückrufaktion von Babynahrung ausgerufen worden: Der Konzern Nestlé hatte Säuglingsnahrungsprodukte zurückgerufen, auch mehrere Fälle von Erkrankungen wurden gemeldet. Das Gesundheitsministerium sprach damals von der „größten Rückrufaktion in der Unternehmensgeschichte“. Seither bemüht sich Nestlé, Vertrauen zurückzugewinnen und die Organisation neu auszurichten.

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