Mit "Unite" wolle Opera Server von Drittanbietern überflüssig machen, denn diese stünden im Widerspruch zur ursprünglichen Vision des Internets, erklärte das Unternehmen. Das neue Programm soll diesen Fehler nun beheben und dem einzelnen Nutzer auch wieder mehr von seiner Privatsphäre zurückgeben. Denn das Tool ermöglicht es den Usern, eigene Inhalte online zur Verfügung zu stellen, ohne diese vorher ins Netz uploaden zu müssen. Fotos, Musik und andere Dateien bleiben dabei auf der heimischen Festplatte und sind deshalb auch nirgends im Netz zu finden.
Der neue Dienst läuft dabei über einen Proxy-Server, der die "Unite"-Services in die Vorabversion des Browsers Opera 10 bringt. Diese steht kostenlos zum Download bereit.
Sechs Dienste bereits installiert
Zum Start am Dienstag standen sechs verschiedene "Unite"-Funktionen bereit. Die von Opera angebotenen Services umfassen Mediaplayer, Filesharing-Service, Chat, Webserver, Post-it-Funktion und einen Foto-Sharing-Dienst. In Zukunft sollen zahlreiche weitere Services folgen - basiert "Unite" doch auf Open-Web-Standards wie HTML und Java Script, weshalb Opera mit unzähligen Hobby- und Berufsentwicklern rechnet.
Neben der Installation des Opera-10-Browsers ist auch ein Opera-Konto von Nöten, um "Unite" nutzen zu können. Für die Anmeldung zu ebendiesem genügt eine gültige E-Mailadresse. Der Name oder die Adresse des Nutzers werden nicht abgefragt. Nach dem Start sieht man, dass die bisher erhältlichen Services bereits vorinstalliert sind.
Die Tools im Detail
Die Tools startet der User in der "Unite"-Benutzerleiste am linken Rand des Opera-Browsers. Beim Launch des Mediaplayers fragt das Programm dann zuerst, aus welchem Ordner auf der Festplatte Musik übernommen werden soll. Ist dieser festgelegt, zeigt der Browser-Player den Ordnerinhalt an und kann die Audiofiles auch gleich abspielen. Nun kann der Benutzer noch wählen, für wen er die eigene Musiksammlung freigeben möchte: Die Optionen "public" (öffentlich), "limited" (eingeschränkt) und "private" (privat) stehen zur Verfügung.
Im "public"-Modus kann jeder Anwender auf die Songs zugreifen, der die URL (normalerweise zusammengesetzt aus dem Computer- und Usernamen) des "Unite"-Nutzers kennt. Im eingeschränkten Modus benötigen andere User neben der URL auch einen Code. Beides wird von "Unite" als Link zur Verfügung gestellt, den der User seinen Freunden schicken kann, um ihnen Zugriff auf seine Musik zu geben. Diese können sie dann in jedem halbwegs modernen Browser abspielen, auch ohne selbst "Unite" zu verwenden. Im "private"-Modus sperrt der Nutzer den Zugriff für alle anderen Teilnehmer im Netz. Er kann aber trotzdem von unterwegs auf seine Musiksammlung zugreifen. Einziger Nachteil: der PC zu Hause muss dafür laufen.
Analog dazu funktioniert die Filesharing-Funktion. Nur, dass in diesem Fall die Files zum Download bereit stehen – sie können allerdings auch vorab geöffnet und angehört bzw. angesehen werden.
Ein besonders nettes Feature ist das Photosharing-Tool. Auch hier lässt sich ein Ordner auswählen, in dem die Bilder des Nutzers gespeichert sind. "Unite" zeigt diese dann online in einer Thumbnail-Gallerie. Auch hier kann der Anwender wählen, wer seine Fotos bestaunen und auch downloaden darf. Mühevolle und vor allem langwierige Uploads, nur um die letzten Urlaubsbilder mit seinen Freunden zu teilen, gehören damit jedenfalls der Vergangenheit an.
Die Funktion mit dem klingenden Namen Lounge bietet die Möglichkeit, schnell und vor allem privat mit seinen Freunden zu chatten. Diese brauchen dafür keine Registrierung oder dergleichen. Der "Unite"-Nutzer eröffnet mit dem Tool einfach einen Chatroom und schickt seinen Gesprächspartnern den Link dorthin. So sollte dem ungestörten Online-Plaudern nichts mehr im Wege stehen.
Auf ähnliche Weise funktioniert Fridge. Bei dieser Funktion geht es allerdings darum, anderen "Unite"-Usern kurze Post-it-Nachrichten in Echtzeit auf den virtuellen Kühlschrank zu kleben.
Um das Portfolio abzurunden, bietet die Software auch einen Webserver-Dienst an. Damit können eigene Websites ins Netz gestellt werden, die die Browser-Applikation dann für den Nutzer "hostet".
Wie man sieht, kann das neue Feature so einiges. In ersten Tests funktionierten alle Anwendungen jedenfalls gut und einfach. Auch die Vorabversion von Opera 10 erwies sich als stabil.
Problem: Copyright-Verletzungen
Das größte Problem, das "Unite" wohl mit sich bringt, sind beabsichtigte und unbeabsichtigte Copyright-Verletzungen durch die User. Denn auch wenn das Teilen von Inhalten mit dem neuen Dienst einfach wie nie funktioniert, bleibt das Tauschen von Musik und anderen Inhalten, die urheberrechtlich geschützt sind, nach wie vor illegal. Jeder Nutzer sollte sich deshalb genau überlegen, welche Inhalte er mit der Hilfe von "Unite" öffentlich zugänglich macht und welche nicht. Außerdem heißt es auch bei diesem Dienst, auf die eigene Privatsphäre zu achten. Am besten legt der "Unite"-Nutzer deshalb einen eigenen Ordner an, in den er die Dateien kopiert, die online gehen sollen. So beugt man versehentlichen Veröffentlichungen von privaten oder gar peinlichen Bildern vor, die sich vielleicht in großen Sammel-Ordnern wie "Meine Bilder" tummeln.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.