Dabei kann der Materia mehr als einfach nur gut aussehen (abgesehen davon, dass ihn einige auch potthässlich finden, hier scheiden sich die Geister). Er hat auf seinen 3,80 Metern Länge ungewöhnlich viel Platz. Fondspassagiere genießen eine Beinfreiheit wie in der oberen Mittelklasse, wenn man sich mit 181 Litern Kofferraumvolumen begnügt. Schiebt man die Rückbank nach vorne, gibt’s gut 100 Liter mehr Kofferraum, dafür geht es hinten zu wie etwa im Dreier-BMW. Über den Köpfen ist der Materia sowieso ein Ballsaal, auf den Pedalen haben nicht nur Tanzschuhe, sondern auch massive Bergschuhe Platz. Ein- und Ausstieg sind extrem bequem, da die Sitzposition hoch, das Gefährt an sich aber ziemlich tiefgelegt ist.
Boombox mit prägendem Zentrum
Es sind Kleinigkeiten, die bei mir ein besonderes Wohlwollen für dieses Auto auslösen. Kleiner Exkurs: Der Klang von Stereoanlagen wird oft besser bewertet, wenn sich die Regler gut anfühlen und gut zu bedienen sind. Es überträgt sich also das Gefühl beim Drehen auf die Qualität des ganzen Gerätes. Genau das passiert beim Daihatsu Materia. Die gelungene Haptik wertet das Auto intuitiv auf. Der ziemlich große zentrale Lautstärkeregler in Klavierlackoptik wirkt total hochwertig, der 4x40-Watt-Sound passt auch, das gesamte Armaturenbrett hat etwas von einer großen Boombox, auch wegen der Hochtöner, die sich direkt vor Fahrer und Beifahrer befinden.
Wenn die Bedienung des Getriebes nur ähnlich gelungen wäre! Aber nein, die Schaltung ist teigig und hakelig, dafür aber angemessen abgestuft. Der 103-PS-Motor der getesteten Allrad-Version 1.5 Eco 4WD (warum Eco, wo der Fronttriebler doch sparsamer ist?!) macht den Materia zum flotten Stadtflitzer, jenseits der Stadtgrenzen reicht’s für 11,9 Sekunden von 0 auf 100 sowie 168 km/h Höchsttempo. Mit 1.100 Kilo Leergewicht sind natürlich keine Sportwagenfahrleistungen drin.
Wuselt voll durch die Gassen
Dafür macht die Kiste, wenn man sich an die Schaltung gewöhnt hat, in der Stadt richtig Spaß. Mit einem Wendekreis von nur 9,8 Metern huscht man in jede Parklücke, und übersichtlich ist der Wagen auch noch. Die Beladung passiert klaglos, sogar für den Ikea-Einkaufsbummel ist vorgesorgt. Problemlos wird die Rückbank verschoben oder umgelegt, und sogar der Beifahrersitz macht sich flach, damit entsteht ein rund zwei Meter langer, wenn auch nicht ganz ebener Laderaum. Mit intaktem Beifahrersitz stehen 619 Liter zur Verfügung, bis unters Dach sogar 1.000.
Aber auch: Sparprogramm
An manchen Stellen spart Daihatsu leider bzw. ist nicht ganz up to date. So ist ESP nur in der Frontantriebsversion mit 103 PS verfügbar, kostet aber Aufpreis. Mit Allradantrieb oder 91 PS ist das Antischleuderprogramm nicht für Geld und gute Worte zu bekommen. Ein Anachronismus wie das vom Zündschlüssel getrennte Fernbedienungskastl für die Zentralverriegelung, aber ungleich schwerer wiegend.
Der Motor braucht hohe Drehzahlen und klingt eigentlich immer leicht überfordert. Das Fahrwerk ist eher weich, aber dennoch nicht sonderlich komfortabel; die berühmten Wiener Holperschwellen schluckt es aber auch bei ambitioniertem Tempo brav weg. Die Seitenneigung in Kurven hat böse Beifahrer schon zu einem Vergleich mit der seligen Ente gereizt, bei Lastwechseln spürt man auch gern mal das Heck kommen.
Fazit
Insgesamt ist diese Kiste ein gelungenes Paket. Für einen Grundpreis von 15.990 Euro (mit 91 PS) bzw. 17.990 Euro (103 PS mit Allrad) muss man halt ein bisserl was in Kauf nehmen – siehe fehlendes ESP oder die etwas blechern klingenden Türen. Aber wer so frisch daherkommt, dem sieht man manches nach…
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