Bis auf kleine aber feine Unterschiede sind S und ST baugleich. Die ST hat mehr Verkleidung und einen höheren Lenker, was sich sitzpositionstechnisch gut anlässt, dazu kommt eine praktische Gepäckbrücke. Der Motor ist bei beiden der gleiche. Revolutionär ist er deshalb, weil es der erste Reihenzweizylinder von BMW ist, sonst gibt es zwei Töpfe nur als Boxer. Ganz verabschiedet haben sich die Münchner aber nicht davon, der Sound klingt etwas boxerlike, sägt aber im Ohr.
Flottes Bayern-Mädel
85 PS stecken bei gemütlichen 8.000 U/min. drin, das maximale Drehmoment von 86 Nm sagt auch schon bei 5.800 U/min. hallo, Kraft ist also schon von unten heraus da. Damit lässt sich’s gemütlich schnell unterwegs sein, wenn einem danach ist. Ansonsten freut sich das echt handliche Parallel-Twin-Mädel über jede Kurve. Für eine Tourenmaschine ist es mit 210 Kilo fahrfertig auch angenehm leicht. Tempo 100 ist in 3,5 Sekunden flott erreicht, bis zum Höchsttempo von 220 km/h dauert es nach oben hinaus etwas.
In Sachen Ausstattung bietet die F800ST einige Stückln zum Spielen. Die Testmaschine hatte neben dem einwandfreien ABS etwa Heizgriffe, Bordcomputer und sogar eine elektronische Reifendruckanzeige! Die Sitzbank ist auch auf längeren Touren bequem, die Verkleidung hält einiges ab, die Rückspiegel sind perfekt positioniert und wer BMW gewohnt ist, muss sich auch für die eigene Blinker-Betätigung nicht umstellen (nach einer Testwoche kann es allerdings leicht passieren, dass man bei seinem eigenen Bike statt den linken Blinker die Hupe drückt). Der Tank unter der Sitzbank ist mit 16 Litern allerdings etwas mickrig ausgefallen, auch bei 4,5 bis gut 5 l/100 km ist er relativ schnell leer.
Das Getriebe...
Das Getriebe ist nicht so ganz mein bester Freund. Abgesehen vom lang übersetzten ersten und zweiten Gang (es irritiert mich einfach, wenn ich bei Langsamfahrt immer in den ersten muss) bin ich beim Raufschalten vom vierten in den fünften einige Male in den Leerlauf geraten, und nicht nur einmal ist mir der zweite einfach während des Beschleunigens herausgesprungen. Dass am Testmotorrad die Ganganzeige nicht funktioniert hat (und damit auch das Neutrallamperl), geht auf Rechnung der Elektronik.
Die BMW F800ST ist definitiv ein etwas anderes Motorrad, aber das sind BMWs eigentlich immer. Und natürlich kein Schnäppchen: Der Grundpreis liegt bei 10.900 Euro, das absolut empfehlenswerte ABS kostet gut 800 extra.
Stephan Schätzl
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