Sa, 21. Juli 2018

Hört das nie auf?

21.01.2018 17:03

Audi muss schon wieder Schummel-Autos zurückrufen!

Fast könnte man den Eindruck gewinnen, der Abgasskandal tangiere den Volkswagen-Konzern nur peripher: 2017 war trotz Milliardenzahlungen ein "hervorragendes Geschäftsjahr", man hat mehr Autos denn je verkauft - und offenbar weiterhin munter Autos gebaut, deren Dieselmotoren Schummelsoftware in ihren Steuergeräten hatten. Jetzt schiebt das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt einen weiteren Riegel vor und ruft weltweit fast 130.000 Audi-Modelle mit V6-TDI zurück.

Der Hersteller sei darüber informiert worden, dass die Behörde in den Audi-Modellen A4, A5, A6, A7, A8, Q5, SQ5 und Q7 mit der Abgasnorm 6 "unzulässige Abschaltvorrichtungen" festgestellt habe, bestätigte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Sonntag in Berlin. Zuvor hatte die "Bild am Sonntag" über den Zwangsrückruf berichtet. Insgesamt seien in Deutschland 77.600 Fahrzeuge betroffen und weltweit 127.000 Fahrzeuge. Zahlen zu Österreich lagen vorerst nicht vor.

Audi sucht selbst Unregelmäßigkeiten "mit Hochdruck"
Bei dem zum VW-Konzern gehörenden Autohersteller hieß es, seit Monaten untersuche Audi mit Hochdruck alle Diesel-Konzepte auf etwaige Unregelmäßigkeiten und Nachrüstungspotenziale. Dabei arbeite man eng mit den zuständigen Behörden zusammen. Nun also der Zwangsrückruf für mehrere Modelle. Bis spätestens Anfang Februar muss Audi dem KBA dem Vernehmen nach Lösungen vorlegen, wie die Manipulation auf dem Rollenprüfstand abgestellt wird. Nach Freigabe der Updates durch das KBA muss der Hersteller unverzüglich die betroffenen Fahrzeuge zurückrufen und entsprechend umrüsten. Anschließend habe er 18 Monate Zeit, die Rückrufaktion abzuschließen, hieß es.

Die Produktion von Neufahrzeugen sei bereits durch Audi umgestellt, hieß es.

So arbeitet die Manipulationssoftware
Nach Angaben der "Bild am Sonntag" beanstandet das KBA eine sogenannte Aufheizstrategie, die nur auf dem Prüfstand aktiv sei und im Straßenbetrieb abgeschaltet werde. Die schadstoffmindernde, schnelle Motoraufwärmfunktion springt bei diesen Fahrzeugen demnach nahezu nur im Prüfzyklus an. Im realen Verkehr unterbleibt diese Schadstoffminderung hingegen.

Zulassungsverbot für ausgelaufenen Audi A8?
Audi überprüft seit mehr als einem Jahr systematisch alle Motor-und Getriebevarianten auf unzulässige Abschalteinrichtungen und hatte bereits im Juli 2017 die Nachrüstung von 850.000 Autos der Marken Audi, Porsche und Volkswagen mit V6- und V8-TDI-Motoren in Europa angeboten. Die nun vom KBA beanstandeten Fahrzeuge seien darin auch enthalten, hieß es jetzt bei Audi.

Nach Angaben der "Bild am Sonntag" droht das KBA Audi für das A8-Modell, das bis Mitte 2017 produziert worden sei, mit einem Zulassungsverbot. Nach Darstellung von Audi handelt es sich hier um eine nachträgliche Anordnung zu einem Bescheid des Kraftfahrt-Bundesamtes, der Anfang November 2017 gemeldet worden sei und der einen Rückruf von 5000 Autos in Europa beinhalte. Betroffen war das bisherige Flaggschiff von Audi, der A8 mit TDI-Achtzylinder-Motor und Euro-6-Zulassung. Er wurde von 2013 bis vergangenen August gebaut.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer kritisierte Audi: "Das ist mehr als peinlich. Es kann nicht sein, dass das Kraftfahrt-Bundesamt den Rückruf anordnet und die Kunden dies über die Medien erfahren", sagte er der "Rheinischen Post". Zwar habe sich Audi selbst bemüht, die Probleme mit einem freiwilligen Rückruf zu lösen. Dass nun aber ein Zwangsrückruf angeordnet worden sei, zeige, wie ernst die Lage sei.

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