Der Kenner erkennt unter der Staubschicht ganz klar: Das ist ein Ferrari 365 GTB/4 Daytona. Aber es ist mehr als nur ein einfacher Daytona, es ist ein EINZELNER Daytona, nämlich der einzige straßenzugelassene, der jemals mit Aluminium-Karosserie gebaut wurde. Man wusste nicht einmal, dass er noch existiert - nun ist er in einem japanischen Schuppen entdeckt worden.
Die Welt der Ferrari-Enthusiasten ist außer sich. Kein Wunder, dass Sothebys bei der Versteigerung in Maranello rund 1,7 Millionen Euro Verkaufserlös erwartet. Trotz des schlechten Zustands des Sportwagens. Immerhin ist er noch nicht viel gefahren, der Tacho zeigt 38.390 Kilometer. Scherz beseite.
Insgesamt produzierten die Italiener zwischen 1969 und 1973 ganze 1200 Stück des 365 GTB/4, von Sergio Scaglietti ließen sie in seiner "Carrozzeria" fünf Stück aus Aluminium für das 24-Stunden-Rennen von Daytona aufbauen. Und einen, der nicht für das Langstreckenrennen, sondern für öffentliche Straßen gedacht war.
Das Einzelstück entstand 1969, zwei Jahre später wurde es nach Japan verschifft, im Jahr darauf in einem Automagazin gezeigt. Danach wurde es einige Male verkauft, bis es um 1980 dort verschwand, wo es nun auftauchte: im Schuppen eines Japaners namens Makoto Takai.
Bereits im Jahr 2001 war nach 30 Jahren ein ähnliches Stück aufgetaucht - das war aber nicht von Ferrari, sondern von Shelby umgebaut worden.
Angetrieben wird der Ferrari 365 GTB/4 von einem 4,4-Liter-V12, der zwischen 320 und 449 PS leistete.
Info am Rande: Die meisten kennen den Ferrari Daytona bzw. den Daytona Spider aus der TV-Serie Miami Vice - oder glauben ihn zumindest zu kennen. Denn tatsächlich handelt es sich bei den in der Serie verwendeten Fahrzeugen um Repliken des amerikanischen Herstellers McBurnie Coachcraft, deren Karosserie auf einem Corvette-Chassis ruhte und die ein V8-Small-Block-Motor von General Motors antrieb.
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