Sa, 18. August 2018

Braut? Pferd? Auto?

19.07.2017 13:24

Empörung über sexistische Audi-Werbung im Netz

Im Wachstumsmarkt China sind viele Menschen sauer auf Audi. Anlass ist ein Gebrauchtwagen-Werbespot, wegen dem sich die Ingolstädter mit dem Vorwurf des Sexismus konfrontiert sehen. Der Werbefilm, der im Internet bereits millionenfach angeklickt wurde, beginnt mit einer Hochzeitsfeier: Kurz bevor sich das Paar das Ja-Wort geben will, eilt die Mutter des Mannes zum Altar und nimmt die Braut genau unter die Lupe - wie ein Pferd oder einen Gebrauchtwagen.

Ähnlich wie ein Pferdehändler oder entsprechend einem Mechaniker, der ein Auto untersucht, zieht sie ihr grob an der Nase, schaut ihr hinter die Ohren und öffnet ihren Mund, um die Zähne zu prüfen. Immerhin versucht sie nicht, mit einem Schraubenziehern in tragenden Teilen herumzustochern. "Eine wichtige Entscheidung muss sorgfältig getroffen werden", sagt kurz darauf eine Stimme - und ein fahrender Audi wird eingeblendet.

Der Spot sei "abscheulich", schrieb eine Nutzerin auf dem twitterähnlichen Dienst Weibo, wo das Video über 500.000-mal geteilt wurden. Viele Nutzer sprachen von Sexismus, einige riefen zu einem Boykott gegen die deutsche Automarke auf.

Audi teilte mit, dass die Werbung eigenständig vom chinesischen Joint-Venture-Partner produziert worden sei und distanzierte sich deutlich. "Die bei vielen Menschen entstandene Wahrnehmung des Werbefilms entspricht in keiner Weise den Werten unseres Unternehmens", heißt es in einer Stellungnahme. Der Spot sei gestoppt worden.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Werbevideo in Chinas sozialen Netzwerken heftige Reaktionen ausgelöst hat. Im vergangenen Jahr entschuldigte sich eine chinesische Firma für eine rassistische Waschmittel-Werbung. Gezeigt wurde eine Frau, die einen schwarzen Mann in die Waschmaschine steckte. Als sie die Tür wieder öffnete, kletterte ein hellhäutiger Chinese heraus.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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