So, 21. Oktober 2018

"Sweptail" auf Maß

01.06.2017 13:03

Rolls-Royce baut das teuerste Auto der Welt

Wenn es wirklich "wurscht" ist, Geld keine Rolle spielt und Exklusivität die Maxime ist, der alles untergeordnet wird, dann kann einen der Weg zu Rolls-Royce führen. So war es wohl bei einem britischen Geschäftsmann, der 2013 in Goodwood vorgesprochen hat. Nun, vier Jahre später, ist der teuerste und exklusivste Neuwagen der Welt, ein Luxus-Coupé mit Bootsheck, fertig.

"Sweptail" heißt das Einzelstück, gezeigt wurde es im Rahmen des jährlichen Oldtimer-Highlights Concorso d’Eleganza Villa d’Este. Ein durchaus passendes Ambiente. Hier am Comer See fährt jeden Mai die Creme de la Creme der Klassik- und Oldtimer-Szene mit ihren Kostbarkeiten vor und genießt die Bewunderung der Besucher.

Neues Feld für die Bespoke-Abteilung
Mit dem Sweptail - der Name ist eine Reminiszenz aus den 20er-Jahren und bezeichnet den speziellen bootsähnlichen Heckschwung einiger Rolls-Royce-Modelle - zeigen die Briten nicht nur ein sogenanntes "One-of" (Einzelstück), sondern geben gleichzeitig auch eine mögliche neue Marschrichtung vor: Die Maßanfertigung von Modellen gezielt nach den Wünschen der Kunden. "Wenn nicht wir, wer dann", sagt Torsten Müller-Ötvos, der Vorstandschef von Rolls-Royce Motor Cars. Noch in den 50er-Jahren zählte diese individuelle Form des Karosseriebaus zu den Gepflogenheiten vieler Spezialfirmen vor allem in England und Italien, um reichen Kunden und berühmten Filmstars die passenden Gefährte zu dengeln.

Der Sweptail basiert auf dem Zwölfzylinder-Flaggschiff der Marke, dem Phantom (nebenbei mit 92 Jahren der älteste Modellname, den heute noch ein Auto trägt) und geriet nach dem Umbau zum größten zweisitzigen Grand Coupé der Welt. Der Besitzer, ein Jacht-Sammler, benötigt weder die hinteren Türen noch einen Fond mit Sitzen. Stattdessen ließ er den Phantom im Heckbereich wie ein Luxusboot mit edlen Hölzern ausstatten.

Fast alles Handarbeit
"Bis auf die Motorhaube sind sämtliche Karosseriebleche in aufwendiger Handarbeit neu gefertigt worden", sagt Alex Innes, Bespoke Design Manager. Statt Stahlblech wurde Aluminium in die passenden Holzformen getrieben. Sechs Monate hatte das Design-Team allein an einem Ton-Modell gearbeitet, bevor die endgültige Form freigegeben wurde, stets in ständiger Absprache mit dem Kunden. Markant sind zum einen die fast monumentale senkrechte Front und im Gegensatz dazu das weich abfallende Heck. Der Kühlergrill wurde aus massivem Aluminium gefräst und von Hand auf Hochglanz poliert. In der Seitenansicht unterbrechen den langen Wagenkörper nur die beiden senkrechten Fugen der Tür. "Dadurch wirkt der Sweptail wie aus einem Guss", sagt Giles Taylor, der Designchef von Rolls-Royce.

Dass es auch vor dem Lenkrad nicht so bleiben kann, wie es normalerweise in einem Phantom aussieht, versteht sich bei diesem außergewöhnlichen Kunden von selbst. So mussten Alex Innes und seine Leute möglichst viele Knöpfe und Schalter vom Armaturenbrett verbannen. Der Kunde liebt es reduziert. Doch wohin damit? "Wir haben die meisten Schalter ins Handschuhfach verfrachtet", so Innes.

Beeindruckt hat den Bespoke Manager die Lockerheit des Auftraggebers sowie dessen Mitsprache, ging es um diese oder jene Änderung oder die ein oder andere Sonderanfertigung. Der Einwand, etwas sei zu teuer, kam nie. Schon zu Beginn des Projektes wurde nicht wirklich über Geld geredet oder gar ein Fixpreis vereinbart. Zur Entspanntheit der Situation mag da sicher auch die Haben-Position auf dem Bankkonto des Kunden beigetragen haben. Offiziell gibt es keine Preisangabe für den Rolls-Royce Sweptail - es ist jedoch von 12 Millionen Euro die Rede.

(SPX)

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