Spoileralarm!

Mercedes 220d Cabrio: Ein Cabrio, das keines ist

Motor
16.02.2017 02:48

Mercedes verströmt ein wenig offene Noblesse in der Mittelklasse. Ein Hauch von S-Klasse fährt mit, wenn man im Cabrio der C-Klasse dahincruist, obwohl es der günstigste Benz-Einstieg ins Frischluftwesen ist. Dank Allradantrieb geht unser C 220d Cabrio sogar als Winterauto durch. Ha, da schauen sie, die Leute, wenn man das Snowboard am Skilift über die Flanke hebt!

Eigentlich ist das C-Klasse-Cabrio gar kein Cabrio - man sieht sein Dach nur nicht, wenn das Verdeck geöffnet ist. Denn dann spannt sich auf Knopfdruck das sogenannte "Aircap" über die vier (in der Realität dann doch nur zwei) Insassen, eine Lufthaube, die durch einen hässlichen Spoiler auf dem Windschutzscheibenrahmen und das Windschott hinter den Rücksitzen entsteht. Dann noch den Airscarf eingeschaltet, schon weht einem eine laue Brise um die Ohren. Von hinten.

Ein festes Dach würde der offenen C-Klasse jedoch gut tun. Das Coupé der Baureihe, aus dem das Cabrio gestalterisch entstanden ist, liegt optisch mindestens eine Klasse vorn, weil die Linie einfach besser passt, unabhängig vom Öffnungszustand des mächtig gedämmten Stoffverdecks. Hier wirkt der Hintern ein wenig pummelig.

Den optischen Mangel macht das Verdeck durch eine hervorragende Eigenschaft wett: Es lässt sich bis Tempo 50 bewegen. Kommt man außerorts in den Regen, muss man also nur die Spanne zwischen 80 und 50 km/h verkraften nass zu werden, denn darüber zieht das Wasser über das Aircap (der lästigste Moment im Regen ist, wenn man zum Aussteigen die Tür öffnet, denn da ergießt sich ein Wasserschwall vom Dach auf den Oberschenkel).

Spontanes Dach-Öffnen funktioniert nur, wenn die Klappe im Kofferraum (je nachdem 285 bis 360 Liter groß) heruntergezogen ist. In der S-Klasse könnte man das elektrisch veranlassen.

Cabrio und Diesel ist als Kombination nicht unumstritten. Hier im Mercedes stört das Antriebsprinzip weniger als anderswo. Nicht weil der Vierzylinder-Selbstzünder so ein Feingeist wäre, sondern wahrscheinlich weil man die Marke früher grundsätzlich mit Dieselmotoren assoziiert hat, in Zeiten, als das auch noch Rußwolken bedeutet hat.

Heute sprechen wir von zaghaftem Knuspern, aber umso drängenderem Drehmoment. Zwar weist das Datenblatt für den 2,1-Liter-Motor nur 170 PS aus, das satte Drehmoment von 400 Nm ab 1400/min. presst den 1730 kg schweren Stuttgarter in 8,1 Sekunden auf Tempo 100 (mit Heckantrieb wären es 8,3 Sekunden bei 1670 kg).

46.000 Euro kostet das C-Klasse-Cabrio mindestens, mit dem 156-PS-Benziner unter der Haube, 3000 Euro mehr sind für den 220 d anzulegen, weitere 3000 jeweils für die famose Neungangautomatik sowie den Allradantrieb. Dass der Testwagen auf 68.000 Euro kommt, liegt an den Extras von der Sitzheizung (ja, die kostet extra!) über das Burmester-Surround-Soundsystem bis zum "AMG Line Exterieur".

Wenn es jetzt noch eine All-Terrain-Version mit Kunststoffbeplankung gäbe, dann wäre mn wirklich für alles gerüstet…

Warum?

  • Weil man damit einfach Stil beweist

Warum nicht?

  • Weil die Linie ohne das Coupé-Dach nicht hundertprozentig gelungen ist

Oder vielleicht …

… BMW 4er Cabrio, Audi A5 Cabrio

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