Di, 25. September 2018

Gucci-Kutsche

03.02.2017 07:39

Mini Countryman: Fahren im und shoppen am Graben

Wenn der Mini Countryman so wie oben auf dem Foto vor dem Haus steht, gibt's Saures. Für den Filius, weil er schon wieder Schindluder mit Mamas Auto getrieben hat. "Aber das ist doch ein SUV, also was fürs Grobe!", könnte ein Dialog beginnen, den Papa dann im Keim erstickt. Mini ist Lifestyle, nicht Survival. "Wenn du Mamas Michael-Kors-Tasche in den Gatsch haust, ist sie auch sauer!"

Vor allem ist der neue Countryman der größte Mini ever, mit 4,30 Meter Länge würde jeder andere Markenname besser passen. Aber dafür hat er auch entsprechend viel Platz für die Shopping-Beute - wer von "Graben" spricht, meint sicher keine Durchfahrt im Gelände, sondern die teure Wiener Einkaufsmeile. Erst wenn 450 Liter hinter der optional per Fußkick zu öffnenden Heckklappe gefüllt sind, muss man die Lehnen der verschiebbaren Rückbank umlegen und auf 1390 Liter erweitern.

Natürlich kommt man weiter wo andere stecken bleiben. Aber mit 16,5 Zentimeter Bodenfreiheit hat der Mini Countryman eine bessere Einkaufswagen- als Offroader-Qualifikation. Die gute Übersicht dank der hohen Sitzposition kann man überall brauchen.

Der Vorteil an der Größe: Wer auf das typische Mini-Design steht, muss keine beengten Verhältnisse in Kauf nehmen. Der Suppenschüsseltacho ist zwar rausgeflogen, aber das Zentraldisplay ist ihm zumindest nach empfunden. Der Tacho besteht jetzt inklusive Drehzahlmessern aus anderthalb Becherchen hinterm Lenkrad, dessen Bedienelemente deutlich an Qualität gewonnen haben. Kippschalter in der Mitte gibt es weiterhin, die Fensterheber waren schon vor dem Modellwechsel an die Türen gewandert.

Gokart-Feeling?
Das sprichwörtliche Gokart-Feeling ist nur noch zu erahnen. So unverwechselbar das Design des bayerischen Briten (der in den Niederlanden gebaut wird) ist, so nahe ist sein Fahrverhalten inzwischen am Mainstream. Das mag autoaffine Gasgeber verschrecken, wird aber die Verkaufszahlen des Countryman sicher weniger einschränken, als es Neukunden und Neukundinnen gewinnt, denen eine direktere Lenkung zu anstrengend wäre.

Vier Motoren - die Highlights kommen noch
Zur Markteinführung am 11. Februar hat man die Wahl zwischen vier Motorisierungen, alle bereits aus anderen Mini-Varianten bekannt: zwei Zweiliter-Vierzylinder-Diesel mit 150 und 190 PS, sowie ein 136-PS-Dreizylinder-Benziner und der Cooper S, der 192 PS aus seinem Zweiliter-Vierzylinder-Benzinmotor holt. Allradantrieb gibt es optional für alle (rund 3000 Euro extra), Sechs- oder Achtgang-Automatik je nach Motorisierung. Was noch kommt sind eine John-Cooper-Works-Sportversion (231 PS) sowie ein Plug-in Hybrid (136-PS-Dreizylinder plus 88-PS-Elektromotor, Systemleistung 224 PS).

Für erste Probefahrten stand der Cooper S mit Achtgangautomatik und Allradantrieb bereit, ein munteres Kerlchen, das mit 280 Nm ab 1350/min. kräftig antritt, aber gut 1,5 Tonnen Eigengewicht nicht leugnen kann (0-100=7,2, Vmax 222 km/h). Sein Klang ist gemäßigt sportlich, im Sportmodus durften sich die Sounddesigner ein wenig mehr austoben. Kein Wunder, dass vier Lautsprecher plus den beiden Bassboxen unter den Vordersitzen serienmäßig an Bord sind.

Der Einstiegspreis beträgt 28.300 Euro für den frontgetriebenen Dreizylinder, beim allradgetriebenen Top-Diesel beginnt der Gang in die Aufpreisliste bei 39.100 Euro. Billig war es noch nie, einen Neuzeit-Mini zu fahren.

Unterm Strich
Wer den Style der Minis mag, wird sich auch im neuen Countryman wohlfühlen. Wohin die Richtung der Marke geht, erkennt man daran, dass Coupé und Roadster ebenso eingestellt wurden wie der Paceman (es wird also kein neues Zweitürer-SUV geben), auch der Superleggera, das Cabrio-Concept, das uns auf Messen so fasziniert hat, bleibt Wunschtraum. Die Entwicklung ist also hin zu Größerem, Massentauglicherem im Mini-Stil.

Inzwischen geht sich also auch ein Familienausflug aus, hinten sind auch groß gewachsene Mitreisende nicht akut platzangstgefährdet. Wenn der Filius nicht mehr ans Steuer darf, zieht dieses Mini-Standard-Argument also nicht mehr.

Warum?

  • Gerüstet für alle Lebenslagen
  • Hebt sich ab von der Masse der Kompakt-SUVs

Warum nicht?

  • Das Mini-Feeling ist ordentlich verwässert.

Oder vielleicht …

… Mini Clubman, denn andere Kompakt-SUVs gehen kaum als Konkurrenz durch. Oder eben alle.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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