Mo, 18. März 2019
08.09.2016 21:11

Weltpremiere

Neuer VW Crafter: Ohne Daimler ein Tausendsassa?

Einmal ganz von vorn anfangen, die Erfahrungen mitnehmen und diesmal alles richtig machen - ein Traum für viele. VW hat sich das mit dem neuen Crafter gegönnt. Schluss mit der Teilzeit-Ehe mit Mercedes und alle Systeme auf Anfang - am Donnerstagmittag fand in Frankfurt mit viel Getöse die statische Weltpremiere des 3,5- bis 5,5-Tonners statt - der in mancher Hinsicht ein neues Kapitel in Sachen Transporter aufschlägt.

Allradantrieb optional ab Werk, mit Frontantrieb eine extrem niedrige Ladefläche, auf Wunsch Achtgangautomatik, ein Fahrerplatz, wie man ihn sich nur wünschen kann, jede Menge Assistenzsysteme und ein Design wie aus einem Guss - der neue VW Crafter ist so etwas wie eine Wundertüte. Alles, was man will oder braucht, gibt es oder ist leicht zu bekommen.

Aber von vorne
Zunächst hat man mal auf einer "Grünen Wiese" in Wrzesnia im Westen Polens (in der Nähe wird bereits der VW Caddy gebaut) ein riesiges Werk aus dem Boden gestampft, inklusive der größten Lackiererei Europas, dann Kunden, Aufbauhersteller und andere, die tagtäglich mit einem oder mehreren Lieferwagen umgehen befragt, was an so einem Arbeitsgerät wichtig ist. Und dann ging es mit aufgekrempelten Ärmeln los, bis vor wenigen Tagen der erste neue Crafter vom Band lief. Der Chef der polnischen Dependance Jens Ocksen war den Tränen der Rührung nahe, als er den Moment beschrieb. Dort sollen 3000 Beschäftigte 100.000 Crafter pro Jahr fertigen, doppelt so viele wie bisher.

Es kann doch nicht so schwer sein, einen Transporter zu bauen?
Ja, möchte man meinen. Und dann sitze ich kürzlich in einem der Bestseller und finde nicht einmal einen Platz, um mein Handy abzulegen. Etwas in der Art wird im neuen Crafter aller Voraussicht nach nicht passieren, hier hat man, so hat es den Anschein, an alles gedacht. Da kenne ich mich sofort aus und habe alles griffbereit, was ich brauche.

Das Innenraumdesign ist klar, logisch und übersichtlich, oben auf der Konsole befinden sich Ablagefächer, in dem direkt vor dem Fahrer sind USB- und Audio-Anschluss untergebracht.

Über dem riesigen Handschuhfach (groß genug für Leitz-Ordner) verläuft ein längliches Ablagefach (von den Entwicklern Zollstockfach genannt), das leicht von rechts außen erreichbar ist, ohne einzusteigen und vieles mehr.

Die durchdachte Gestaltung reicht bis in die Türverkleidung.

Es gibt übrigens sieben Fahrersitzvarianten, eine davon (der ergonomische Schwingsitz mit einstellbarer Lordosenstütze und Massagefunktion) trägt sogar das Siegel der Aktion gesunder Rücken.

Transporter schauen doch alle gleich aus…
Irgendwie ja, aber der Crafter hebt sich aus dem Stand weg vom Rest ab, findet Designchef Albert Kirzinger: "Man muss nur schauen, wie bei einem vorbeifahrenden Fahrzeug die Lichtspiegelung verläuft, das ist beim Crafter eine Linie, bei allen Größen und Längen. Bei anderen ist das Stückwerk." Er bezeichnet die Flanken anderer Transporter gerne als Rollbraten-artig. Mal ganz abgesehen von den optionalen LED-Scheinwerfern oder dem mit 0,33 klassenbesten cW-Wert. Eines ist sicher: Der Crafter ist sofort als großer Bruder des VW T6, vulgo Bulli, zu erkennen.

Das fühlt sich richtig hochwertig an
Klar, da ist kein Alcantara oder Leder im Innenraum, die Materialien sind robust und nutzfahrzeugorientiert. Die Haptik ist dennoch bestechend. Und im Detail soll die hochwertige Verarbeitung tatsächlich sogar Geld sparen, wie VW-Nutzfahrzeuge-Chef Eckhard Scholz vorrechnet: "Ein Lieferant betätigt die Schiebetür, sagen wir, 200 mal pro Tag. Wenn wir bei diesem Vorgang drei Sekunden einsparen, sind das pro Tag zehn Minuten Zeitvorteil, also 36 Stunden im Jahr." Tatsächlich gleitet die Tür sehr smooth ins Schloss.

Assistentenfeuerwerk wie bei keinem anderen
Transporter sind meist ziemlich spartanisch ausgestattet. Der neue Crafter zieht andere Saiten auf. Er ist der erste Transporter mit elektromechanischer Servolenkung - Voraussetzung für eine Reihe Assistenzsysteme aus dem VW-Regal wie Spurhalteassistent, Trailer Assist oder Park Assist, der den Wagen selbsttätig längs oder quer einparken kann und auch vor Fließverkehr warnt. Erhältlich sind außerdem (großteils gegen Aufpreis) City Notbremsassistent, Adaptivtempomat, Rückfahrkamera oder Seitenwindassistent. Ein Segen "gerade für unerfahrene Lenker, die ja oft eingestellt werden", bemerkt Entwicklungsvorstand Harald Ludanek.

Gängige Telematiksysteme lassen sich durch eine universelle Schnittstelle integrieren - und dadurch der Crafter in bestehende Flotten.

69 Varianten plus viele Antriebsmöglichkeiten
Es gibt vier Grundmodelle, drei Längen und drei Höhen, macht 69 Möglichkeiten. Das maximale Ladevolumen beträgt 18,4 m³, die maximale Laderaumhöhe 2,20 Meter, die maximale Laderaumlänge 4,85 Meter und die Durchladebreite zwischen den Radkästen 1,38 Meter. So viel wie in den Crafter passt sonst nirgendwo hinein, sagt VW, z.B. in die mittlere Variante vier Europaletten oder sechs Standard-Rollcontainer. Die Hecktüren können optional 270 Grad geöffnet werden und werden geöffnet per Magnet gehalten.

Der Laderaum selbst bietet verborgene Qualitäten: An definierten Stellen sind überall in den Wänden serienmäßig Gewinde eingelassen, sodass man den Crafter je nach Bedürfnissen problemlos ausbauen kann, ohne etwas anbohren zu müssen.

70 Prozent aller Fahrzeuge werden von Ausbauern individualisiert. Als praktische Lösung offeriert VW nun einen universellen Ladeboden. Dieser gibt durch die werksseitige Berücksichtigung vieler Fixierpunkte den Kunden die Möglichkeit, ihre bereits vorhandenen Schranksysteme einfach einzubauen oder diese beim Verkauf des Fahrzeugs mitzunehmen.

Zum Marktstart im Februar (bzw. Bestellstart Mitte November) ist der für den Nutzfahrzeugbetrieb umgerüstete Zweiliter-Motor mit der Bezeichnung "EA 288 Nutz" quer eingebaut mit Frontantrieb verfügbar. Mitte 2017 kommt die Haldex-Allradversion dazu. Außerdem kann man den Motor dann längs eingebaut mit Heckantrieb ordern. Die vier Leistungsstufen: 102, 122, 140 und 177 PS. Nebenbei bemerkt sollen die Triebwerke 15 Prozent sparsamer sein als die Konkurrenz und 25 Prozent sparsamer als bisher.

Preise für Österreich stehen noch nicht fest. In Deutschland startet der VW Crafter trotz besserer Ausstattung 1500 Euro netto unterhalb des Vorgängerpreises, also bei 28.300 Euro.

Der VW Crafter wird baugleich auch als MAN TGE angeboten. Und Wohnmobilpläne sollen auch existieren.

Unterm Strich
Transporter dieser Art werden immer mehr gebraucht, schon weil immer mehr bei Online-Versandhändlern eingekauft wird. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn im Lauf eines Tages drei verschiedene Paketzusteller anläuten. Die Fahrer werden sich voraussichtlich nicht so freuen wie die Kundin aus der Zalando-Werbung - aber der Crafter macht ihm zumindest das Leben ein ganzes Stück leichter.

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