R1-zigartig

Yamaha R1: Die große Herbrennerei

Motor
14.01.2009 14:03
Es ist eine einzige Herbrennerei, was passiert, wenn man sich die R1 einmal zwischen die Beine geklemmt hat und ein bisschen am Gasgriff schraubt. Du tauchst ein in eine eigene Welt, in der alles, was auf der Straße um dich herum fleucht, Statistenstatus erhält. Man muss sehr stark sein, um nicht abzuheben.

Wer nach dem Anfahren das Raufschalten vergisst, ist in Nullkommanix am Begrenzer; der Tacho zeigt zu diesem Zeitpunkt über 170 km/h an. Wozu die R1 noch fünf weitere Fahrstufen hat, wenn man doch sowieso nur 130 fahren darf (außer man wohnt in Kärnten oder Deutschland oder hat einen großen Garten)? Na ja, zum Spielen und damit man sich durch die unterschiedlichen Klänge des Orchesters durchhören kann zum Beispiel. Außerdem will man ja die Möglichkeit haben, die Höchstgeschwindigkeit von knapp 300 km/h auszureizen. Zumindest theoretisch. 

R1 mit extra Öhlins-Feuer
Mehr PS als Kilogramm auf einem Wahnsinnsfahrwerk, das ist es, was die Yamaha YZF R1 auszeichnet. Für die Testmaschine gilt das ganz besonders, die ist nämlich auch noch mit edlen Öhlins-Komponenten verfeinert: Gabel FG43, Federbein und Lenkungsdämpfer, dazu noch, weil’s so schön ist, die STM Anti Hopping Kupplung. Damit kommt das gute Stück dann – nebenbei bemerkt auf knapp 23.000 Euro, die Originalteile, die an der knapp 16.000 Euro günstigen Normalversion verbaut sind, gibt’s dazu. 173 Kilo trocken, 175 PS bei 12.500 U/min. unterm Hintern, und da ist noch nicht einmal die Ram-Air-Leistungsspritze (Staudrucksystem) berücksichtigt. 

Beim Testen hatte ich leider ein bisserl Wetterpech, und mit neuem Hinterreifen bei strömendem Regen in der kalten Kuchl hält sich der Spaß natürlich in Grenzen. Aber gerade hier zeigt sich: Die R1 ist bestens zu beherrschen, zartfühlend zu fahren und serviert keinerlei böse Überraschungen. Auch im Trockenen, denn dass sie pickt wie Pattex und bremst wie ein Passagierschiff-Anker, brauchen wir nicht als Überraschung zu werten. Für das Durchwuseln im Stau ist sie aber ein bisserl zu unhandlich. 

Fazit:
Die YZF R1 ist der perfekte Freizeitrenner für Charakterstarke. Und kostet nur einen Bruchteil eines Ferrari, den man praktisch mit Standgas stehen lässt.

Stephan Schätzl

Noch ein bisserl Technik:
Flüssigkeitsgekühlter Reihenvierzylinder mit 998 ccm³, zwei oben liegenden Nockenwellen und je fünf Ventilen pro Zylinder. 128 kW (175 PS) bei 12.500/min, 2,2 kW (3 PS) mehr als bisher (bei Messung ohne Staudruck); Zylinder um 40 Grad nach vorn geneigt; elektronisch gesteuerte Saugrohreinspritzung;  sehr kompaktes, dreiachsiges Getriebe; Bohrung x Hub: 77,0 x 53,6 mm; Verdichtungsverhältnis 12,4:1; strömungsgünstigere Einlasskanäle; neue, kürzere Einlassventilführungen;  effizientere Einlass- und Abgasführung; modifizierter Steuerkettenspanner.

 

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