So, 18. November 2018

Liebe zum V8-Cabrio

15.07.2016 18:50

Ford Mustang: Wo der hinhaut, wächst nichts mehr

"Der Mustang passt zu dir", sagt ein Kollege zu mir - und ich bin mir nicht sicher, ob mir das gefällt. Zum Glück weiß ich aber auch nicht, ob er das ernst meint. Und doch fühle ich mich mit diesem Cabrio unfassbar wohl, obwohl es mir fast ein bissl peinlich ist. In diesem Spannungsfeld genieße ich jede Minute V8-Sound, Fahrtwind und aus der Tiefe grummelnde Kraft.

Grundsätzlich sind 422 PS meist in Sportwagen zu finden, in drahtigen, schnellen, wendigen Geschossen. Mein Mustang-Cabrio hat 422 PS, aber als Geschoss würde ich ihn nicht bezeichnen. Genau genommen vielleicht nicht einmal als Sportwagen im engeren Sinn, trotz seines Antritts von unter fünf Sekunden von null auf hundert.

Es ist mehr so ein "ich könnte, wenn ich wollte, dann aber richtig mit Gewalt". Der Mustang ist eine Faust, die nichts mehr wachsen lässt, wo sie mal niedergefahren ist. Da wird cruisen zur Leidenschaft. Ich fühle mich wie ein geläuterter Ex-Nachtklubbesitzer, der gelernt hat, dass in der Ruhe die Kraft liegt, und der so ehrlich ist wie sein Auto. In Zeiten der Phantasie-Normverbräuche ist es ein Labsal fürs Gemüt, dass Ford 13,5 l/100 km im Schnitt angibt, in der Stadt sogar über 20 Liter. Ja, das ist viel, aber das brauchen andere auch, die deutlich weniger im Prospekt stehen haben. Und wissen Sie was? Mein Durchschnittstestverbrauch liegt bei 12,0 l/100 km. Es ist mir noch nie passiert, dass ich weniger als den Normschnitt verbraucht habe. Bei 61 Liter Tankvolumen fährt ehrlich zwar nicht am längsten, aber ich fühle mich zumindest nicht verar***t.

Teil meines Verbrauchserfolges ist der sechste Gang, der als extremer Overdrive ausgelegt ist. Es handelt sich praktisch um ein Siebengang-Getriebe ohne sechsten Gang. Vom 5. auf den 6. fällt die Drehzahl um 1000/min. Der Fünfte hingegen ersetzt quasi die Automatik, er funktioniert bestens schon ab 20 km/h.

Mustang? Cabrio!
Natürlich braucht es Sonne. Und natürlich muss das Dach offen sein. Rund sieben Sekunden dauert die Öffnung, nachdem man das Verdeck per Hand entriegelt hat. Ford sagt, das geht auch während der Fahrt, tatsächlich ist Schritttempo schon zu schnell. Gut ist, dass nicht automatisch die Fenster hochfahren, wenn sich das Dach hinter die Rücksitze gefaltet hat, weniger gut hingegen, dass kein Ton oder Lämpchen das Ende des Verdecktanzes vermeldet. Das Feeling ist echt Cabrio, also mit Wind im Auto und so. Mit raufgefahrenen Seitenscheiben lassen sich aber sogar längere Autobahnetappen stressfrei absolvieren. Die hervorragende Soundanlage (Teil des Premiumpaketes) kommt locker gegen den dabei entstehenden Lärm an.

Der Mustang kann auch galoppieren
Klingt bisher wie ein Bodybuilder, der vor lauter Muskeln kaum laufen kann? Weit gefehlt. Ich habe den dicken Boliden unter anderem den Nassfeldpass rauf und runter geprügelt. Gerade, dass er nicht vor Lust geschnaubt hat, der wilde Hengst. Da war er voll in seinem Element. 524 Nm fallen über die Hinterhufe her und katapultieren uns bergauf aus den Kurven, dass es mir die Mundwinkel in die Höhe reißt. Noch ein bissl mehr Gas und ich komme quer aus dem Eck, bis mich das DSC irgendwann einfängt, wenn ich es nicht gerade ganz abgeschaltet habe. Ja, auch das gehört zu einem ehrlichen Auto. Bergab überraschen mich die Bremsen. Ich hätte erwartet, dass sie irgendwann zu faden beginnen. Nichts dergleichen. Sie bremsen die 1711 kg plus Fahrer plus Gepäck derart souverän zusammen, dass kein Zweifel an ihrer Standfestigkeit aufkommt. Eigentlich kein Wunder mit Sechskolben-Brembos.

Klar, es ist nicht die feine Klinge, die da durch den Berg schneidet, eher ein mächtige Schwert, das aufmerksam und effektiv geführt werden will. Nachdruck braucht es für das kurzwegige Schaltgetriebe, Präzision für das Kupplungspedal. Das Fahrwerk komfortabel, die Lenkung leichtgängig, auch wenn ich sie per Kipphebel am Armaturenbrett schärfer stelle. Auch Fahrmodi sind abrufbar. "Gelände" meint eigentlich Rennstrecke, aber sprachliche Probleme können uns echt egal sein.

Cooler Innenraum - auf den ersten Blick
Gebürstetes Aluminium, glänzendes Metall, metallene Kippschalter - was für ein Innenraum! Wenn man nicht so genau hinschaut, denn es ist alles Plastik, da ist nichts aus Metall. Hier endet also die Ehrlichkeit. Trotzdem schaut es gut aus und das Oberflächliche passt durchaus zum Charakter des Mustang. Ich kann ihm nicht einmal wegen der hie und da nicht hundertprozentigen Verarbeitung böse sein. Hier fällt eine Abdeckung ab, da ist das Sitzleder nach 10.000 Kilometern durchgescheuert. Meine Güte, wenn es ein Mercedes wäre, würde er doppelt so viel kosten. Wir liegen hier beim Testwagen bei einem Basispreis von 61.600 Euro, mit Premiumpaket bei 65.000 Euro. Inklusive 32% NoVA (das sind allein schon fast 16.000 Euro). Wo bekommt man dafür schon einen mächtigen V8 und ein bildschönes Cabrio?

Unterm Strich
Der Ford Mustang ist schon ein sehr spezielles Stück Auto. Erstmals in seiner langen Geschichte wird er offiziell in Europa angeboten, entsprechend selten sieht man bisher ein Exemplar mit dem Namen auf unseren Straßen. Man kann ihn aber auch als ganz normalen Erstwagen nutzen, 332 Liter Kofferraum ist immerhin Kompaktklasseformat und die Rückbank bietet mehr Platz als in einem Porsche 911 (okay, das ist nicht wirklich ein Maßstab). Na ja, dann ist da noch die Sache mit dem Verbrauch. Aber vielleicht findet sich ja ein neuer, gut beleumundeter Job, der die Tankrechnungen finanziert. Es ist den Spaß wert.

Warum?

  • Weil er trotz NoVA viel Spaß für relativ wenig Geld bringt

Warum nicht?

  • Weil mit jedem Kilometer Stadtverkehr ein Eisberg schmilzt

Oder vielleicht …

… die Vierzylinderversion - mit 317 PS und gut dem halben Wert im Stadtverbrauch (10,4 l/100 km)

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