„Schock-Schreiben“ an das Land Niederösterreich: Ob drohendem Personalmangel an Anästhesisten beziehungsweise Notärzten ist die Versorgung im Ernstfall in gravierender Gefahr. Das hat durchaus systemische Ursachen, weil man einfach seit der Ausbildungsreform viel zu wenige fertige Notärzte hervorbringt.
Landauf, landab wird ja bekanntlich über die Gesundheitsversorgung gestritten und gerungen. In Amstetten spitzt sich die Lage jetzt aber zu: Ein bislang geheimes Schreiben an das Land Niederösterreich, das der „Krone“ vorliegt, zeigt die sich abzeichnenden Engpässe und birgt Brisanz (siehe folgendes Schreiben).
9810 Stunden von Notärzten fehlen
In dem „Schock-Schreiben“ wird dokumentiert, dass man die Notarztversorgung im Raum Amstetten aufgrund eines bevorstehenden Personalmangels durch Pensionierungen in absehbarer Zeit nicht mehr aufrecht erhalten könne. Bis zum Jahr 2030 könnte man schier unglaubliche 9810 Stunden der notärztlichen Versorgungsbereitschaft nicht abdecken – weshalb mit dem Schreiben gleichsam auch der Wunsch nach der Schaffung eines Hybrid-Standortes einhergeht.
Was kompliziert klingt, ist als einfacher Hilferuf an das Rote Kreuz zu verstehen. Durch eine Kooperation mit der Organisation könnte die Differenz an Summen vermindert – und mehr Menschen in Nöten geholfen werden.
„Notruf“ echt, Problem ist systemisch
„Wir sind hier bereits in guten Gesprächen und um eine rasche Lösung bemüht“, heißt es dazu offiziell aus dem Büro der SPÖ-Gesundheitslandesrätin Eva Prischl, wo man darüber hinaus die Echtheit des Schreibens bestätigt.
Bemühen wird sich die Politik hier jedenfalls auch in Zukunft noch müssen. Wie die „Krone“ von Insidern erfuhr, droht ein ähnlicher Engpass bereits in „mindestens einem“ weiteren Klinikum. Amstetten ist dazu auch nicht mehr das erste Krankenhaus in Niederösterreich, das diesen Engpass hat: Auch in Waidhofen an der Ybbs gab es bereits noch im Vorjahr einen internen Aufschrei, weil bereits Anästhesisten fehlten.
Durch die Notarztausbildungsreform werden jedoch fast nur mehr Anästhesisten zu Notärzten werden, weil man in anderen Fachrichtungen mehrere Jahre benötigen würde, um überhaupt als Notarzt zu gelten. Außerdem gilt die Fachrichtung Anästhesie unter Medizinern aus mehreren Gründen als nicht als besonders beliebt weshalb nur wenige diesen Zweig einschlagen.
Reform bringt keinen Nachwuchs
Und zu guter Letzt wurde in Niederösterreich in den letzten Monaten schon scharfe Kritik laut, dass es die Landesgesundheitsagentur nicht schafft, notwendige Strukturen für eine flächige Notarztausbildung auszubauen. So wurden 2024 im ganzen Land etwa nur neun Notärzte ausgebildet. Kritik dazu gab es da auch vom zuständigen Notfallreferenten der Ärztekammer NÖ, Dr. Florian Hoffer, der sich für eine mehrstufige Notarztausbildung aussprach, weil „nur Top-Notärzte für die Versorgung viel zu wenig“ seien.
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