Sa, 23. Juni 2018

Gemeine Liebes-Finte

01.12.2015 10:00

Verliebte überwies Millionen an Online-Betrüger

In Großbritannien hat eine betuchte Geschäftsfrau sage und schreibe 2,27 Millionen Euro an Betrüger überwiesen, die über eine Online-Singlebörse den Kontakt zu ihrem Opfer suchten. Die zwei Männer überhäuften das Opfer mit Komplimenten und Liebesbekundungen, um sein Vertrauen zu gewinnen und baten immer wieder um Geld.

Die Betrüger wurden einem Bericht des britischen IT-Portals "The Register" zufolge bereits identifiziert. Es handelte sich um zwei 31 und 43 Jahre alte Männer aus Nigeria und Großbritannien, die sich ihrem Opfer gegenüber als Wirtschaftsstudent und als Beamter ausgegeben hatten. Sie manipulierten die einsame Geschäftsfrau so lang, bis diese ihnen immer größere Summen überwies.

2,2 Millionen Euro überwiesen
Erst, als umgerechnet mehr als 2,2 Millionen Euro weg waren, erkannte die Frau den Betrug und ging zur Polizei. Dort ist die Masche bestens bekannt. "Die Verdächtigen überhäufen sie mit Komplimenten und offenbaren in vielen Fällen scheinbar ihre innersten Geheimnisse, sie sprachen täglich stundenlang online oder über das Telefon mit ihren Opfern", sagt Ermittler Gary Miles.

Pikantes Detail: Wie die britische Zeitung "Telegraph" berichtet, sollen die Betrüger sich sogar mit einem beliebten Flirt-Ratgeber namens "The Game" auf ihre Aktionen vorbereitet und aus Büchern mit romantischen Botschaften abgeschrieben haben.

Dunkelziffer bei Liebesbetrug hoch
Bei dem Fall handelt es sich wegen der großen Schadenssumme um einen besonders spektakulären Betrug, generell sind Betrügereien unter dem Deckmantel der Liebe aber nichts besonders. In Großbritannien wurden heuer bereits hundert Fälle mit einer Schadenssumme von 5,7 Millionen Euro bekannt, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

"Die Opfer schämen sich"
"Die Opfer fühlen sich gedemütigt und schämen sich, wenn sie realisieren, dass sie übertölpelt wurden. Deshalb melden sie oft nicht, was ihnen passiert ist", sagt Miles. Oftmals sei die Scham so groß, dass sich die Opfer nicht einmal ihren engsten Freunden anvertrauen.

Dabei seien die Opfer keineswegs dumm. "Die Realität ist, dass Betrüger extrem manipulativ sind und viel Ausdauer haben, wenn es darum geht, ihr Opfer davon zu überzeugen, dass sie verliebt ineinander sind und Geld brauchen", warnt der Ermittler.

Online-Liebesbetrug gibt’s auch in Österreich
Fälle wie jener aus England kommen auch hierzulande immer wieder vor - beispielsweise erst vor einigen Wochen im Burgenland. Dort hatte eine 71-jährige Frau einem Mann, der sich online als US-Soldat ausgab und ihr schöne Augen machte, im Verlauf des Sommers mehr als 140.000 Euro überwiesen.

Konsequenzen haben die Betrügereien selten. Meist sind die Täter Teil organisierter Banden, die sich im großen Stil an ihren Opfern bereichern. Hin und wieder werden zwar einzelne Täter erwischt. Weil die Hintermänner oftmals in Ländern wie Nigeria angesiedelt sind, wo die Polizei hoffnungslos mit deren Verfolgung überfordert ist, kommen die meisten aber ungeschoren davon.

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