Mustang-Jäger

Chevrolet Camaro: So fährt sich das US-Kraftpaket

Motor
20.10.2015 11:57
Mit einem von Grund auf neuentwickelten Modell läutet Chevrolet die nächste Runde im Dauerkampf zwischen seinem Camaro und dem Ford Mustang ein. Er ist kompakter und leichter geworden – und deutlich moderner.

Zwar ist der Camaro noch immer ein relativ großes Auto: Mit 4,78 m Länge, 1,90 m Breite und 1,35 m Höhe nimmt er die Verkehrsfläche einer ausgewachsenen Limousine ein. Aber die Distanz zum Vorgänger macht sich trotzdem deutlich bemerkbar. Der Camaro ist zwar noch immer kein Wunder an Übersichtlichkeit, aber er lässt sich in der Stadt besser dirigieren, vor allem jedoch auf engen Landstraßen sehr viel präziser positionieren. Und mit dem V6-Motor ist der Camaro um stolze 133 Kilogramm leichter geworden.

Die Fahrzeugarchitektur des Camaro ist eng mit dem Cadillac ATS verwandt, der in den USA in Sachen Fahrverhalten geradezu als Messlatte im Segment gilt. Karosserie und Fahrwerk des neuen Modells wirken steif, und der Wagen ist viel agiler als der etwas schwerfällig wirkende Vorgänger - insbesondere dann, wenn der leichte Sechszylinder-Motor verbaut ist. Die Lenkung könnte etwas mehr Servo-Unterstützung vertragen, punktet jedoch mit präzisem Einlenken.

Der Camaro kommt in den USA zunächst in drei Motorisierungen auf den Markt. Gefahren sind wir den 3,6-Liter-V6 mit 340 PS und den 6,2-Liter-V8 mit 461 PS, der das SS genannte Modell (Supersport) antreibt. Im Angebot ist zudem ein 2,0-Liter-Vier-Zylinder-Turbo mit 279 PS, später werden nochmals stärkere V8-Varianten mit nachgereicht.

Auf der Piste schlägt sich der Sechszylinder hervorragend. Der Motor dreht aus dem Keller bis 7000 Umdrehungen in der Minute sauber hoch, wobei sich der kehlige Sound des Vierventilers ab 5000/min in ein aggressives Schmettern verwandelt. Das maximale Drehoment liegt bei 385 Nm, die bei 5300/min erreicht werden. Ergebnis: Der Spurt auf 100 km/h dauert rund fünfeinhalb Sekunden, die Spitze dürfte bei 250 km/h liegen. Die Schaltung ist leichtgängig und präzise geführt; der sechste Gang ist als Schongang ausgelegt und empfiehlt sich vor allem für lange Autobahnetappen mit aktiviertem Tempomat, wo er Geräuschpegel und Verbrauch deutlich absenken kann.

Kann es der V8-Motor noch besser? Im Camaro SS wird die gleiche Maschine eingebaut, die unter der Motorhaube der Corvette steckt; der 6,2 Liter große Zweiventiler leistet 461 PS und stemmt wuchtige 617 Nm auf die Kurbelwelle. Doch trotz seiner Mehrleistung - die 100 km/h werden in knapp über vier Sekunden erreicht - bringt der V8 kein entscheidendes Plus an Fahrspaß mehr, was auch an der etwas träge agierenden Acht-Gang-Wandlerautomatik liegt. Das Hochschalten unter Volllast, kurz vor dem Drehzahlbegrenzer, beherrscht der Antrieb zwar perfekt, das Einlegen der nächsten Fahrstufe vollzieht sich dann wie ein Peitschenschlag. Manuelle Eingriffe sieht das Getriebe offenbar weniger gerne, entsprechend phlegmatisch werden die Sonderwünsche umgesetzt.

Die Kommandozentrale, aus der die entsprechenden Befehle erteilt werden, ist im Vergleich zum Vorgänger sportlicher und eleganter ausgefallen. Die schlanke, horizontal geprägte Instrumententafel sitzt oberhalb einer flachen Mittelkonsole, die zwei tief angeordnete Luftausströmer beherbergt. Die schlanke Tastenreihe für Heizung und Klimatisierung wirkt besonders futuristisch; das gleiche gilt für den praktisch rahmenlosen Innenspiegel. Das gesamte Ensemble ist aufgeräumt und übersichtlich, zudem hat die Materialqualität, die bisher eher auf Fisher-Price-Niveau lag, um mehrere Klassen zugelegt. Die Sitze sind für ein US-Auto ungewöhnlich sportlich und eng konturiert - eine Wohltat auf kurvigen Landstraßen.

Ohne an Faszination und Charakter zu verlieren, ist der Camaro in seiner neuen Modellgeneration von der US-Ikone zu einem Sportcoupé mutiert, das - und zwar erstmals - auf internationalem Parkett bestehen kann. Dabei strahlt das neue Modell nicht nur neben dem Vorgängermodell, sondern auch als Alternative zum Ford Mustang, dessen Glanz im direkten Vergleich deutlich verblasst. In der ersten Jahreshälfte 2016 kommt der Camaro auch nach Europa, die Preise stehen noch nicht fest. Und demnächst wird auch ein Cabriolet das Modellprogramm ergänzen.

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