Wer auf dem Mond unterwegs ist, wiegt aufgrund der geringen Schwerkraft nur einen Bruchteil seines Körpergewichts. Dieses Prinzip macht sich nun ein neues Trainingsgerät am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern zunutze: Ein Anti-Schwerkraft-Laufband soll Patienten die Rehabilitation erleichtern.
Training wie am Mond: Das Anti-Schwerkraft-Laufband eröffnet vor allem Menschen, die nach einer Operation oder aufgrund neurologischer Erkrankungen, etwa nach einem Schlaganfall, nicht das volle Körpergewicht tragen können, zusätzliche Therapiemöglichkeiten.
„Bisher standen für solche Patienten beispielsweise Unterwassertherapie oder Gurtsysteme zur Verfügung“, erklärt Prim. Dr. Daniela Gattringer, MSc, Leiterin der Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern (OÖ). „Beide Methoden haben jedoch Grenzen: Unterwassertraining lässt kaum eine fein dosierbare Gewichtsreduktion zu und Gurtsysteme können die Bewegungsfreiheit einschränken.“
Beim Anti-Schwerkraft-Laufband befinden sich die Patienten bis zur Hüfte in einer luftdichten Druckkammer, einer Art Zelt, das über dem Laufband angebracht ist. „Eine spezielle Neoprenhose sorgt dafür, dass keine Luft entweicht. Diese kann man auch bequem über der Sportkleidung tragen. Somit ist man in wenigen Minuten startklar“, berichtet Physiotherapeut Severin Hinterplattner, BSc. Danach wird die Druckkammer mit der Hose luftdicht verbunden und beginnt sich aufzublasen.
Gewicht um 80 Prozent reduzieren
„So können wir das Körpergewicht um bis zu 80 Prozent reduzieren. Ein Training also, das sich fast wie auf dem Mond anfühlt. Patienten sind entlastet, stabilisiert und schweben förmlich im Gerät“, so Severin Hinterplattner. Geschwindigkeit und Steigung lassen sich wie bei einem herkömmlichen Laufband individuell anpassen.
Durch die dosiert einstellbare Gewichtsentlastung kann schon mit einem physiologischen Gehtraining in der Teilbelastungsphase begonnen werden.

Prim. Dr. Daniela Gattringer, MSc, Leiterin der Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.
Bild: Werner Harrer
Besonders Menschen mit erhöhtem Sturzrisiko profitieren laut den Verantwortlichen von der Technologie. Durch die Druckkammer werden die Patienten nicht nur entlastet, sondern gleichzeitig stabilisiert.
„Wenn nach Operationen oder Verletzungen noch keine volle Belastung erlaubt ist, kann durch die dosiert einstellbare Gewichtsentlastung schon mit einem physiologischen Gehtraining in der Teilbelastungsphase begonnen werden. Über die einzelnen Trainingseinheiten wird es dann so weit gesteigert, bis man schließlich wieder eigenständig auf den Beinen steht. Damit ist eine beschleunigte Rehabilitation speziell nach Eingriffen an den Gelenken der Beine möglich“, führt Prim. Gattringer weiter aus.
Eine Behandlungsserie umfasst in der Regel sechs Einheiten zu je rund 20 Minuten. Das Training kann zudem mit Kraft-, Koordinations- oder Ausdauerübungen kombiniert werden.
Durch die Gangbildanalyse sehe ich sofort, was nicht optimal funktioniert und kann dadurch schnell das Training anpassen.

Physiotherapeut Severin Hinterplattner, BSc, Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.
Bild: Werner HARRER
Gangbild besser überprüfen
Neben der Gewichtsreduktion liefert das Laufband auch Daten zum Gangbild. Erfasst werden unter anderem Schrittlänge, Gewichtsbelastung und die Standzeit der einzelnen Beine. „Durch die Gangbildanalyse sehe ich sofort, was nicht optimal funktioniert und kann dadurch schnell das Training anpassen. Außerdem ist es für Patienten großartig, wenn sie sehen können, wie sie sich verbessert haben“, so der Physiotherapeut.
Die Einheiten finden ambulant statt und können verordnet werden, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen. Prim. Gattringer: „Es gibt Situationen, in denen wir von diesem Training abraten, etwa bei akuter Beinvenenthrombose oder akutem Bandscheibenvorfall. Während jeder Einheit ist eine Physiotherapeutin anwesend, um Sicherheit und optimalen Therapieerfolg zu gewährleisten.“
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