Defluencerin Dr. Imhof

„Von Social Media nicht wahnsinnig machen lassen“

Dr. Sophie Imhof ist Neurowissenschafterin und forscht an der Nervenkrankheit ALS. Bekannt wurde sie in den sozialen Medien, wo sie mit Schmäh selbst ernannte Gesundheits-Influencer fundiert „entzaubert“. Die „Krone“ traf die Niederösterreicherin zum Interview in New York (USA).

Ihre Vita ist beeindruckend: Mit gerade einmal 30 Jahren forscht Dr. Sophie Imhof erfolgreich als Postdoktorandin am Weill Cornell Medicine in New York (USA). Davor studierte und arbeitete sie – aus St. Pölten und Umgebung stammend – in Krems, Wien, etlichen europäischen Institutionen sowie an amerikanischen Elite-Universitäten wie Harvard oder Stanford.

Leidenschaft für die Neurowissenschaft
Beruf wie Berufung ist für sie die genaue Untersuchung von ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), eine schwere und unheilbare Erkrankung des Nervensystems. „Hier möchte ich noch lange forschen und wirklich einen Beitrag leisten“, betont die Neurobiologin. „Denn ich wusste schon mit 16, 17 Jahren, dass ich für Neurowissenschaften brenne.“

Mit einer ihrer anderen Leidenschaften (neben Sport wie dem Laufen von Ultramarathons) ist Dr. Imhof mittlerweile einem breiteren Publikum bekannt: Seit einigen Jahren erklärt sie ihren Social-Media-Followern die Wissenschaft und widerlegt Gesundheitsversprechen, die aus ihrer Sicht nicht medizinisch gedeckt sind. „Man nennt mich auch ,Defluencerin’, weil ich diverse Influencer mit ihren Heilmethoden und -versprechungen öffentlich kritisiere.“

Es gibt keine einfachen Lösungen
Denn obwohl Patienten im Internet geschützt werden sollten, wollen online einige nur schnelles Geld mit verzweifelten Menschen machen. „Ich erlebe in meiner Arbeit Schwerkranke, die sich an jeden Strohhalm klammern, damit es ihnen besser geht. Wenn dann auf Social Media Nahrungsergänzungsmittel, unseriöse Methoden oder vermeintlich einfache Lösungen verkauft werden, kann das schlimme Folgen haben. Nach gescheiterten Versuchen kommen viele schließlich noch hoffnungsloser zurück.“

Das Problem: Wir leben heutzutage in einer sogenannten „Infodemie“ (Kunstwort aus Information und Epidemie), ein Informationsschwall, der nicht mehr zu kontrollieren ist. Wahres, Halbwissen und Unsinniges stehen im Internet nebeneinander und sehen oft gleich glaubwürdig aus. „Natürlich ist nicht jeder Social-Media-Beitrag schlecht oder falsch, es fehlen jedoch vielfach die Nuancen und Details dazwischen. Eine Lösung passt nicht für alle, Gesundheit ist sehr individuell“, gibt die Expertin zu bedenken.

Wieder mehr auf den Körper hören!
Um sich im „Dschungel der Informationen“ zurechtzufinden, hat Dr. Imhof daher folgenden relativ simplen Rat parat: „Lassen Sie sich nicht von Social Media wahnsinnig machen, hören Sie wieder mehr auf den eigenen Körper und Ihren gesunden Menschenverstand. Entwickeln Sie ein Grundverständnis für Gesundheit, hinterfragen Sie vermeintliche Abkürzungen. Zentral im Leben ist tägliche Bewegung, ausgewogene Ernährung, die man auch im Alltag durchziehen kann, mentales Wohlbefinden und ausreichend Schlaf.“

Hinter dem ärgerlichen Optimierungswahn im Netz stecken allzu oft lediglich wirtschaftliche Interessen. Online werden wir mit Supplements, Pulvern, Drinks und vermeintlich einfachen Konzepten zu Gesundheit, Jugend und Schönheit geradezu bombardiert. „Dabei legen Studien nahe, dass Personen, die viel von solchen Beiträgen konsumieren ein eher schlechtes Körperbild von sich haben“, warnt die Wissenschafterin.

Um noch mehr Menschen „echte Informationen“ näherzubringen, gibt die engagierte Frau nicht nur ein Wissenschaftsmagazin heraus, sondern geht nächstes Jahr sogar mit dem unterhaltsamen und lehrreichen Live-Programm „Healthfluenza“ auf Österreich-Tour.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

krone.tv

Top 3
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung