Das „Superlatsuv“

Mercedes-AMG GT SUV: Elektro-Monster mit V8-Sound

Motor
17.10.2026 19:00

Kaum ist der neue elektrische AMG GT Viertürer da, wächst die Familie schon in die Höhe: Das AMG GT SUV ist sein hochbeiniger Bruder und basiert auf derselben AMG.EA-Plattform. Das Topmodell ist mit 1169 PS, 2000 Nm und 710 kW Ladeleistung ein echtes „Superlatsuv“.

Eigentlich war klar, dass AMG es nicht bei einem flachen Viertürer belassen würde. Wenn man schon eine neue Hochleistungsplattform entwickelt, darf daraus schließlich auch etwas entstehen, das sich in den derzeit besonders beliebten SUV-Teil der Preisliste einfügt. Und das tatsächlich praktischen Nutzwert mitbringt.

In Wahrheit handelt es sich schlicht um die hochbeinige Version des Viertürers, der die gesamte Technik spendet, bis hin zur direkt gekühlten Hochvoltbatterie. Nur die Verpackung ist eine andere.

Mehr Höhe, mehr Lackfläche
Gut 5,08 Meter lang und zwei Meter breit ist das Trumm, der Radstand beträgt 3,04 Meter. Mit 1,66 Meter Höhe fällt es für ein Full-Size-SUV allerdings vergleichsweise flach aus. Genau das soll ihm trotz des Formats möglichst viel GT-Charakter erhalten.

(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)

Die Front steht steil, das Dach läuft lang und relativ flach nach hinten, die Seitenscheiben sind rahmenlos. Dazu kommen breite Schultern, ausgestellte Kotflügel und ein aktiver Dachspoiler. Ab 150 km/h verändert dieser seine Stellung je nach Fahrsituation. Gleichzeitig öffnen Lamellen in der Front nur dann, wenn tatsächlich zusätzliche Kühlluft benötigt wird. Dass hier kein GLE mit AMG-Paket vorfährt, wird jedenfalls niemand übersehen.

Nicht gerade die Schokoladenseite ist – wie beim GT Viertürer – das Heck mit seinem riesigen Plastik-Panel, das die Stern-Heckleuchten enthält. Es soll mit seiner Form an den legendären Wankelsportler C111 erinnern, der statt Plastik allerdings ein Lüftungsgitter hatte und damit ein stimmiges Heck. Diese Plastikmanie zieht sich derzeit durch einige Mercedes-Modelle, angefangen bei der elektrischen C-Klasse und dem ebensolchen GLC. Vorteil beim GT SUV: Durch die höhere Bauform hat es mehr Lackfläche und dadurch trotz identischer Größe des Panels einen geringeren Plastikanteil.

Warum das Heck bei den neuen AMG-Fahrzeugen hauptsächlich aus Plastik bestehen muss, bleibt ein ...
Warum das Heck bei den neuen AMG-Fahrzeugen hauptsächlich aus Plastik bestehen muss, bleibt ein Rätsel.(Bild: Mercedes-Benz)

Die ultimative Fahrmaschine
Das Topmodell AMG GT 63 SUV ist die Variante der Superlative: Es bekommt drei Axialflussmaschinen, zwei an der Hinterachse und eine an der Vorderachse. Gemeinsam liefern sie maximal 860 kW/1169 PS und 2000 Nm. Damit schießt das nach DIN bis zu 2695 Kilogramm schwere SUV in 2,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Tempo 200 liegt nach 7,2 Sekunden an, mit Driver‘s Package sind 270 km/h möglich. 

Die Motoren sind an jeder Achse in eine High Performance Electric Drive Unit (HP.EDU) integriert. Die hintere HP.EDU vereint zwei Axial-Fluss-Motoren mit je einem kompakten Eingangs-Planetenradgetriebe in einem Gehäuse. Motoren und Getriebe sind ölgekühlt; die hierfür nötige Pump Control Unit ist platzsparend untergebracht. Zwei wassergekühlte Siliziumkarbid-Inverter sind für hohe Spannungen, hohe Stromstärken, hohe Temperaturen und hohe Wärmeleitfähigkeit konzipiert. 

Die vordere HP.EDU umfasst einen einzelnen Axial-Fluss-Motor, ein Stirnradgetriebe mit integrierter Parksperre sowie einen flüssigkeitsgekühlten SiC-Inverter. Der Vorderachsmotor dient als „Boostermotor“: Er wird ausschließlich dann zugeschaltet, wenn zusätzliche Leistung oder Traktion an der Vorderachse gefordert sind. Eine Disconnect Unit (DCU) entkoppelt ihn bei geringer Last blitzschnell, um Schleppverluste zu minimieren, und schließt beim Beschleunigen sowie bei der Rekuperation für optimale Performance wieder.

(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)

Der GT 55 ist kaum vernünftiger
Dass darunter noch ein AMG GT 55 SUV steht, klingt beinahe nach Vernunftmodell. Bis man ins Datenblatt schaut. Auch hier arbeiten drei Axialflussmotoren. Sie entwickeln maximal 600 kW/816 PS und 1860 Nm. Für Tempo 100 benötigt der GT 55 3,1 Sekunden, die Spitze liegt ebenfalls bei 270 km/h mit Driver‘s Package. 

GT 55 und GT 63 besitzen an der Hinterachse zwei Motoren samt Torque Vectoring. Die vordere Maschine fungiert als Booster und wird bei geringer Last vollständig entkoppelt, damit sie nicht unnötig Energie vernichtet. 

Einstieg mit 544 PS
Bleibt der AMG GT 53 SUV. Der verzichtet auf die kostspieligen Axialflussmaschinen und verwendet zwei konventionellere Synchronmotoren, jeweils einen pro Achse. Das Ergebnis sind immer noch 400 kW/544 PS und 800 Nm. Von null auf 100 km/h geht es in 4,2 Sekunden, maximal sind 250 km/h möglich. An der Hinterachse sitzt ein Zweiganggetriebe: Der kurze erste Gang hilft beim Beschleunigen, der zweite senkt bei höherem Tempo die Drehzahl. 

Batterie groß, stark und schnell
GT 55 und GT 63 sind mit 106 oder 128 kWh netto erhältlich. AMG verwendet schlanke Rundzellen, die unmittelbar von einer elektrisch nicht leitenden Flüssigkeit umströmt werden. Dadurch soll jede einzelne Zelle möglichst gleichmäßig temperiert werden – beim Beschleunigen genauso wie beim Schnellladen. 

Mit dem 106-kWh-Akku liegt die maximale Ladeleistung bei bereits enormen 600 kW. Die 128-kWh-Version legt noch einmal nach: 710 kW. Damit sollen in zehn Minuten bis zu 454 Kilometer WLTP-Reichweite nachgeladen werden können. Von zehn auf 80 Prozent nennt Mercedes zwölf Minuten. Der kleinere Akku soll sogar nach elf Minuten wieder bei 80 Prozent stehen. 

Das passende Ladegerät muss man allerdings erst einmal finden. Die 710 kW setzen eine entsprechende 800-Volt-Säule voraus. Auch mit 400-Volt-Ladern kommt das Auto zurecht; das System schaltet dafür automatisch um. 

Die große Batterie ermöglicht laut den noch vorläufigen Herstellerangaben bis zu 700 Kilometer WLTP-Reichweite. Mit 106 kWh sind bei GT 55 und GT 63 maximal 585 Kilometer angegeben. 

Interessanterweise ist der deutlich schwächere GT 53 mit seinem 106-kWh-Akku effizienter und soll bis zu 668 Kilometer schaffen. Sein Normverbrauch liegt bei 18,8 bis 21,1 kWh/100 km. 

Fahrwerk kämpft gegen die Masse
Bei aller Motorleistung muss ein Auto mit bis zu rund 2,7 Tonnen natürlich auch noch um die Kurve. Im GT 63 ist deshalb das neue AMG Active Ride Control+ serienmäßig. Klassische Querstabilisatoren gibt es nicht mehr; hydraulische Elemente kontrollieren stattdessen Wank- und Nickbewegungen.

(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)

Beim Bremsen soll sich die Karosserie weniger nach vorne neigen, beim Beschleunigen weniger aufrichten und in Kurven flacher bleiben. Dreifach schaltbare Luftfedern gehören ebenfalls zum System. Beim GT 55 gibt es das Fahrwerk gegen Aufpreis. 

Serienmäßig ist außerdem eine Hinterachslenkung. Bei niedrigem Tempo schlagen die Hinterräder bis zu sechs Grad entgegen den Vorderrädern ein, bei höherer Geschwindigkeit lenken sie gleichsinnig. Und der GT 63 bekommt gleich Carbon-Keramik-Bremsen serienmäßig.

Elektroauto mit eingebautem V8
Eine Besonderheit übernimmt der SUV ebenfalls aus der neuen elektrischen AMG-Welt: Im Fahrprogramm AMGFORCE Sport+ bekommt der Fahrer beim GT 55 und GT 63 echten aufgezeichneten AMG-V8-Sound serviert, beim GT 53 einen Sechszylinder. Dafür hat AMG mehr als 100 Messungen mit 16 Mikrofonen durchgeführt, unter anderem an einem AMG GT R. 

Und beim Ton bleibt es nicht. Das Auto simuliert Gangwechsel, auf Wunsch sogar manuell über die Lenkradpaddles. Sitz-Shaker machen die imaginären Schaltvorgänge auch körperlich spürbar. Das ist wirklich beeindruckend und ist so mitreißend wie in keinem anderen E-Auto, das so etwas Ähnliches anbietet, von Hyundai Ioniq5 bis Porsche Taycan. Der GT 63 liefert das typische AMG-Grollen.

(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)
(Bild: Mercedes-Benz)

Viel Platz in der Stelzenhütte
Bei all dem Theater ist der GT SUV tatsächlich ziemlich praktisch. Hinter die Rückbank passen 607 Liter, bei umgelegten Lehnen bis zu 1740 Liter. Vorne gibt es zusätzlich einen Frunk mit 78 Litern nach VDA-Messung. 

Innen sitzt der Fahrer bewusst tiefer als in klassischen SUVs. Vor ihm befindet sich ein 10,2-Zoll-Instrumentendisplay, daneben ein zum Fahrer geneigter 14-Zoll-Bildschirm. Auch der Beifahrer kann einen eigenen 14-Zöller bekommen. 

Hinten gibt es serienmäßig drei Plätze. Das Panorama-Glasdach lässt sich elektrisch zwischen transparent und blickdicht umschalten. 

Zuerst startet der AMG GT 53 SUV. Er soll ab 20. Oktober bestellbar sein und kostet in Deutschland mindestens 113.050 Euro. Preise für Österreich nennt Mercedes noch nicht. GT 55 und GT 63 folgen im Frühjahr 2027. Gebaut werden alle Varianten in Sindelfingen.

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