Bei Porsche entsteht eine neue Hackordnung. Der 911 bleibt das Herz der Marke, künftig bekommt er allerdings einen großen Bruder. Diesmal dauerhaft.
Mit dem Mission S gibt Porsche einen ersten Ausblick auf einen neuen Mittelmotor-Supersportwagen, der oberhalb des 911 angesiedelt wird. Und diesmal geht es um mehr als ein spektakuläres Einzelprojekt im Stil von Carrera GT oder 918 Spyder. Porsche-Chef Michael Leiters kündigt ausdrücklich eine dauerhaft angebotene Modellfamilie auf einer neuen, flexibel nutzbaren Supersportwagen-Plattform an.
Der Mission S selbst ist vorerst ein Visionsmodell. Leistung, Motor, Fahrleistungen oder ein Termin für das Serienauto verrät Porsche noch nicht. Die grundsätzliche Entscheidung ist allerdings gefallen.
Der Ort der Premiere war sorgfältig gewählt. Porsche enthüllte den Mission S an einem Pier in Queens mit Blick auf Manhattan. Dort entstanden 1953 berühmte Aufnahmen des 550 Spyder, jenes Mittelmotor-Sportwagens, der Porsche in den USA entscheidend bekannt machte. 73 Jahre später steht an derselben Stelle wieder ein kompakter, flacher Mittelmotor-Porsche.
Mittelmotor für die neue Spitze
Die neue Plattform soll technisch eigenständig und speziell für Mittelmotor-Supersportwagen entwickelt sein. Laut Leiters steht sie für eine ganze Baureihe, deren verschiedene Ausprägungen künftig die Spitze des Porsche-Programms bilden sollen.
Interessant wird es beim Antrieb. Porsche selbst bleibt in seiner offiziellen Präsentation dazu zurückhaltend. Gegenüber „Autocar“ erklärte Leiters allerdings, die Plattform sei für reine Verbrennungsmotoren, Hybride und Plug-in-Hybride ausgelegt. Eine rein elektrische Variante ist derzeit nicht vorgesehen. Porsche sieht in dieser Fahrzeugklasse momentan zu wenig Nachfrage danach.
Das ist auch strategisch bemerkenswert. Noch 2023 zeigte Porsche mit der Mission X einen elektrischen Hypercar-Entwurf. Dieses Projekt wird laut „Autocar“ inzwischen nicht weiterverfolgt. Der Mission S schlägt eine andere Richtung ein.
Welcher Motor schließlich hinter den Passagieren arbeiten wird, bleibt offen. Ein V8 wäre technisch naheliegend, selbst ein Achtzylinder-Boxer wird bereits diskutiert. Bestätigt ist davon derzeit nichts.
Porsche-Geschichte auf engem Raum
Beim Design wird Porsche konkreter. Der Mission S ist das erste große Schaustück unter dem neuen Designchef Tobias Sühlmann und soll bereits zeigen, wie sich die Formensprache der Marke weiterentwickelt.
Dabei haben die Designer tief ins eigene Archiv gegriffen. Runde Scheinwerfer und ausgeprägte Kotflügel erinnern an den 911, die flache Front wie auch die Gestaltung des Hecks nehmen Anleihen beim 911 GT1. Die Dachlinie führt Porsche auf den 959 zurück. Selbst die Räder zitieren Geschichte: Ihre Grundidee stammt vom sogenannten Wählscheiben-Design des 928.
Besonders auffällig sitzt ein großes Lüfterrad sichtbar unter der Heckabdeckung. Es übernimmt tatsächlich eine Kühlfunktion und erinnert gleichzeitig an den legendären Porsche 917. Ein aktiver Heckflügel ist vollständig in die Karosserie integriert.
Die Proportionen verraten den Mittelmotor deutlich. Lange, ausgeprägte Kotflügel, eine flache Kabine und ein extremes Verhältnis von Breite zu Höhe geben dem Mission S eine ganz andere Haltung als dem 911.
Fünf Rundinstrumente sind wieder da
Fast spannender als die Karosserie ist das Cockpit. Porsche schlägt hier einen Weg ein, der angesichts immer größerer Displayflächen fast schon radikal wirkt.
Vor dem Fahrer stehen wieder fünf Rundinstrumente. In der Mitte sitzt ein Drehzahlmesser mit echter analoger Nadel und einem Display im Hintergrund. Je nach Fahrmodus kann sich der zentrale Drehzahlmesser sogar in Richtung Fahrer bewegen; gleichzeitig verändert sich die Anordnung der Instrumente.
Auch klassische Schalter und Drehregler bleiben erhalten. Neue Bedienelemente mit Push-Pull-Funktion geben direkten Zugriff auf Fahr- und Komfortfunktionen. Selbst der Fahrzeugschlüssel hat wieder einen festen Platz links neben dem Lenkrad. Das Sport-Chrono-Element verbindet ebenfalls mechanische und digitale Anzeigen.
Eigenes Smartphone statt Zentraldisplay
Ein großes, fest eingebautes Zentraldisplay gibt es im Mission S nicht. Porsche sieht dafür eine ausfahrbare MagSafe-Aufnahme vor. Das eigene Smartphone übernimmt bei Bedarf Navigation und weitere Informationsfunktionen. Ähnliches kommt bisher nur in Basisvarianten von Fahrzeugen wie Dacia Spring oder Citroen C3 zum Einsatz – wenn auch mit einer Klemme statt einer Magnethalterung.
Mehr als ein neues Auto
Der Mission S gehört zu Porsches neuer Strategie „Sportwagenschmiede ’35“. Das Unternehmen will stärker in besonders margenstarke Marktsegmente vordringen, die Zahl der Modellvarianten reduzieren und gleichzeitig mehr exklusive Fahrzeuge verkaufen. Der durchschnittliche Verkaufspreis der Spitzenmodelle soll mittelfristig um rund 20 Prozent steigen.
Der neue Supersportwagen passt ziemlich genau in dieses Bild. Porsche baut künftig weniger Varianten, stärkt Sondermodelle und Individualisierung und erweitert das Angebot am oberen Ende.
Dass ausgerechnet ein kompromissloser Mittelmotor-Sportwagen dabei eine wichtige Rolle bekommt, dürfte viele Porsche-Fans freuen.
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